Menschen und Schicksale. Den Opfern der politischen Repressionen des Krasnoturansker Bezirks gewidmet...

Aus den Erinnerungen der Frieda Ludwigowna Schtschukina

Frieda Ludwigowna Schtschukina (Weiß), geb. 1951.
Meine Eltern: Ludwig Ludwigowitsch Weiß (1910- 1964)
Amalie Johannesowna Weiß (Моch, 1913-1981) – beide gebürtig aus dem Wolgagebiet, Bezirk Unterwalden, Dorf Bettinger, wo sie bis zur Deportation mit ihren drei kleinen Kindern lebten: Ewald (geb. 1938), Maria (geb. 1934), Amalie (geb. 1936). Beide arbeiteten in der Kolchose. Mama war mit dem vierten Kind schwanger, welches sie während der Deportationim Oktober 1941 „verlor“. Gemäß Verteilungsscglüssel wurde die Familie in den Idrinsker Bezirk, Region Krasnokarsk, abtranportiert. Sie hausten in einer Erd-Hütte; der russischen Sprache waren sie nicht mächtig. 1942 wurde der Vater in die Trudarmee geholt und 1944 wegen Krankheit demobilisiert. 1947 verbüßte er wegen eigenmächtigen Verlassens des Arbeitsplatzes eine viermonatige Strafe in einem Besserungs-/Arbeitslager der MWD-Behörde.

Mama wurde ebenfalls in die Trudarmee mobilisiert, von wo sie sich 1943 gezwungen sah, auf eigenen Entschluss zu ihren kleinen Kindern in den Idrinsker Bezirk zurück zu kehren, die sie bei der betagten Großmutter hatte zurücklassen müssen und die zum Überleben um Almosen bettelten. Dafür bekam sie eine noch höhere Strafe - 7 Jahre Freiheitsentzug. 1945 wurde sie in die Freiheit entlassen und kehrte zur Familie in den Idrinsker Bezirk, Region Krasnojarsk, zurück. In den Nachkriegsjahren wurden drei weitere Kinder geboren. Theresia (1949), Lydia (1953) und ich. Im Zeitraum 1945-1948 gab es noch zwei weitere Kinder, die jedoch starben.

Die Erniedrigungen und Misshandlungen, die wir durchmachen mussten, blieben nicht allein nicht heilende Wunden in der Seele, sondern auch Narben am Körper zurück.

Wir träumten davon, in unsere angestammte Heimat an der Wolga zurückzukehren. Aber wir bekamen die Erlaubnis nicht. Und so wurde Sibirien zu unserer zweiten Heimat. Ich hatte das Glück, das Wolgabiet zu besuchen und den Ort wiederzusehen, an dem einst mein Elternhaus stand. Ich habe eine Familie, einen liebenden und verständnisvollen Ehemann. Wir haben zwei Söhne großgezogen. Gegenwärtig sind wir beim Großziehen der Enkelkinder behilflich. Ich habe eine Berufsausbildung als Technologin für allgemeine Ernährung. 23 Jahre habe ich in der Konsumgenossenschaft gearbeitet., insgesamt umfasst mein Arbeitsleben 40 Jahre; ich bin Veteranin der Region Krasnojarsk.

Ich habe stets eine aktive Lebensweise geführt. Im Augenblick bin ich Abgeordnete des Krasnoturansker Bezirksdeputiertenrats.

Ich danke Gott dafür, dass er mir und meinen Angehörigen die Kraft gab, alles durchzustehen und würdige Menschen zu bleiben.


Meine Mama - Amalie


Vater - Ludwig


Schwester Maria


Frieda Ludwigowna


Schwester Amalie


Bruder Ewald


Schwester Theresia


Schwester Lydia


Die Familie des ältesten Sohnes und ich mit meinem Mann


Die Famile des jüngsten Sohnes


Meine Enkelkinder


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