Landsmann

18. Allrussischer Wettbewerb historischer Forschungsarbeiten
«Der Mensch in der Geschichte. Russland – 20. Jahrhundert»
2016–2017

Thema des Wettbewerbs: «Die Unseren – die Fremden»

Kristina Jewjenewna Chodkina

Kommunale fiskalische Lehreinrichtung – Beresowsker Allgemeinbildende Oberschule, 8. Klasse

Tamara Fjodorowna Tarassowa, Geschichtslehrerin
Kommunale fiskalische Lehreinrichtung – Beresowsker Allgemeinbildende Oberschule

Inhalt

1. Einleitung
2.1. Der Zeitraum der Deportationen
2.2. Das Leben in der Ortschaft Beresowka
3. Schlussbemerkung
4. Literatur
5. Anhang

Aktualität. In meiner Forschungsarbeit will ich von dem bemerkenswerten Landsmann Viktor Iwanowitsch Kerber (Körber?) erzählen. Diesen Mann kennt man nicht nur in der Ortschaft, sondern auch im Bezirk, in der ganzen Region. Mich interessierte sein Schicksal, über das ich Näheres von seiner Tochter und seinem Sohn, aus Zeitungsveröffentlichungen und von Dorfbewohnern erfuhr. Viktor Iwanowitsch ging der Jugend, seinen Kollegen und dem Bezirk immer mit gutem Beispiel voran. Ich möchte, dass auch die neue heranwachsende Generation über ihren bedeutsamen Landsmann aus dem gleichen Ort Bescheid weiß. Umso mehr, als die Landwirtschaft gerade auflebt und Viktor Iwanowitsch bereit war, seine Kenntnisse mit den jungen Mechanisatoren zu teilen. Die Bewohner der Ortschaft, und besonders viele junge Leute, können ihren Platz im Leben nicht finden. Indem ich über Viktor Iwanowitschs Errungenschaften berichte, möchte ich zeigen, dass die Arbeit eines Mechanisators und Mähdrescherfahrers recht angesehen ist und viele Menschen diesen Beruf wählen könnten.

Ziel:
1. Bekanntmachen mit dem Schicksal von Viktor Iwanowitsch Kerber.
2. Etwas über seine Errungenschaften erfahren.

Aufgaben:
1. Die erhaltenen Informationen systematisieren.
2. Eine Arbeit über das Leben und die Errungenschaften Viktor Iwanowitsch Kerbers schreiben.

Forschungsobjekte: Dokumente, Fotografien, Zeitungsartikel, Erinnerungen.

Gegenstand der Forschung: Lebensweg und Errungenschaften von Viktor Iwanwoitsch Kerber.

Forschungsmethoden: Biographie, Analyse des Familienarchivs, Zeitungs-veröffentlichungen, Systematisierung und Vergleichsanalyse der Informationen.

2.1 Zeitraum der Deportation

Einer meiner Landsleute ist Viktor Iwanowitsch Kerber

Auf diesen Mann kann unser ganzes Dorf stolz sein. Er durchlebte die stalinistischen Repressionen und zeichnete sich in der gesamten Zeit als fleißiger und verantwortungsbewusster Mensch aus.

«Viktor Iwanowitsch Kerber wurde am 18. Dezember 1931 im Dorf Schilling, Gebiet Saratow, Krasnoturansker Bezirk, geboren. Er absolvierte zwei Klassen an der deutschen Schule. Die Mutter arbeitete nicht, der Vater war als Mechanisator tätig. Ihr Hof war nicht klein. Er war das dritte Kind in der Familie, insgesamt gab es 11 Kinder. Vier Schwestern (zwei in Deutschland, zwei in Tschetscheul) und er sind noch am Leben.


Viktor Iwanowitschs Familie

Das harte Jahr 1941 war für das ganze Land schwierig. Schilling war eine reiche deutsche Ortschaft, doch mit Ausbruch des Krieges änderte sich die Lage der Deutschen jäh. Mit Beginn des Krieges wurde den Menschen verkündet, dass die Wolga-Deutschen nach West-Sibirien und Kasachstan ausgesiedelt würden. «Innerhalb weniger Tage trafen Soldaten im Dorf ein, ließen sich in der Schule nieder, an der schon kein Kind mehr unterrichtet wurde, und begannen mit ihrer «Arbeit». Die Soldaten warnten die Deutschen, dass sie nichts verkaufen dürften. Die Frauen trockneten in ihren Öfen in Scheiben geschnittene Kartoffeln, packten Bettwäsche zusammen. Die Aussiedlung ging sehr schnell vor sich. Die Menschen wurden ohne Essen auf Fuhrwerke verfrachtet (man hatte ihnen unter Androhung der Todesstrafe verboten, etwas mitzunehmen) und schickte sie auf Etappe. Bew9oohner des Krasnoturansker Bezirks wurden am 9. Und 10. September aus der Ortschaft Urbach nach Kasachstan und West-Sibirien deportiert. Drei Wochen lang wurden sie unter Bewachung in kalten Viehwaggons transportiert. Die verbannten Deutschen starben unterwegs den Hungertod. Viele Menschen waren auf dem Transport, alle Opfer der Verfolgungen. Man verhielt sich ihnen gegenüber schlecht, alle wurden in einem Klubhaus untergebracht». (Erinnerungen von L.W. Iwanowa)

«Zuerst wurden wir im Dorf Matwejewka im Abansker Bezirk untergebracht. Einen Monat besuchte ich die Schule, aber ich konnte kein Russisch. Im Alter von 11 Jahren fing ich, zusammen mit der Mutter und meiner älteren Schwester, an auf einer Farm zu arbeiten, um die Familie zu ernähren; man züchtete dort Schweine und Schafe. Der Vater war in der Trudarmee.

Bis 1946 lebten wir im Klub.» (Aus Materialien des Museums der Beresowsker allgemeinbildenden Oberschule)

2.2. Das Leben in der Ortschaft Beresowka

«Nach und nach brachten sie uns nach Beresowka. Wir gingen zu Fuß, die Sachen wurden auf Fuhrwerken verstaut. Als wir umzogen, gab es dort nur wenige Familien. Man legte sich vorübergehend kleine Häuschen zu, später wurden neue Häuser gebaut und man zog dort ein. In der Wirtschaft gab es nur eine einzige Kuh. Da ich kein Russisch konnte, ging ich nicht zur Schule. Ich ging arbeiten – als ungelernter Hilfsarbeiter. Mit dem Pferd transportierte ich Brennholz und Heu für die Kolchose. Ich arbeitete auch auf dem Feld.

Ab 1950 arbeitete ich auf dem Anhänger eines Traktors.

1954, an Neujahr, heiratete ich. Sie hütete Kälber, später arbeitete sie als Melkerin. Wir hatten drei Kinder.

Am 24. Auugust 1954 wurde Tochter Lidia Viktorowna Kerber (Iwanowa) geboren. Sie wohnt in Beresowka.

Am 7. April 1956 kam Sohn Viktor Viktorowitsch Kerber zur Welt. Er wohnt in Beresowka.

Am 7. Mai 1962 wurde Sohn Wladimir Viktorowitsch Kerber geboren; er starb, als er im 3. Kurs am Landwirtschaftlichen Institut in Krasnojarsk studierte.

1955 erfolgte die Rehabilitation. Damit änderte sich im Leben nichts; alles blieb so, wie es auch vorher schon gewesen war. Nach der Rehabilitierung fuhren viele wieder zurück, doch die Familie Kerber blieb. Sie beschlossen nicht umzuziehen.

1956-1957 – machte er eine Ausbildung in Kansk. Die Schüler lernten Traktoren und Mähdrescher kennen. Er lernte gut, hatte ein gutes Erinnerungsvermögen. Er war Analphabet, schrieb im Unterricht nicht mit, aber er beendete die Ausbildung mit guten Noten.

1957 nahm er eine Arbeit als Mechanisator auf. Zuerst arbeitete er auf einem Kettentraktor «Stalinez», nach weiteren Kursen auf Mähdreschern der Serie SÊ-3, SÊ-4, SÊ-5, später auf einem «Jenissei».»

Viktor Iwanowitsch war stets Lehrmeister für die jungen Mechanisatoren: er vermittelte ihnen seine Erfahrung und die Geheimnisse der Meisterhaftigkeit.

Es gab viele erfolgreiche junge Leute, die gute Arbeit leisteten. In seinem Leben hat er zahlreiche Diplome und Ehrenurkunden erhalten.

«Seinen ersten Orden bekam er am 23. Juni 1966 für «glänzende Arbeitsleistungen».


Der Direktor der Sowchose, Iwan Prokopewitsch Lukjanenko, überreicht ihn für seinen Sieg im sozialistischen Wettbewerb eine Urkunde.

Viktor Iwanowitsch Kerber hat in seinem Leben eine Menge Diplome, Preise und Medaillen erhalten.» (I.I. Rukossujew. Sie arbeiten auf dem Land. «Rotes Banner», 7. Juni 2008)

«Ehrenurkunden aufgrund hervorragender Ernteerfolge erhielt er ab 1957 und bis zum Ende seiner Berufstätigkeit. Von Jahr zu Jahr erhöhten sich seine Glanzleistungen und die Erträge des gemahlenen Getreides.

Den größten Ertrag gab es 1981; er machte mehr als 13000 Zentner aus. Mehrfach verlieh man ihm den Titel «Bester Mechanisator des Jahres», «Gardist der Ernte 1972» und 1986 «Erntemeister 1986».


Mit Ehefrau Irma Petrowna.

Auch als der berühmte Mechanisator in Rente gegangen war, wollte er nicht die Hände in den Schoß legen, sondern ging zum Arbeiten in die Hofwirtschaft von M.M. Stein. Mehrere Jahre blieb er dort.» (Erinnerungen von W.W. Kerber)

Den Nachfahren hinterließ er gute Erinnerungen an sich. An Viktor Iwanowitsch erinnert man sich im Bezirk bis heute. Jährlich werden Bezirkswettkämpfe im Volleyball um den «Kerber-Cup» veranstaltet. Ihm ist ein Artikel im Buch zum 80-jährigen Bestehen des Abansker Bezirks gewidmet.

3. Schlussbemerkung

Für meine Arbeit habe ich mir ein Ziel gesetzt : mich mit dem Schicksal con Viktor Iwanowitsch Kerber bekanntzumachen. Ich habe sein Leben anhand der Erzählungen seiner Kinder studiert und auch Material aus der Zeitung hinzugezogen. Er hat ein erstaunliches Leben gehabt. Trotz der mitgemachten Entbehrungen und Unbilden ist seine Seele nicht zerbrochen, und er ist nicht in Erbitterung geraten. Er war immer ein aufrechter Mensch. Und er hat gewissenhaft gearbeitet, wofür er hohe Regierungsauszeichnungen verliehen bekam. Er war ein Beispiel für alle, die auf dem Lande gearbeitet haben. Leider verstarb er im Dezember 2012.

LITERATURANGABEN

1. I.I. Rukossujew. Sie arbeiten auf dem Land. «Rotes Banner», 7. Juni 2008.
2. «80 Jahre Abansker Bezirk»

INTERVIEWS

1. L.W. Iwanowa
2. W.W. Kerber
3. W.I. Kerber

 


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