Bruno Diehl. Porträt des Künstlers, Menschen, Ehrenbürgers der Stadt Kansk

Regionale staatliche allgemeinbildende Einrichtung «Kansker Marine-Kadetten- Korps»
Von:
Kirill Schukowskij,
Kadett der 11. Klasse

Leitung: G.M. Chorez
Lehrer für russische Sprache
und Literatur beim Kansker Marine-Kadettenkorps

Kansk 2017

Inhalt.

Einleitung.
Kapitel 1. Literatur-Überblick
Kapitel 2. B.G. Diehls Kindheit
Kapitel 3. Schwere Zeiten:
a) Sonderumsiedler, das Leben in Turuchansk;
b) Kansk, das im Schicksal des Künstlers zu dessen Heimat wurde
Kapitel 4. Schaffensweg:
a) Lehrtätigkeit;
b) die Arbeit des Künstlers und Gestalters;
c) "Die Natur – mein Freund, Lehrer und Mentor, aus ihr schöpfe ich meine Kraft... sie ist die unerschöpfliche Quelle der Inspiration..."
Kapitel 5. Ausstellungen der Arbeiten – das Ergebnis langjährigen Schaffens
Kapitel 6. "Bruno Genrichowitsch Diehl – ein Mensch von reinster Seele…"
Schlussbemerkung
Literatur-Angaben

Einleitung

Das Thema der Arbeit ist aktuell, denn, erstens, verleiht es die Möglichkeit, die Geschichte des Landes und der Region im Hinblick auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts eingehender zu studieren, sich mit dem Schicksal und Werk von B.G. Diehl bekannt zu machen, zu sehen, wie das Leben eines Menschen eng mit der Politik des Staates verknüpft ist, die Tragödie von Millionen von Schicksalen zu verstehen; zweitens scheint mir das gewählte Thema interessant zu sein, denn es geht hier um einen Mann, den ich seit meiner Kindheit kannte, doch offenbar nur äußerlich; und nun ergab sich für mich die Möglichkeit, ihn nicht nur als Künstler, sondern auch als gewöhnlichen Menschen von ihm nahestehenden Leuten kennenzulernen; zum Dritten ist der Name des Künstlers B.G. Diehl, Mitglied der russischen Künstlervereinigung, Ehrenbürger unserer Stadt, unter meinen Altersgenossen nur wenig bekannt, und ich wollte gern das Material aus meinen Studien mit den Kadetten, Schülern der Stadt teilen, einem Mann Tribut zollen, dessen Geist nicht gebrochen werden konnte. Ich wollte dieses Material sammeln und der Bibliothek des Korps zur Verfügung stellen.

Ziel: Studium des Lebens und Werks von B.G. Diehl.

Um dieses Ziel zu erreichen, sind folgende Aufgabenstellungen zwingend erforderlich:
1. Sich mit Bild-Reproduktionen, Zeitschriften-Material vertraut machen, eine Vergleichsanalyse verschiedener Quellen durchführen.

2. Ein Interview mit T.I. Jurkina führen, welche die Familie Diehl persönlich kannte, einen Briefwechsel mit B.G. Diehls Enkelin herstellen, um Einzelheiten zu präzisieren, die den Künstler betreffen.

3. Anhand der gesammelten Materialien eine Vorstellung von Diehls Person und Schicksals zu erhalten.

4. Die Aufmerksamkeit der Kadetten auf dieses Thema zu lenken.

Gegenstand der Forschung: außergewöhnliche Menschen der Stadt Kansk.

Konkreter Gegenstand der Forschung: Persönlichkeit und Vielfältigkeit des Werkes von B.G. Diehl, Ehrenbürger der Stadt, Mitglied des russischen Künstlerverbandes.

Hypothese: Wir vermuten, dass das Werk B.G. Diehls eine würdevoller Beitrag in der Entwicklung der Kultur der Stadt Kansk ist.

Methoden: Beschreibung, Aufspüren, Analyse, Synthese, Interview, Schriftwechsel.

Kapitel 1. Literatur-Überblick


Bruno Diehl (Foto 1)

Über den Künstler Bruno Genrichowitsch Diehl (Foto 1) wurde in den Zeitschriften mehrfach geschrieben: es handelt sich um Artikel mit Reaktionen auf seine Arbeiten, die auf Ausstellungen vorgestellt wurden, persönliche Interviews mit dem Künstler. Die umfangreichsten Informationen über Bruno Genrichowitsch Diehl finden sich in dem Buch W.B. Kolpakows "Geschichte mit dem Pinsel gemalt". Der Autor war persönlich mit dem Künstler bekannt, er erzählt detailliert von den Eltern, der Kindheit Bruno Diehls, anschließend über die Schwierigkeiten im Leben des Sonderumsiedlers. Viel Platz in dem Buch nimmt eine Bericht über den Schaffensweg ein: berührt wird dabei sowohl die Lehrtätigkeit, als auch die Arbeit des Künstlers und Gestalters, aber das Wichtigste ist, dass W.B. Kolpakow bei seinen Arbeiten Halt macht und dabei anmerkt, dass Sibirien für Bruno Genrichowitsch nicht nur zum zweiten Zuhause, sondern auch zum hauptsächlichen Gegenstand seiner Bilder wurde – in ganz vielfältiger Weise: einem frei, wild und junonisch. Die Romantik der Taiga-Pfade war das Hauptthema in seinen Werken.

In dem Artikel "Bruno Diehl: ein sibirischer Charakter", der im "Kansker Anzeiger" erschien, erzählt Toivo Rjannel, Volkskünstler Russlands, berühmter Maler der Malerei, Freund unseres Landsmanns B. Diehl, der zur Jubiläumsausstellung aus Finnland angereist kam, dass er von seinen Arbeiten begeistert war. Er bemerkte, dass er für sich einen neuen Künstler entdeckt habe, obwohl er eigentlich schon so lange gewusst hatte, dass diesein professionelle Künstler mit einem guten Gefühl für Komposition und großen Fähigkeiten war, auf kleinformatiger Leinwand monumentale Gemälde zu schaffen, dass seine Bilder voller Liebe zur sibirischen Natur, ihre rauen und wenig zarten Schönheit waren.

Zu Bruno Genrichowitschs 75. Geburtstag setzte A. Sberowskij in seinem Artikel „Vernissage“ im „Kansker Anzeiger“ ein Interview mit dem Künstler und seiner Ehefrau Irma Bogdanowa. Fas Ehepaar, das ein langes Leben miteinander verbrachte, feierte 2003 die goldene Hochzeit, zog zwei Kinder groß, half bei der Erziehung der Enkelkinder. Alle Freuden und Leiden teilten sie miteinander, und Irma Bogdanowa war stets die „erste Kritikerin", wie der Künstler es selber ausdrückte, und es kam vor, dass sie ihn recht heftig „bombardierte", was ihn nicht kränkte. Vielmehr hörte er auf die kritischen Anmerkungen, arbeitete die Bilder um und bat seine Frau als wichtigste Betrachterin erneut um ihre Beurteilung. Aber Streit gab es zwischen den beiden nie. In diesem Interview gesteht Bruno Genrichowitsch, dass Kansk für ihn die Heimatstadt ist, hier kennt er alle Winkel auf hundert Kilometer in beliebiger Richtung, die geliebten Flüsschen und Seen, hier ist er festgewachsen.

"Im Künstleratelier" – so ist die Notiz von J. Lebedew in der Zeitung "Macht der Sowjets" betitelt, wo der Autor von Diehls gestalterischer Arbeit auf dem zentralen Platz in Form eines dekorativen Wandgemäldes zu den November-Feierlichkeiten berichtet.
"Allein mit der Natur wird dem Künstler Harmonie und Ruhe zuteil," – lesen wir bei Valerij Schegelow im Artikel "Der Künstler Bruno Diehl" ("Kansker Textilarbeiter"). Der Autor merkt an, dass, die Natur ewig jung bleibt, die durch B. Diehls Pinsel entsteht, plastisch, lebendig in geschwätzigen Flüsschen, nebelverhangenen Seen, Bergtälern, im tropfenden Regen und im bläulichen Dunst des Frosts.

In der Tat verblüfft das Werk Diehls durch die Meisterhaftigkeit des Künstlers. Denn das Hauptthema seiner Bilder war die Romantik der Taiga-Pfade, und die Fähigkeit diese Atmosphäre auf die Leinwand zu bannen suchte ihresgleichen. Davon kann man sich leicht überzeugen, wenn man seine Bilder betrachtet.

Kapitel 2. Kindheit

Das Dorf der deutschen Umsiedler in der Nähe von Saratow, Rownoje oder Seelmann, wo Bruno 1927 das Licht der Welt erblickte, la am malerischen Wolga-Ufer. Deutsche hatten sich hier seit undenklichen, schon zu Katharinas Zeiten niedergelassen. Und hier die ersten Erinnerungen: zu zweit mit dem Großvater in einem Boot auf dem Fluss. Der Großvater angelt, achtet nicht auf den Enkel. Bruno beobachtet den auf dem Boden liegenden Fang. Es sind viele Fische, silbrig glänzen sie in der Sonne, er kann sich gar nicht satt sehen. Sie zappeln, schlagen hilflos mit den Schwänzen auf den hölzernen Bretterbelag, und das erheitert das Kind.

Das Gedächtnis des Künstlers hat auch andere Erinnerungen bewahrt. Anfang der dreißiger Jahre – schreckliche Jahre für die Wolga-Bewohner. Missernten und die unverständliche Agrarpolitik des Staates stellten die Bevölkerung der riesigen und reichen Region an den Rand des Überlebens. Die Hilfe durch den Staat war gering, im Bezirkskomitee wurden einmal am Tag für die Kinder ein Kessel mit Wassersuppe und ein winziges Stück Brot ausgegeben – von der Größe einer Streichholzschachtel. Und die Jungchen schritten einher, einander bei den Händen haltend, und hinter ihnen ertönte ein trauriger Vierzeiler:

Spargeltarzan mit dem Kessel, wohin gehst du?
Ins Bezirkskomitee, um die Ration zu holen. Weißt du denn nicht?

1934 kam das Leben wieder zurecht. Zu der Zeit zog die Familie in die Hauptstadt der deutschen Autonomie, die Stadt Engels. Bis 1931 trug sie den Namen Pokrowsk.
Nachdem die Stadt Engels zum Zentrum der Autonomie geworden war, begann es schnell sich zu wandeln. Es wurden neue Unternehmen, Fabriken, ein pädagogisches Institut, ein Institut für Landwirtschaft gebaut, man eröffnete Schulen und Kindergärten. Der Pionierpalast und Kinotheater öffneten ihre Türen.

Bald war es für Bruno an der Zeit, in die Schule zu gehen. Gleichzeitig begann auch der Kunst-Unterricht im städtischen Pionier-Palast. Die ersten Arbeitsfertigkeiten brachte Vater Genrich (Andrej) Iwanowitsch Diehl seinem Sohn bei (Foto 2). Er hatte eine künstlerische Ausbildung genossen und beschäftigte sich mit vielen Dingen: Grafik, Malerei, Skulpturen; er war in der Schule als Lehrer tätig, aber auch als Illustrator im deutschen Staatsverlag der Stadt Engels.


Genrich (Heinrich) Iwanowitsch Diehl (Foto 2)

Genrich wandte alle möglichen Bemühungen an, um auch die Kinder in die große Kunst mit einzubeziehen. Sie fuhren mehrmals nach Moskau, wo sie mit eigenen Augen die Meisterwerke der Tretjakow-Galerie und anderer Museen betrachten konnten; des Weiteren besuchten sie in Saratow das Radischtschew-Museum. Mit Begeisterung betrachtete Bruno die Werke der berühmten Meister und träumte davon, selber einmal alle Weisheiten der Kunst zu erlernen. Alles sprach dafür, dass der Sohn einmal in die Fußstapfen des Vaters treten sollte. Und schon hatte er auch tatsächlich die erste Auszeichnung bekommen – das Diplom der republikanischen Olympiade. Im sommerlichen Park der Stadt Engels vor einer großen Anzahl Menschen.

Dann kam der Krieg. Der Krieg, der alle Pläne durchkreuzte, verwarf für viele Jahre und Kilometer alle jugendlichen Hoffnungen und Bemühungen. Der 22. Juni – inmitten der Schulferien. Da hört man plötzlich diese schreckliche Meldung: «Deutsche Truppen haben ohne Kriegserklärung…». Die Schüler stürmten zur Schule. Was tun, wie der geliebten Heimat helfen? Sie diskutierten nicht lange. Man beschloss den Dorfbewohnern bei der Ernte zu helfen. Erfüllt von Liebe und Patriotismus begab auch Bruno sich in die Kolchose.

Bei seiner Rückkehr hatte sich vieles im äußeren Erscheinungsbild der Heimatstadt verändert. Sie war irgendwie verblichen, verwelkt. Ihm fielen die mit Papierstreifen zugeklebten Fenster ins Auge, Flüchtlinge tauchten auf. Übermüdete, geschwächte Menschen mit wenig Hab und Gut oder ganz ohne waren in der gesamten Stadt verstreut, überfüllten die Straßen und Wohnungen der Bürger. Auch bei der Familie des Künstlers Genrich Diehl wurde den Flüchtlingen ein Quartier zugewiesen. Die Diehls waren eine große Familie: zwei Erwachsene und vier Kinder: Lilia, die Älteste, Bruno – 14 Jahre alt, der neunjährige Wolodja und die noch winzig kleine Isoldå (sie war im Vorkriegsjahr geboren). Die Auslastung der Zimmer brachte erhebliche Schwierigkeiten mit sich. Aber, wie man sagt, es war eng, aber es gab keine Kränkungen.

Die Kindheit des kleinen Bruno war also verdunkelt durch Hunger und den Beginn des Krieges. Aber die einträchtig miteinander lebende große Familie hielt durch. Selbst in so einer schwierigen Zeit sind die Eltern sich darüber im Klaren, dass es notwendig ist, den Kindern einen Ausbildung angedeihen zu lassen. Eine große Rolle beim Antrainieren des künstlerischen Geschmacks spielte Vater G.I. Diehl. Er bemühte sich, den Sohn an die große Kunst heranzuführen, denn Bruno träumt selber davon, dieses Handwerk zu erlernen.

Kapitel 3. Schwere Zeiten

à) Sonderumsiedler, das Leben in Turuchansk

Im August 41 verabschiedete der Oberste Rat der Union der Sowjetischen Sozialistischen Republiken das Dekret über die Deportation der Russland-Deutschen nach Sibirien. Wie? Weswegen? Schließlich hatten doch die in Russland lebenden Deutschen nichts mehr gemein mit denen im faschistischen Deutschland, allenfalls mit Ausnahme der Sprache. Sie waren auf russischem Boden geboren, sie waren dort erzogen worden, hatten eine gemeinsame Geschichte mit Russland und ihre Traditionen waren inzwischen schon ganz andere, als die, welche die zu Katharinas Zeiten eingereisten Deutschen gepflegt hatten. Viele aus diesem Volk hatten Russland Ruhm und Stolz verliehen. Aber dennoch blieben sie Deutsche, und das genügte, damit die russische Regierung sie alle mit einem einzigen Federstrich in die Verbannung schickte, weit weg von den Orten, in denen ihre Vorfahren heimisch geworden waren.

Das 20. Jahrhundert – wohl eines der dramatischsten. Das sind in erster Linie die Jahre der schrecklichen stalinistischen Verfolgungen, die Strafmaßnahmen gegenüber den eigenen Landsleuten, ausgehend von den staatlichen Organen. Theoretische Grundlage der Repressionspolitik war die von J.W. Stalin in Gang gesetzte These über die Unabwendbarkeit der Verschärfung des Klassenkampfes im Prozess des sozialen Aufbaus. In den Jahren 1930 und 1931 wurde im Zusammenhang mit der sprunghaft angestiegenen Zahl von Gefangenen Die Hauptverwaltung der Lager (GULAG) geschaffen. Die Häftlinge wurden vor allem bei schweren und keine Qualifikation erfordernden Arbeiten eingesetzt, und zwar in der Bergbauindustrie in wenig besiedelten und klimatischen ungünstigen Bezirken der UdSSR, in der Forstwirtschaft usw. Die Repressionspolitik ermöglichte es, in breitem Maßstab kostenlos arbeitende Gefangene einzusetzen. Ihren Höhepunkt erreichten die Repressionen zwischen 1935 und 1938.

Das genaue Ausmaß der Repressionen ist bis heute noch nicht ermittelt. Anhand einer Beispielrechnung wurden zwischen 1930 und 1953 nicht weniger als 800.000 Personen zur Todesstrafe verurteilt, etwa 18 Millionen durchliefen Konzentrationslager, bei denen es sich zu einem Fünftel um Menschen handelte, die nach politischen Paragraphen verurteilt worden waren.
Heute scheint es mir,

Dass du und ich zwei
Verschiedene Länder
In einem hatten.
Das erste Land stand
Vor den Augen aller Länder
Und machte froh seine Meldungen!
Das zweite brachten sie weit weg.
Im Nu durchtrennten sie die Wurzeln.
Der Zug raste durch die Felder,
Und alle im Waggon hatten den
"Einhundertsechzehn zu zwei Hälften"...
R. Roschdestwenskij.

Sibirien erwies sich als geeignetes Territorium für die Isolierung von Menschen, die der Staatsmacht nicht genehm waren. Die Region Krasnojarsk wurde zu einem der Haupt-Verbannungsgebiete in der Sowjetunion. Wen sie nicht alles in unsere Region verschleppten: "Entkulakisierte", "Sonderumsiedler", "Arbeitssiedler", "Wlassow-Anhänger", "Bandera-Anhänger", "Volksfeinde". Manch einer von ihnen überlebte, manch einer blieb dort in den Lagern. Vielen nicht nur in Russland, sondern auch über seine Grenzen hinaus bekannten Leuten wurde die sibirische Verbannung zuteil: Adriadna Efron (die Tochter Marina Zwetajewas), der Künstler am dramaturgischen Theater Georgiej Schschonow und seine Frau Lidia, der Rechtsanwalt Viktor Kramarow (Vater von Sawelij Kramarow), der Schriftsteller Robert Stilmark, die Ehefrau des Spions Sorge – Jekaterina Michailowna, Sergej Lwowoitsch Serych, der Sohn A.D. Trotzkijs, verschleppt in die Region Krasnojarsk, erschossen 1937 in Krasnojarsk: Olga Stafanowna Michailowa, Solistin des Staatlichen Großen Akademischen Theaters, Budennijs Frau u.a.

Durch den stalinistischen Fleischwolf menschlicher Schicksale ging auch die Familie Diehl. Man gab ihnen einen Tag Zeit, um ihre Sachen zu packen.

Ohne jeglichen Komfort reisten sie gen Osten, in Güterwagenõ, wie Gefangene, allerdings ohne Bewachung. Was für eine Bewachung hätte das wohl auch sein sollen, wenn doch das ganze Land eine einzige geschlossene Häftlingszone war. Ein durchgehendes Gefängnis, nichts anderes. Nirgendwohin konnte man vor dem alles sehenden Auge des Kreml entweichen. Die Fahrt schien endlos. Aus ihrem eigenen Haus vertrieben, hatten sie in einem winzigen Augenblick ihre Heimat verloren. Das Land, welches sie geboren und aufgezogen hatte, lehnte sie ab. Manche versuchten irgendwie, den Regierungsbeschluss zu begründen. Sie meinten, dass einige der Umsiedler Kontakt zu den faschistischen Saboteuren hätten. Andere schenkten dem keinen Glauben. Und flüsternd, durch Mundpropaganda, vermittelten sie, dass das NKWD selber diese unwürdige Aktion organisierte, denn der Argwohn des Führers kannte keine Grenzen, das Misstrauen in allem wurde zur Norm der Staatspolitik und des gesamten Lebens. Schwere Gedanken umhüllten einen, und man wollte sich so schnell wie möglich wieder davon befreien. Bruno schaute immer häufiger aus den Waggon-Fenstern: die Natur veränderte sich von Station zu Station. Und die Seele des vierzehnjährigen Bürschchens wurde von ganz anderen Gefühlen durchdrungen, Gefühlen des in ihm heranwachsenden Künstlers, der zutiefst von der Macht und Schönheit der sibirischen Landschaften ergriffen war.

Am liebsten hätte er gleich hier im Waggon die Schachtel mit den Aquarellmalfarben geöffnet und gemalt, gemalt und nochmal gemalt, ohne Müdigkeit, ohne Zeitempfinden, ohne an etwas zu denken, ohne sich Sorgen zu machen.

In Krasnojarsk verlud man die Sonderumsiedler (so bezeichnete man sie) auf Lastkähne und schickte sie weiter auf dem Jenissei bis nach Minussinsk. Dort warteten sie einige Zeit an der Anlegestelle. Fuhrwerke kamen angefahren, die übermüdeten Menschen wurden darauf verfrachtet und bewegten sich dann in Richtung der Ortschaft Jermakowskoje. Die gefiel ihnen auf Anhieb. Man begegnete ihnen mit Freundlichkeit, und die Menschen halfen, so gut sie es vermochten. Für den Vater konnte von einer Arbeit in seinem erlernten Beruf keine Rede sein, er fand eine Tätigkeit bei der örtlichen Konsumgenossenschaft als Hausmeister. Das war zu der damaligen Zeit auch nicht schlecht. Die Kinder gingen in die Schule. Bald darauf wurde der Vater zum Armeedienst einberufen. Und, als ob sie sich plötzlich eines anderen besonnen hätten, schickten sie ihn wieder nach Hause. Er war ja Deutscher. Und wieder kam eine Einberufung, doch diesmal in die Arbeitsarmee. Diese Dienstverpflichtung unterschied sich wenig von der Arbeit in den Haftverbüßungsorten. Die schwere, zermürbende Arbeit beim Bäumefällen brachte Genrich Diehl innerhalb von drei Jahren beinahe ins Grab.

Doch Schwierigkeiten entfielen nicht nur auf den Familienvater. Im Frühjahr des folgenden Jahres entschieden die beunruhigten Behörden, die sich offenbar ihre Köpfe zerbrochen hatten, dass Jermakowskoje ein viel zu gnädiges Fleckchen Erde für die Sonderumsiedler war. Und erneut werden die völlig unschuldigen Menschen auf das alte Motorschiff «Maria Uljanowa» verfrachtet und in den hohen Norden der Region Krasnojarsk, nach Turuchansk, gebracht.

Der Ort, an den sie gebracht wurden, war ebenfalls in mancherlei Hicicht bemerkenswert. Turuchansk liegt am Ufer des Jenissei, an der Mündung zur Nischnaja Tunguska, einem legendären, düster-mürrischen Fluss. Überall Felsen, Wald, Taiga, mächtige Zirbelkiefern steigen geradewegs in den Himmel hinauf und verlieren sich in schweren, zottigen Wolken, - eine exotische Gegend.

Neben Deutschen wurden auch zahlreiche andere Volksgruppen nach Turuchansk verschleppt: Letten, Esten, Moldawier, Kuban-Kosaken, Bessarabier, Kalmücken. Zumeist sehr interessante Leute, die viel gesehen und erlebt hatten, die schon vor der Revolution der Intelligenz angehört hatten – mit denen konnte man sich gut unterhalten.

Man brachte die Familie Diehl in der engen Zelle eines ehemaligen Klosters unter. Es fehlte der Behausung an jeglichem Komfort, das Zimmer war kaum größer als ein Waggon-Abteil, aber das war trotzdem schon nicht schlecht, denn viele mussten in Gemeinschaftsbaracken leben, in denen die einzelnen Familien voneinander lediglich durch aufgehängte Säcke und aufgestapelte Sachen getrennt waren. Arbeit gab es zumindest genug. Gleich beim Verlassen der «Maria Uljanowa» mussten sie beim Löschen eines Taiga-Feuers mithelfen. Später arbeiteten sie in der Fischfabrik.

Mit Beginn des Sommers wurden gewerbliche Fischfang-Brigaden organisiert. Einer davon wurde der Heranwachsende Bruno Diehl zugeteilt. Üblicherweise nahmen die Fischer Lebensmittel sowie ein paar Zelte mit und begaben sich dann zum gegenüberliegenden Ufer des Jenissei auf. Mit einem großen Fangnetz (ein Netzwurf) machten sie keinen schlechten Fang, annähernd etwa einen halben Zentner. Doch besonders hoch war die Ausbeute im September, wenn der Turuchansker Hering im Fluss unterwegs war – dann wurden schon einmal eineinhalb bis zwei Zentner gefangen.

Im Winter lernten die Kinder in der Schule. Und abends mussten sie ihre allgemeine Arbeitspflicht ableisten – Schleppnetze herstellen (große Meerestreibnetze gab es im Überfluss, doch sie waren für den Flussfischfang ungeeignet). Sie entwirrten sie, wickelten sie auf und knüpften ein neues Flussnetz daraus. So vergingen zwei lange raue Jahre.

Mit dem ersten Schiff, das 1944 im Frühjahr wieder fuhr, kehrte Genrich Diehl wieder zur Familie nach Turuchansk zurück.


(Foto 3).

Bis zum Einsetzen der neuen Schifffahrtssaison auf dem Jenissei hatte er in Krasnojarsk warten müssen; dort war es ihm gelungen, die regionale Abteilung für Volksbildung aufzusuchen. In Sorge um die Zukunft seiner Familie, bat er um Versetzung als Lehrer oder Künstler in eine zivilisationsnahe Gegend. Aber einstweilen fand das Familienoberhaupt eine Anstellung als Lehrer für Malen und Zeichnen an der örtlichen Turuchansker Schule. Im Sommer gibt es trotzdem für alle Arbeit in der Gemüseanbau-Sowchose und im Personalbestand zahlreicher Expeditionen. Bruno nimmt an einer Fahrt des Norilsker Kombinats auf dem Fluss Sewernaja (Nebenfluss der Nischnaja Tunguska) teil, der Vater an einer anderen – Filmaufnahmen an der Nischnaja Tunguska, und so kam ein Wiedersehen in jenem Sommer nicht zustande. Bei einer Expedition sind die Kontakte enger, und so gelingt es dem Jugendlichen, sehr interessante Menschen kennenzulernen.

b) Kansk, dass im Schicksal des Künstlers zu dessen Heimat wurde

Im Frühjahr 1945 beendete Bruno die zehnte Klasse. Ein Zeugnis konnte er nicht bekommen, da eine Erkrankung dazwischenkam, die ihn in jenem siegreichen Frühling ereilte. Mit dem Sieg kommt auch ihre langersehnte Freilassung. Man erlaubt ihnen, den Ort zu verlassen. Aber nein, nicht in die Heimat. Sie müssen in Sibirien bleiben und fahren ins unbekannte und noch fremde Kansk. Es gibt Arbeit für den Vater und einen Ort, an dem die Ausbildung der Kinder fortgesetzt werden kann.

So kam Bruno Genrichowitsch nach Kansk, in die Stadt, die zu seinem Schicksal werden sollte. Später, als man von dort bereits fortfahren und seinen Wohnort ändern durfte, tat Bruno Diehl das nicht – er sagte immer, dass er es nicht bereue, denn Kansk ist "meine Stadt", die zweite Heimat, hier hat er Freunde gewonnen, seine geliebte Arbeit verrichtet, und sein gesamtes künstlerisches Leben hat sich hier abgespielt.

Natürlich wurde das Leben zu dieser Zeit leichter. Der Vater unterrichtet, die Kinder setzen ihre Ausbildung fort. Und doch nagt ein merkwürdiges Gefühl an der Seele des jungen Mannes. Was soll weiter werden? Soll etwa die Karriere eines Lehrers die Obergrenze in seinem Schicksal sein? Das Unterrichten von Physik und Mathematik, womit er sich jetzt befasst, in einer tief ländlichen Gegend? Das ist nicht sein Ding, das ist nichts für ihn. Viel interessanter wäre es, sich dem zu widmen, was der Vater ihm einst beigebracht und auf das er jede freie Minute, sowohl in Engels, als auch in Turuchansk und hier in Kansk verwendet hat.

Wie herrlich wäre es, professional malen zu lernen – wie Surikow oder Repin. Wie wunderbar wäre es, ein Künstler zu werden! Er träumt von der Irkutsker Lehreinrichtung für Malerei. Aber scheinbar ist alles vergeblich. Den Sonderumsiedlern ist es sowieso verboten, sich im Land frei zu bewegen. Seine Enkelin Maria erzählte, dass sich die Kunstschule außerhalb der Region Krasnojarsk befand, deshalb konnte der Großvater nicht dorthin. Mehrmals schrieb er Bittbriefe an Volkskommissar Woroschilow, erhielt jedoch ständig Ablehnungen, und vielleicht gingen die Schreiben auch gar nicht an den Adressaten; allerdings fand man sie in den 1990er Jahren abgeheftet in der Rehabilitationsakte der Familie Diehl.

Was tun? Er würde nie aus diesem Dorf herauskommen! Und so trifft der junge Mann eine seltsame, riskante Entscheidung. Während einer Diensteinteilung verkündet eine Kommission, dass es für die Stadt vorteilhafter wäre, ihn nicht ins Dorf zu schicken, sondern ihm den Auftrag zu erteilen, hier in der Stadt verschiedene methodische Lehrmittel für die Schulen zu gestalten und anzufertigen, da er über alle dafür notwendigen Fähigkeiten und Fertigkeiten verfüge.

Die Situation war immer noch so, dass fragloser Gehorsam gegenüber übergeordneten Behörden als Norm für das Verhalten angesehen wurde.

Doch diesmal war das Glück ihm hold. Offenbar waren an diesem Tag in der Kommission weise Menschen am Werk. Bruno nahm den Vorschlag an und begann seine Arbeit im Büro für Methodik bei der städtischen Bezirksabteilung für Bildung. Dieser Schritt war der wichtigste und entscheidende in seinem Leben, denn er bestimmte sein ganzes weiteres Schicksal. Nein, danach geriet das Leben auch nicht auf die Bahn eines sorglosen Wohlbefindens. Es gab noch zahlreiche Beschränkungen, und nicht immer besaß er die Kraft, sie zu überwinden. Entgegen seinem unermesslichen Wunsch konnte er keine künstlerische Ausbildung bekommen. Nach der Rehabilitierung, die noch in den fünfziger Jahren erfolgte, wollte er unbedingt an die Irkutsker Kunstfachschule. Die Examina waren bereits vorüber, doch man kam ihm entgegen. Alles, was auf dem Spezialgebiet gefordert wurde, erfüllte er, sie sagten, dass er es schaffen würde, wenn der Direktor das wolle. Als er erfuhr, dass er im Diktat eine Vier bekommen hatte, begriff er, dass der Direktor ihn durchfallen lassen würde. Kränkungen und Erniedrigungen trugen in diesen Jahren die Familien der sogenannten Sonderumsiedler mit sich fort, aber der junge Mann geriet nicht in Erbitterung und schottete sich auch nicht vor dem ganzen Argwohn und Misstrauen ab. Mit beneidenswerter Beharrlichkeit und Furchtlosigkeit schritt er auf das ersehnte Ziel zu.

Ein paar Jahre später, im Jahr 1958, wurde eine ähnliche Schule in Krasnojarsk eröffnet, und wieder ereilte ihn der Misserfolg. Der Beschluss ist hart, wie ein Peitschenhieb, so dass er später, als gereifter Künstler, umgeschult werden muss. Und so endeten seine Versuche, eine künstlerische Ausbildung zu bekommen.

Zweifelsohne veränderte das Dekret über die Deportation der Russland-Deutschen nach Sibirien das Leben der gesamten Familie vollständig: der Status «Sonderumsiedler», mit dem Zug nach Sibirien in unbekannte Gegenden – dorthin, wo nur warme Beziehungen zur eingeborenen Bevölkerung, die stets bereit war den Sonderumsiedlern zu helfen, die sich in so schwierigen Bedingungen, weitab der Heimat befanden, es möglich machten, die Hoffnung auf eine helle Zukunft nicht zu verlieren. Doch die rohe sowjetische Regierung ließ es auch nach Kriegsende nicht zu, dass sie an die Orte zurückkehren konnten, von denen man sie verschleppt hatte.

Kansk wurde zu ihrem neuen Aufenthaltsort. Und Bruno wartete nicht darauf, was das Schicksal im weiteren Verlauf für ihn bereithielt; er plante sie selber in dem er beschloss, Künstler zu werden. Eine künstlerische Ausbildung konnte er nicht bekommen, man ließ ihn nicht: er war ja Sonderumsiedler. Aber ihm das Malen verbieten – das konnten sie nicht, und das ist das Thema des nächsten Kapitels.

Kapitel 4. Schaffensweg

à) Lehrtätigkeit

Die Liebe und der Hang zur Kunst endeten nicht. Im Gegenteil – er malte und malte immer mehr, er malte und zeichnete ständig. Er arbeitete mit dem Bleistift, mit Öl- und Aquarellfarben (Foto 4).


Im Atelier (Foto 4)

Noch während seiner Zeit an der pädagogischen Fachschule hatte er Jungs wie seinesgleichen kennengelernt, die sich ebenfalls von der Kunst mitreißen ließen: Boris Maksimow und Anatolij Rubzow. Kreativ, jung, leidenschaftlich, suchten sie nach dem Schönen, strebten danach, allen widrigen Umständen zum Trotz, auf Kansker Boden die Früchte der Erleuchtung und der Kunst heranzuziehen. Zu ihnen gesellten sich Witold Rojek, Vitalij Nischegorodzew, I. Tschernasch.

Sie, diese Jungs, kamen auf die Idee, in der Stadt eine Ausstellung abzuhalten. Und das konnten sie! 1946 eröffnete in Kansk, in den Räumen des Dschersinskij-Clubs, die erste Nachkriegs-Kunstausstellung. Die jungen Leute waren vor der Eröffnung sehr aufgeregt. Doch alles erwies sich als überhaupt nicht schlimm, denn sie wurde von den Stadtbewohnern mit Aufmerksamkeit und Interesse auf. Seit jener Zeit war Bruno Andrejewitsch unerlässlicher Teilnehmer an sämtlichen Ausstellungen, die in der Stadt veranstaltet wurden, und häufig auch außerhalb.

Und ein weiterer Traum des Künstlers wurde wahr: die Stadt, die sie aufgenommen hatte, zu einer Künstlerstadt zu machen, die Ortsbewohner zu ermuntern, sich mit Kunst zu befassen. Darum bemühte sich Bruno Andrejewitsch Áðóíî Àíäðååâè÷ unermüdlich. Aufgrund seiner Bemühungen und Fürsorge eröffnete das erste Zentrum für die künstlerische Ausbildung von Kindern an der Kinder-Technikstation. Die Kinder beschäftigten sich begeistert mit Modellieren, Malen und Zeichnen (Foto 5).


Für darstellende Künste in den 1950er Jahren (Foto 5)

In der Stadt gab es zu der damaligen Zeit keine außerschulische Kinder-einrichtung, und so bestimmte man sie für die technische Station. Da es im Kinder-Kreativzentrum ausschließlich Zirkel gab, fing man an, auch das Studio als Zirkel für Malerei und Modellieren zu bezeichnen. Das Ganze war ein unerwarteter Erfolg, sehr viele Kinder kamen zum Unterricht, es waren nicht einmal genügend Plätze vorhanden. Die Ergebnisse des Jahres brachte man nach Krasnojarsk, wo damals eine Lehrerkonferenz stattfand. Die Arbeiten der Kinder lösten Furore aus (Foto 6).


Bruno Diehl auf einer Ausstellung (Foto 6)

In unterschiedlichen Jahren lernten im Studio Menschen, die später Künstler und Architekten wurden: W. Matul, G. Baschin, O. Popenkowa, I. Owtschinnikow, A. Semenow, T. Swiridow, W. Tereschtschenko.

In diesen Jahren (1951 – 1963) erteilt er Malunterricht an der Mittelschule ¹ 3, welche sich damals mitten im Stadtzentrum befand.

b) die Arbeit des Künstlers und Gestalters

Etwa 17 Jahre war Bruno Genrichowitsch in der Volksbildung tätig, doch 1963 beschloss er, den gewählten Pfad zu verlassen und sein weiteres Leben der Arbeit als Künstler und Gestalter zu widmen. Schon lange hatte man ihn ins städtische Künstleratelier gebeten, weil man seine menschlichen und professionellen Fähigkeiten schätzte. Lange überlegte er hin und her, wog das Für und Wider ab und fasste dann schließlich seinen Entschluss.

In den sechziger Jahren stellte sich der Künstler immer mehr auf gestalterische Tätigkeiten um, arbeitete in verschiedenen Ateliers der Stadt. Nun kennt man ihn bereits als Haupt-Projektleiter und ausführender Künstler der Neujahrs-Schneestädtchen auf dem zentralen N.I.Korostelew-Platz (Foto 7).


Schnee-Berge (Foto 7)

Im Jahr der 50-Jahrfeier der Sowjetmacht wird der Künstler Bruno Diehl Sieger beim Wettbewerb zur Gestaltung des Korostelew-Platzes. Und das war gleich doppelt angenehm, weil die Wettbewerbsteilnehmer nicht unter ihrem eigenen Namen ausstellten, sondern unter einer Devise. Und das, was sie gestaltet hatten, bekam die höchste Punktzahl. Die Kansker Kinder jener fernen Jahre erinnern sich bis heute an die Eisstädtchen, Berge, Skulpturen, die den Korostelew-Platz zu den Neujahrsfesttagen schmückten und von den Händen dieses bemerkenswerten Künstlers angefertigt worden waren.

ñ) "Die Natur – mein Freund, Lehrer und Mentor, aus ihr schöpfe ich meine Kraft... sie ist die unerschöpfliche Quelle der Inspiration..."

Bilder musste er in seiner Freizeit malen, an den Wochenenden, nachts, an Feiertagen (Foto 8).


Bei seiner Lieblingsbeschäftigung (Foto 8)

Besonders viel gelang Bruno Genrichowitsch während der Sommerferien, wenn er sich mit Malkasten, Gewehr und Angelzeug in die tiefsten Winkel der Taiga aufmachte, in die er sich bereits als Minderjähriger verliebt hatte. Zahlreiche Gegenden der Taiga und viele der gefurchten, brausenden Flüsschen mit ihren Stromschnellen wurden von ihm in der Region Krasnojarsk durchstreift. Er hatte auch die Gelegenheit, sich an dem ruhmreichen sibirischen Baikal-See aufzuhalten. Und von überall brachte er massenhaft Studien in Öl, Aquarell, Skizzen der naturgeschützten Flecken der heimatlichen Region mit. «Allein mit der Natur findet die Seele des Künstlers Harmonie und Ruhe. Seinen Gemütszustand überträgt Bruno Diehl in seine Studien und auf die Leinwand. Der hohen Maltechnik, eigenwillig fein und scheu, fehlt es auch in winterlichen Landschaften und anderen seiner Werke nicht an poetischer Freizügigkeit («Über dem Fluss Kan», «Wintertag», «Früher Schnee»). Lebensbejahend, aber mit einer gewissen Traurigkeit, zeigen sich dem Betrachter die in ihrer Tiefe wunderschönen Schattierungen und die satten Farben der Aquarelle aus der Serie „Sajan“ («Am Oberlauf des Agul», «Bergsee», «Der Nebel steigt auf»). Die Feuchtigkeit des klaren Taus auf der Leinwand «Nebeliger Morgen» ist beinahe greifbar. Ewig junge Natur, mit dem Pinsel von Bruno Diehl gemalt, – plastisch, fließend, lebendig in den geschwätzigen Flüsschen, den Nebelverhangenen Seen, den Bergtälern, im Rauschen des Regens und dem bläulich-frostigen Dunst». (W. Schelegow. Der Maler Bruno Diehl. Kansker Textilarbeiter, 1995).

Die wichtigste Besonderheit im Werk B.G. Diehls besteht darin, dass fast alle seine Landschaften der Natur unseres Kansker Bezirks gewidmet sind. Vor dem Werk des Künstlers möchte man immer und immer wieder stehenbleiben, um die Urwüchsigkeit der rauen sibirischen Natur in sich aufzusaugen. Zahlreiche Bilder W.A. Diehls sind den ostsibirischen Flüssen Kan und Agul gewidmet (Fotoî 9), deren strenge und junonische Natur noch nicht in ihrer ganzen Vollständigkeit vom Menschen aufgenommen wurde.


(Foto 9)

Düstere raue Berge an den Oberläufen dieser Flüsse heben die Schönheit der dahineilenden Strömung hervor, die weder von den Stämmen hineingestürzter Bäume, noch von Stromschnellen aufgehalten werden kann. Es scheint, als ob die Brandungswellen sich mit den Rahmen der Bilder verflechten. Die majestätischen Zirbelkiefern, von Orkanen verwundet, sind am hohen Ufer des Flusses erstarrt. Und da ist das kleine Bächlein, das ruhig durch die Ebene dahinplätschert und sich in die winterliche Kälte einhüllen lässt. Da - ein kleines Bächlein, das durch das Dickicht der Taiga fließt, herabgerollt von einem Berg, und durch den Schnee hindurchsickert, ohne es dem eisigen Frost zu gestatten es zu besiegen. Die im Frühjahr auftretenden Fluss-Überschwemmungen, die herbstliche Ruhe der schweigenden Taiga – all das ist uns so nah und doch so – neu. Der Künstler selbst beschrieb die Rolle der Natur in seinem Leben folgendermaßen: "Die Natur ist mein Freund, Lehrer und Mentor. In ihr schöpfe ich Kraft, sie hilft mir zu leben, Unbill und die Widrigkeiten des Schicksals zu überwinden. Sie ist die unerschöpfliche Quelle der Inspiration, gibt mir Freude an der Kunst. In ihr finde ich meine Themen, über sie male ich...". (J.Lestewa. Malerei, Grafik. Kansk, 1998)

Wir trafen mit Tatjana Iwanowna Jurkina zusammen, die mehr als 50 Kajre mit der Familie Diehl befreundet war. Also sie sagt mit Recht, dass die schönste Erinnerung an ihn die unvergesslichen Bilder sind, die nicht nur aufgrund ihrer Meisterlichkeit Begeisterung hervorrufen, sondern auch unsere Reiseführer durch nie gesehene Gegenden Sibiriens sind, seine Schönheit, seine einzigartigen Landschaften. Mit diesen Bildern hat B.G. Diehl uns die Liebe zu Russland, dem väterlichen Haus, Sibirien, dem Sajan-Gebirge, den schmalen Pfaden in den Tiefen der Taiga, der sibirischen Freiheit beigebracht. Und außerdem bezeichnet sie den Künstler voller Bewunderung als "Talent".

Wie viele Werke er in dieser Zeit gemalt hat, kann man kaum aufzählen. Man kann nur die Energie des Künstlers bestaunen: «Letzter Schnee» (1952ã.), «Bach im Frühling» (1954, «Über dem Kan» (1954), «Gegen Abend. Alte Kan-Fähre» (1964), «Goldene Zeit» (1965), «Der Podigranskoje-See» (1969), «Sonnenuntergang» (1969), «Früher Schnee» (1970), «Motorradrennen»(1977), «Sjansker Taiga» (1978), «Baikal»( 1978), «Porträt des Schuldirektors W.A. Busjatskij» (1978), «Winterliche Taiga» (1985), «Auf dem Gebirgspass» (1994), «Nebel-Morgen» (1995), «Erwachen» (1996), «Kiefern-Mähne» (1996), «Inmitten der Bergkuppen» (1996), «Frost und Sonne» (1996), «Morgenregen. Adler» (1998), «Bärenbächlein» (1997), «Bezwingung» (1999).

Also, Bruno Diehl hat Spuren zurückgelassen – nicht nur in den Herzen der Kinder (17 Jahre ist er als Pädagoge tätig, leitet Malkurse, unterrichtet an der Schule), sondern auch auf den Leinwänden seiner Bilder, die von der Thematik her so vielfältig sind, doch sie alle sind durch die große Liebe zur Natur, die hohe Maltechnik und ihre Romantik miteinander vereint. Viele Jahre arbeitete er auch als Künstler und Gestalter. Seine Städtchen, Berge und Skulpturen aus Eis auf dem Korostelew-Platz erfreuten stets die Kansker Kinder.

Ich denke, dass B.G. Diehl als Mensch, wie als Künstler, Bestand hatte, weil ihm ein gutes, reines Herz zu eigen war, denn Schönheit bemerken und seine Gedanken verwirklichen sind bei weitem nicht jedem gegeben. Er ist ein Meister seines Fachs, ein wahrer Künstler.

Kapitel 5. Ausstellungen seiner Arbeiten – das Ergebnis langjährigen Schaffens.

1995 führt der Künstler im Ausstellungssaal der Stadt Kansk seine erste große persönliche Ausstellung durch, als ob er Bilanz für die vielen Jahre seiner Tätigkeit ziehen wollte. Hier wurden Portraits, Stillleben und natürlich auch das Lieblingsgenre des Meisters – Landschaften – gezeigt. 1995 wird nicht nur eine bestimmte Periode im Leben des Künstlers bilanziert, sondern es beginnt auch ein neuer Nullpunkt im künstlerischen Schaffen von Bruno Diehl. Der Künstler halt eine persönliche Ausstellung über die östlichen Gegenden der Region ab - Nischnij Ingasch, Bolschaja Urja, Sajansk, Selenogorsk. Das künstlerische Schaffen wird schließlich zur Grundlage seines Lebens. In den nachfolgenden Jahren arbeitet der Künstler in seinem häuslichen Atelier. Er nimmt an allen städtischen Ausstellungen teil, die 1996 zu Dauerausstellungen werden und erhält seine eigene, zur Tradition gewordene Bezeichnung «Herbst» und in der regionalen Ausstellung in Nowosibirsk «Deutsche Künstler in Sibirien» - in den Jahren 1996, 1997, 1998.

1998 veranstaltet er in Kansk seine zweite persönliche Ausstellung. In Minussinsk nimmt Bruno Diehl im Jahr 2000 an der Ausstellung «Sibirien – unser gemeinsames Zuhause» teil, in demselben Jahr in Moskau an der Allrussischen Ausstellung. Und als Ergebnis seiner jahrelangen Bemühungen wird Bruno Diehl 2000 Mitglied der Russischen Künstlervereinigung (Foto 10).


Bruno Genrichowitsch in häuslicher Atmosphäre, Auf dem Tisch die Auszeichnungen des Künstlers (Foto 10)

Und wieder Arbeit, Ausstellungen – in Kansk und auch in Krasnojarsk: 2001, 2002, 2003. Im Jahre 2004 eröffnete der Künstler in Krasnojarsk im Ausstellungssaal des Regionshauses seine erste persönliche Ausstellung.

«Als leidenschaftlicher Angler und Jäger kannte Bruno Diehl die umgebende Welt der Farben und Geräusche ausgesprochen gut, - schreibt ein Freund des Meisters, der Krasnojarsker Künstler Wladimir Baschmakow. – Die perlmuttfarbene Schönheit der Nebelschwaden des Sajan, (Foto 11) die mächtige Schönheit der Zirbelkiefern der Taiga, die endlosen Weiten der Flusslandschaften. All das findet man in seinen Aquarell-Blättern und pittoresken Ölbildern. Seine einzigartige künstlerische Pinselführung bezaubert den Betrachter. Seine gewissenhafte Beziehung zur Natur, seine Gründlichkeit und Wahrhaftigkeit bei der Darstellung der Details und einfach die Liebe zum Lieben überzeugen den Betrachter von der Aufrichtigkeit des Autors». (W. Baschmakow. Aus dem Artikel zum Prospekt der persönlichen Ausstellung, 2003.)


(Foto 11)

Auf der Ausstellung wurden mehr als 40 Arbeiten gezeigt, darunter «Überwindung», «Herbstnebel», «Der östliche Sajan» u.a. Zahlreiche namhafte Gäste besuchten die Ausstellung und hinterließen im Gästebuch warme, gute Worte, unter anderem auch die Volkskünstler Russlands Walerian Sergin, Wladimir Meschkow, die Künstler Woinow und Alexander Popp.


T.I. Jurkina (Foto 12)

T.I. Jurkina (Foto 12) war eine wahre Verehrerin seines Talents. Sie erzählte uns folgendes: "Ich bin keine Expertin in künstlerischen Dingen, aber wenn diese Bilder deine Seele, dein Herz so tief durchdringen und einen derartigen Sturm wunderbare Gefühle in dir auslösen, dann bedeutet es, dass der Künstler in seinem Werk das Höchste erreicht hat.

Ich habe seinerzeit in Kansk keine einzige Ausstellung Bruno Genrichowitschs ausgelassen, denn nicht nur die Bewohner von Kansk, sondern auch die aus Krasnojarsk, Nowosibirsk, Moskau, aus mehreren Ländern Europas waren verzaubert von seinen Bildern. Wenn seine Ausstellungen schon in Kansk von so einer riesigen Anzahl Menschen besucht wurde, kann man sich vorstellen, wie viele es in den Galerien der Großstädte waren.

Ich bin ein sehr glücklicher Mensch: ich habe Zuhause eine kleine Galerie mit Bildern von B.G. Diehl. Und abhängig davon, in welcher Stimmung ich gerade bin, tauche ich gedanklich für einige Zeit in das auf der Leinwand Dargestellte ein.

Das Frühjahr kommt, die Natur erwacht, und bei mir Zuhause blüht der "Flieder". Es kommt mir so vor, als ob die traubenartigen Blüten den einzigartigen Duft des Flieders ausströmen, und man möchte leben, die Erneuerung seiner Seele fühlen. "Flieder" – es lebe das Leben!

Ein wenig traurig ums Herz ist einem bei ungelösten Lebensproblemen, und dann stehe ich vor dem Bild "Nebel"(aus der Serie "Sajan-Berge"). Ich schaue mir zu Hause den Nebel an. Wahrscheinlich hat der Künstler ihn am frühen Morgen am Fluss Agul gesehen. Mir scheint, dass der Nebel sich zerstreut, sich auflöst, und auch meine düsteren Gedanken verschwinden. Es ist, als ob der Künstler mit seinem Bild sagen will: bald geht die Sonne auf, der Nebel weicht. Und so erscheinen mir auch meine Schwierigkeiten plötzlich überwindbar.

Ein paar Bilder habe ich meinen Verwandten geschenkt; sie schmücken jetzt Wohnungen in Wladimir und Kolomna. Und jedes Mal habe ich warme Erinnerungen an W.G. Diehl, der den Menschen Freude im Umgang mit der Natur, mit den mächtigen sibirischen Weiten, mit den Bewohnern der Taiga, mit Verbannten, mit beherzten Menschen vermittelt".

Neben diesen wunderschönen Bildern, in denen Harmonie in der Natur herrscht, gibt es auch ein Bild "September 41" (Foto 13), das der Künstler nur ein einziges Mal auf einer Ausstellung zeigte; es handelt von der Deportation der Wolga-Deutschen ins Unbekannte im August 1941. Das Bild zwingt einen, sich Gedanken darüber zu machen, weshalb wohl ein dermaßen talentiertes Volk Repressionen ausgesetzt war: wohin kamen sie – all diese alten Leute, Frauen, Männer, Kinder – nachdem sie mehrere Monate einer schwierigen Fahrt hinter sich gebracht hatten, in welchen Gebieten, Gegenden treffen sie mit den Viehwaggons ein, können sie irgendwann in ihre Heimat zurückkehren? Leider wurde dieses Werk nirgends noch einmal ausgestellt. Vermutlich wollte er sich nicht mehr an jene "glücklichen Minuten der Kindheit" erinnern. Es bleibt für den Rest des Lebens eine Wunde in seinem Herzen.


"September 41" (Foto 13)

2009 bekam Diehl die Bezeichnung "Ehrenbürger der Stadt Kansk" verliehen. An dieses bemerkenswerte Ereignis erinnert sich T.I. Jurkina folgendermaßen: "Dankbare Bürger (mit dem Heimatkunde an der Spitze) stellten Bruno Genrichowitsch als Kandidaten für die Verleihung des Titels "Ehrenbürger der Stadt" auf. Ich erinnere mich an diese aufregenden Tage: sie waren auch für Bruno Genrichowitsch nicht leicht, denn Kränkung erfüllte sein Herz und seine Seele. Auf der Deputiertensitzung musste aus zwei Kandidaten einer ausgewählt werden: der Direktor des Mühlenkombinats und der von den Stadtbürgern so geliebte Künstler. Ein «sehr geistreicher» Abgeordneter formulierte es so: "Geben wir den Leuten Wurst zu essen, und wenn sie satt sind, werden sie die Werke der Kunst bestaunen". Diese Worte kränkten uns, die Anhänger von B.Gs Talent über alle Maßen. Wir sammelten viele Unterschriften, ich verfasste einen Artikel für die Lokalzeitung "Kansker Nachrichten". Wir siegten, besser gesagt, es siegte der Verstand, unsere Liebe und unsere Achtung gegenüber einem Künstler, der unser Volk berühmt gemacht hatte".

Zweifelsohne sind die Ausstellungen ein Erfolg – die Bilanz einer langjährigen, Früchte tragenden Arbeit. Wenn wir uns mit Bruno Genrichowitschs Werk näher befasst haben, begreifen wir, dass die verspätete Anerkennung lediglich eine Folge der historischen Ereignisse ist, die seinem Erscheinen in Sibirien vorausgegangen waren. Unter gewissen Umständen, wenn er die ersehnte Ausbildung erhalten hätte, wäre Bruno vermutlich schon viel früher ein bekannter Künstler geworden.

Er zählt mit Recht zu den Ehrenbürgern der Stadt Kansk, wir können mit Stolz sagen, dass Bruno Genrichowitsch Diehl, Mitglied der Vereinigung russischer Künstler, unser Landsmann, einer von uns, ist.

Kapitel 6. "Bruno Genrichowitsch Diehl - ein Mensch von reinster Seele"

In den vorangegangenen Kapiteln haben wir versucht, den Leser mit der Kindheit, Jugend, der Entwicklung B.G. Diehls zum Künstler, mit der Suche nach seinem Schaffensweg bekannt zu machen, auf die Besonderheiten seines künstlerischen Stils einzugehen. Aber wir verstehen ganz klar, dass man, um eine derartige Menge Bilder zu hinterlassen, die ihre Betrachter durch ihre Schönheit und meisterliche Darstellung erfreuen, die mitten ins Herz eines jeden Bewunderers seines Talents treffen, ein Mensch mit guter, reiner Seele sein muss, denn diese Schönheit bemerken, sie sehen ist bei weitem nicht jedem gegeben. Wir wollten sehr gern mehr über diesen Mann, seine Familie, seinen Vater, seinen Großvater in Erfahrung bringen. Um ein solches Portrait schaffen zu können, nahmen wir mit Menschen Kontakt auf, die ihm nahe stehen, mit denen er verwandt ist – Enkelin Maria und einem Freund von T.I. Jurkina.

Folgendes erzählten sie uns.

Tatjana Iwanowna Jurkina bewundert Bruno Genrichowitsch nicht nur als Künstler, sondern auch als Menschen; man nannte ihn "den Menschlichen" weil er noch als Heranwachsender zum Mann, zur Stütze der Familie wurde, und das setzte sich ein Leben lang so fort: als erreichte er selber durch seine Arbeit, vom Künstler bis zum Mitglied der Vereinigung der Künstler in Russland. "Und was für ein Ehemann, Vater und Urgroßvater er erst war!", - sagt sie bewundernd. Die Ortsansässigen sagten, dass Bruno und Irma Diehl in den fünfziger Jahren das schönste, bezauberndste junge Paar waren. .

Irma Bogdanowna musste ebenfalls den schweren Weg einer Sonderumsiedlerin gehen: sie wurde zusammen mit ihrer Familie in die Ortschaft Braschnoje im Kansker Bezirk deportiert. Ihr Leben lang hat sie sich daran erinnert, wie herzlich und freundlich sie dort aufgenommen wurden, obwohl sie Deutsche waren. Wahrscheinlich bringen ähnliche Schicksale die Menschen zusammen. Nach dem Krieg zog sie nach Kansk, danach beendete sie das Pädagogische Institut in Krasnojarsk für Englisch und Deutsch und war als Lehrerin an der Schule ¹7 tätig.

1954 wurde in der jungen Familie Tochter Lilia geboren, 1959 Tochter Lena. Heute ist die ältere Tochter Lilia Ärztin mit höchster Qualifikation, Tochter Lena – leitende Expertin bei einer Bau-Gesellschaft. Später vergrößerte sich die Familie durch Schwiegersöhne, Enkel, Urenkel, die Liebe reichte für alle. Bruno Genrichowitsch und Irma Bogdanowna haben drei Enkelkinder: Maria, die Älteste, beendete die Schule mit einer Goldmedaille, folgte den Spuren der Großmutter; leider ist sie nicht an der Schule tätig, sondern nimmt heute eine leitende Stellung ein. Die zweite Enkelin, Jekaterina, absolvierte ebenfalls die deutsch-englische Abteilung der pädagogischen Universität, sie arbeitet in einer großen Holding-Gesellschaft. Enkel Konstantin hat sich ein privates Geschäft aufgebaut. Aus allen sind äußerst erfolgreiche Leute geworden. Maria merkt an, dass die ganze Familie allein aufgrund der Erziehung, dem starken Charakter des Großvaters, mit einem haltbaren inneren Kern groß geworden ist. "Man hat uns immer beigebracht, keine Gemeinheiten gegenüber anderen Menschen zu begehen und in jeder beliebigen Situation stets menschlich zu bleiben. Meine glücklichsten Jahre waren die Jahre meiner Kindheit, die ich mit meinen Großeltern verbrachte. Nie gab es Streit, Gemeinheiten oder Kränkungen. Ich wurde streng erzogen, aber ich habe stets große Liebe und Fürsorge empfunden. Die Kollegen haben meinen Großvater geachtet, nicht nur, weil er ein Experte auf höchstem Niveau war, der über ein riesiges kreatives Potential und Talent verfügte, sondern auch weil er ein ordentlicher, rechtschaffener Mann war". (Foto 14)

2002 kam Urenkel Michail zur Welt.

Im Großen und Ganzen, trotz aller Schwierigkeiten im Leben, haben Bruno Genrichowitsch und Irma Bodganowna ein helles und würdiges Leben geführt und eine unauslöschliche Spur hinter sich zurückgelassen. Leider sind weder die Kinder noch die Enkel in die Fußstapfen des Großvaters getreten, aber ihnen allen hat der Künstler die Fähigkeit beigebracht, das Schöne in dem zu sehen, was sie umgibt, und – Menschen zu sein.


Maria Diehl (Foto 14)

Bald werden es fünf Jahre, dass Bruno Genrichowitsch nicht mehr unter uns weilt, er starb 2011. Aber Talente sterben nicht. Einstweilen werden seine Bilder die Menschen erfreuen, den Glauben an eine bessere Zukunft wecken; in unseren Herzen wird auch die Erinnerung an diesen bemerkenswerten Künstler, Menschen und Landsmann weiterleben (Foto 15).


Die Familie Genrich Diehl (Foto 15)

Bruno Diehl war also zweifellos einer der markantesten Menschen in unserer Stadt. Und es ist wirklich traurig, dass selbst die hellsten Sterne irgendwann für immer erlöschen. Ein Mensch, der mehr als ein halbes Jahrhundert lang das Gesicht und die Seele der darstellenden Kunst in Kansk bestimmte. Infolgedessen halten wir die von uns aufgestellte Hypothese für richtig.

Schlussbemerkung

Die Geschichte der russischen Erde ist lang, viele Ereignisse finden wir in ihrem Buch aufgezeichnet, manche in blutigen, andere in goldenen Buchstaben. Hinter jeder Zeile steht eine konkreter Mensch mit seinen Gedanken, Gefühlen, seinem Herzen und seiner Seele.

Die Geschichte unserer Region ist untrennbar mit der unseres Landes verbunden. Alles, was in Russland geschah, hat sich auch stets in der kleinen Heimat widergespiegelt. Auch die stalinistischen Massenrepressionen bildeten da keine Ausnahme. Sibirien erwies sich als geeignetes Territorium für Menschen, die der Staatsmacht nicht genehm waren. Die Region Krasnojarsk wurde zu einem der Hauptverbannungsorte in der Sowjetunion. «Enteignete Großbauern», «Wlassow-Leute», «Bandera-Anhänger», «Volksfeinde», «Sonderumsiedler». Einer dieser «Sonderumsiedler» war auch B.G. Diehl.

Während der Forschungsarbeit, bei der Analyse der Quellen aus periodisch erscheinenden Zeitschriften, begegneten wir Menschen, die Bruno Genrichowitsch persönlich gekannt hatten, und nachdem wir uns mit seinen Bildern vertraut gemacht hatten, bekamen wir eine Vorstellung von der Persönlichkeit, dem Schicksal und dem Werk des Künstlers.

Kindheit und Jugend verliefen bei Bruno sehr schwierig. Gerade zu der Zeit formten sich sein Charakter und seine Einstellung zur Umwelt.

Die Familie - der Beginn allen Anfangs.

Geboren wurde er in einer großen deutschen Familie, in der der Vater ein lebendes Beispiel darstellte, dem Bruno nachzueifern trachtete. Von Kindesbeinen an bringt der Vater dem Sohn den Sinn für Kunst bei. Schon in der Schule träumt der Junge davon einmal Künstler zu werden. Doch der Kriegsausbruch lässt alle Träume zerreißen…

1941 – das Dekret über die Deportation der Russland-Deutschen nach Sibirien. Der Status «Sonderumsiedler» - auf Etappe nach Krasnojarsk, Minussinsk, die Ortschaft Jermakowskoje, Turuchansk. Unterwegs, beim Blick aus dem Fenster des Güterwaggons über die unendlichen Weiten Sibiriens, erwächst im Herzen des vierzehnjährigen Bruno der Wunsch, all das zu malen, diese Mächtigkeit der sibirischen Landschaften darzustellen.

1945 – Der große Sieg im Krieg brachte die langersehnte Befreiung, die Erlaubnis, den Ort zu verlassen, doch gemäß Zuteilungsschlüssel gerät er in die abgelegene Stadt Kansk. Seit der Zeit wurde unsere Stadt auch zu seiner. Studium an der pädagogischen Fachschule, der Traum von der Kunstfachschule – alles blieb nur ein Traum: Sonderumsiedlern war es verboten, sich frei im Land zu bewegen. Sie ließen einen keine künstlerische Ausbildung machen, doch das Malen selbst konnten sie einem nicht untersagen.

Die 1950er Jahre – Beginn des Schaffensweges. Lehrtätigkeit: Leiter des Malkurses an der technischen Kinderstation, Zeichenlehrer an der Schule ¹3.

Ab 1963 Tätigkeit als Künstler und Gestalter: Projektierer und Ausführender der Neujahrs-Schneestädtchen auf dem Korostelew-Platz, zu besonderen Daten - Wandgemälde.

In seiner gesamten Freizeit malt er Bilder, die der Natur unserer Heimatregion gewidmet sind, die auch für ihn zur Heimat, zum zweiten Zuhause wurde: hier ist seine Familie, hier sind seine Freunde, seine geliebte Arbeit. Alles kann man auf den Leinwänden des Künstlers finden: geschwätzige Bächlein, die majestätischen Flüsse der Region, düstere, raue Berge, das wunderschöne Sajan-Gebirge, riesige Zirbelkiefern usw. All seine Bilder dringen tief ins Herz des Betrachters ein, lösen einen Sturm wunderbarer Gefühle aus.

1995 – die erste große persönliche Ausstellung zur östlichen Zone der Region. Eine Bilanz jahrelanger Arbeit und neue Ergebnisse in der künstlerischen Tätigkeit.

1998 – zweite persönliche Ausstellung «Sibirien – unser gemeinsames Zuhause».

2000 – Gesamtrussische Ausstellung in Moskau, Ergebnis seiner jahrelangen Arbeit.

Ab 2000 Mitglied der Russischen Künstlervereinigung.

2001, 2002, 2003, 2004 – jährliche Ausstellung seiner Arbeiten.

2009 – Verleihung des Titels «Ehrenbürger der Stadt Kansk».

2011 – B.G. Diehl scheidet aus dem Leben. Doch das Geschlecht bleibt erhalten, es lebt in seinen Kindern und Enkeln weiter. Und das bedeutet – in der Erinnerung seiner Familie. Und nicht nur das. Die Erinnerung an einen Menschen, der mehr als ein halbes Jahrhundert das Gesicht und die Seele der darstellenden Kunst in Kansk bestimmt hat, bleibt in uns, in denen, die sein Talent schätzen, auf seinen Leinwänden, welche die wunderbarsten Gefühle erwecken.

Auf diese Weise ist die Hypothese, die wir aufgestellt haben, wahr: das Werk B.G. Diehls ist eine würdiger Beitrag zur Entwicklung der Kultur in Kansk.


(Foto 16)

Am 30. November fand die Einweihung der Gedenktafel für Bruno Genrichowitsch Diehl, Ehrenbürger der Stadt Kansk, Mitglied der Künstlervereinigung Russlands, statt. Die Gedenktafel wurde an der Fassade des Gebäudes des Ausstellungssaals der Stadt Kansk angebracht.

Das Material unserer Forschungsarbeit haben wir unserer Kadetten-Bibliothek zur Verfügung gestellt, damit jeder sich damit vertraut machen kann; wir haben es auch zum Allrussischen Wettbewerb eingeschickt, der von der regionalen „Memorial“-Gesellschaft durchgeführt wird - «Der Mensch in der Geschichte Russlands – 20. Jahrhundert», wir traten im Unterricht vor Kindern auf und sprachen auf der Presse-Konferenz am 30.Oktober zum Tag des Gedenkens an die Opfer der politischen Repressionen. Unsere Klasse bereitete eine Pressekonferenz vor, die diesem Tag gewidmet war. In absentia nahmen wir an den «Dalewsker Lesungen» teil, die Arbeit wurde in einem Sammelband veröffentlicht.

Literaturangaben

1. A. Sberowskaja. Vernissage. Kansker Nachrichten, 14.03.2003
2. B.G. Diehl. Die Ausstellung wurde eröffnet. Macht der Sowjets ¹5, 1975
3. B.G. Diehl. Auf der Ausstellung. Macht der Sowjets ¹27, 1965
4. W. Kolpakow. Sibirien schlug in seinem Herzen. Heutige Zeitung, 12.01.2011
5. W. Kolpakow. "Geschichte mit dem Pinsel gemalt". Kansk, 2008
6. W. Kolpakow. Leben im göttlichen Gewerbe. Region Ost, 18.01.2011
7. J. Lebedew. Im Künstleratelier. Macht der Sowjets, 12.11.1968
8. J. Lestewa. B. Diehl: "Die Natur hilft mir zu leben...". Kansker Nachrichten, 19.03.1998
9. J.Lestewa. B. Diehl. Malerei, Grafik. Stadt Kansk, 1998
10. B.A. Maksimow. Sprechen wir über Künstler. Macht der Sowjets ¹3, 1964
11. N. Chochlow. Frost und Sonne bei Bruno Diehl. Heutige Zeitung, 24.10.2007
12. R. Jurkina. Bruno Diehl: Ein sibirischer Charakter. Kansker Nachrichten, 18.11.2009
13. W.N. Schelegow. Der Maler Bruno Diehl. Kansker Textilarbeiter. 16.12.1995


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