33 Jahre in demselben Unternehmen

DER MENSCH IST SCHÖN DURCH ARBEIT

Vor mir liegt — ein «Arbeitsbuch». Auf der Titelseite – Nachname, Vorname, Vatersname: Weber, Fjodor Christianowitsch, geboren 1921. Der erste Eintrag wurde 1947 vorgenommen: «Eingestellt bei der Genossenschaft der Invaliden «Udarnik» als Töpfer und Filzwalker». Und weiter — noch 4 Einträge unterschiedlicher Jahre besagen, dass der Inhaber des «Büchleins» in demselben Unternehmen «an einen anderen Arbeitsplatz versetzt» wurde, «bis zum Zusammenschluss mehrerer Genossenschaften, aufgrund einer Beförderung...» usw.

Ja, 33 Jahre ist F. Ch. Weber im Bereich der Verbraucher-Dienstleistungen tätig — zuerst in Industrie-Genossenschaften, anschließend in der Kooperative für Alltagsdienstleistungen, die später zur Bezirks-Produktionsbehörde für Alltagsdienstleistungen der Bevölkerung umgebildet wurde. Heute ist er —der Hauptbuchhalter in dem Unternehmen. Dieser, von allen geschätzte, Mann ist ein Arbeitsveteran, der in zwei Monaten — im Februar 1981 — in den wohlverdienten Ruhestand geht.

Bescheiden, makellos, schüchtern, aber anspruchsvoll gegenüber sich selbst und den anderen – so charakterisieren ihn seine Arbeitskameraden. Fjodor Christianowitsch erledigt seit ungefähr zwanzig Jahren seine Pflichten als Buchhalter. In diesen Jahren wurde er ein guter Mitarbeiter, stieg vom Gehilfen bis zum Oberbuchhalter auf...

Aber bis dahin war es ein langer Arbeitsweg, verbunden mit vielen ausgeübten Berufen, die von Schwielen an den Händen begleitet waren, der Erkenntnis über den Wert und die Wichtigkeit dessen, was man tat, was unabdingbar war in diesen schweren Kriegs- und Nachkriegszeiten.
Ab 1941 – fünf Jahre aufopfernde Arbeit zum Schutz des Vaterlandes in der Trudarmee. Nach dem Krieg—Filzwalker in der Balachtinsker Invaliden-Genossenschaft, wie der erste Eintrag im «Arbeitsbuch» besagt.

—Es gibt etwas zum Erinnern,— sagt Fjodor Christianowitsch. —In einem engen Raum—die Filzwalkerei... Der Arbeitsprozess —nicht besonders schwierig, aber arbeitsintensiv. Alles wurde mit der Hand gemacht: Wolle auslegen, mit Säure tränken und walzen. Dann die Fertigstellung —mit dem Stiefelholz... Und das ergab zwei Paar Filzstiefel am Tag... Später kam die sogenannte Hammermaschine auf, die das Produkt selbst walzte... Sie wurde von mehreren Personen bedient. Da konnten wir dann schon in nur zweieinhalb Stunden 12—15 Paar Filzstiefel fertigstellen...

Also, im Winter — Filz walzen, im Sommer — die Ziegelfabrik, Abbrennen von Kalk in der Taiga. Und Töpfer Weber stellte Geschirr her — Töpfe, Tongefäße...

—Um das zu erlernen, brauchte es damals schon ein gutes Handwerk; ich ging auf Anweisung der Industriegenossenschaft zu Fuß nach Ujar. Etwas mehr als einen Monat lernte ich die Arbeit in einem Töpferkurs kennen. Irgendetwas brachte ich schließlich zustande... Was unsere Werkstatt produzierte, wurde am Tresen verkauft... Und die Leute kauften...

Mit einem Lächeln im Gesicht, ein wenig scherzhaft, manchmal mit etwas Ironie spricht der alte Arbeitsmensch darüber, dass heute sein erster getöpferte Krug wie ein «Monument der Vergangenheit» am Treppenaufgang zu seinem Haus liegt und dort den Fußweg ersetzt.

Bitterkeit ist diesen Erinnerungen beigemischt — denn damals, ganz zufällig, verletzte sich Fjodor Christianowitsch eine Hand und wurde zum Invaliden der dritten Gruppe. Der Staat sprach ihm eine Rente zu, aber die Arbeit ließ er trotzdem nicht außer Acht, er änderte einfach seinen Beruf—wechselte zur Stiefelwerkstatt. Acht Jahre war er dort als Schuster tätig...

Und später kam ihm die bereits in der Jugend erhaltene Ausbildung zum Buchhalter zugute. Bis zum Krieg arbeitete der junge Weber vier Jahre lang in dieser Position in der Kolchose «Lenins Weg» im Wolgagebiet. Natürlich lassen sich die Besonderheiten in der Kolchose und der Arbeitsumfang nicht mit der Arbeit in einem großen Unternehmen, wie dem Kombinat für Alltagsdienstleistungen, vergleichen. In der Kolchose gab es beispielsweise nicht mehr als zwanzig Konten, während heute in der Buchhaltung der RPU 99 existieren. Er hatte es schwer. Zudem war der angehende Buchhalter in Wort und Schrift unerfahren, er konnte nicht gut genug Russisch... Aber Fjodor Christianowitsch—ist ein hartnäckiger Mensch mit einer großartigen Arbeitsfähigkeit. Er besuchte Fortbildungskurse in Nowosibirsk. Und in seiner Nähe gab es gute Kollegen und Freunde. Anfangs waren sie ihm behilflich. Später, als Fjodor Christianowitsch sein Handwerk verstand, wurde er selbst Lehrmeister der Jüngeren.

Mit herzlichen Worten äußert sich der Oberbuchhalter über das Kollektiv, in dem er arbeitet, und nennt seine Kolleginnen und Kollegen. Jekaterina Wassiljewna Jaschtschenko. Mit ihr hat er 15 Jahre zusammengearbeitet. Und obwohl Jekaterina Wassiljewna inzwischen in Rente ist, hat sie die Arbeit nicht verlassen, denn das Kollektiv braucht ihre Hilfe. Außerdem – Galina Iwanowna Kusowlewa, Valentina Jakolewna Belowa, Lilia Georgiewna Wasskiw.

Ins Kollektiv kam auch Nina Furaschkina. Sie begann als Näherin in der Massen-Schneiderei und lernte gleichzeitig in Buchhalter-Kursen. Jetzt arbeitet das Mädchen unter der Leitung von Fjodor Christianowitsch, sie bekommt ihr Gehalt als Berechnerin. Als selbstlos und geduldig bewertet der alte Buchhalter ihre Arbeit. Und das zu der Zeit, als es in der Buchhaltung, wie man sagt, alle Hände voll zu tun gibt — denn in dem Unternehmen sind etwa 250 Mitarbeiter tätig. Alle Berechnungen und Zahlungsausgleiche gehen durch die Hände des Oberbuchhalters und seiner zuverlässigen Helfer.

In der Bezirks-Produktionsverwaltung für Alltagsdienstleistungen gibt es neben dem Hauptbetrieb einige Dutzend unterschiedliche Zweigbereiche und Dienste: zwei Kundendienste - und 8 komplexe Sprechstundenstellen an der Peripherie, in Balachta—ein Atelier, einen Friseur, einen Fotoladen, eine Werkstatt für die Reparatur von Gegenständen des täglichen Gebrauchs, einen Walzdienst und andere. Alle Konten dieser «Zweigbereiche» und dutzender abrechnungspflichtiger Personen werden in der Buchhaltung bearbeitet, die von F. Ch. Weber geleitet wird.

—Man ist verblüfft von dem Fleiß, der Sorge an der Sache, die dieser Mann an den Tag legt,—sagte die Ober-Ingenieurin der Verwaltung, Galina Jakowlewna Krainewa, über Weber. — Oft blieb er auch nach Beendigung des eigentlichen Arbeitstages noch in der Buchhaltung, besonders wenn die Rechenschaftsberichte fällig waren. So lange er das Seine nicht erledigt hat, geht er nicht nach Hause. Und sogar während der Urlaubszeit kann er nicht Zuhause herumsitzen. Du schaust, und - da sitzt er über den Konten: er hilft dabei, die Dokumentationen rechtzeitig zu erstellen...

Wir sprachen mit Fjodor Christianowitsch und seinen Kollegen bei dieser Begegnung nicht nur über die Arbeit.

—Ich habe zwei Enkelkinder. Beide Olenkas. Die sechsjährige Olja lebt die meiste Zeit bei uns: Tochter Emma muss arbeiten, und Oma, meine Frau Jekaterina Aleksandrowna, passt auf Olenka auf....

Die zweite Enkelin der Webers wohnt weit entfernt, im Gebiet Perm, von wo aus sie Oma und Opa Briefe schickt, auch wenn es sich noch um unsichere Kritzeleien einer Zweitklässlerin handelt. Aber es ist schön für die alten Leute und sie freuen sich darüber.

Die Familie der Arbeitsveteranen Weber besitzt ihr eigenes Haus, einen schönen Küchengarten, einen großen Haushalt. Sie haben ein Auto der Marke «Saporoschjez», ein Motorrad «ISCH-Jupiter». —Es geht uns wirtschaftlich gut. Während meiner Arbeitsjahre stieg mein Gehalt merklich. Ganz am Anfang erhielt ich 96 Rubel, später als Buchhalter-Gehilfe — 132, jetzt bekomme ich 180 Rubel pro Monat. Und wie viele Prämien ich in dieser Zeit bekommen habe! Ein Dank an die Verwaltung für die Fürsorge, die sie gegenüber uns Veteranen zeigen.

...Das «Arbeitsbuch» des Veteranen. Ich öffne die Seite «Belohnungen und Auszeichnungen». Dort gibt es zahlreiche Einträge—über Dankesschreiben und Prämien wegen gewissenhafter Arbeit in der Produktion. Da steht zum Beispiel: «Zu Ehren des 50. Jahrestages des Großen Oktober mit einer Geldprämie ausgezeichnet», «Für gute, einwandfreie Arbeit, im Zusammenhang mit dem 50-jährigen Jubiläum, mit einem Monatsgehalt ausgezeichnet...», «...Dank ausgesprochen...» usw.

Der letzte Eintrag erfolgte erst vor kurzer Zeit— zum 63. Jahrestag des Großen Oktober: dem Hauptbuchhalter der Verwaltung für Alltagsdienstleistungen F. Ch. Weber wurde ein weiterer Dank ausgesprochen.

...Jeden Tag tritt dieser grauhaarige alte Mann seinen gewohnten Dienst an, er geht mit dem Gefühl seiner Zugehörigkeit, seiner Beteiligung an einer gemeinsamen Sache, seiner Nützlichkeit für andere Leute, und am Abend kehrt er in den Schoß der Familie zurück, in dem Bewusstsein, seine Pflicht gegenüber denen getan zu haben, die in seiner Nähe leben und arbeiten.

A. BLINDAR

„Dorf-Nachrichten“ (Balachta), 15. November 1980
Das Material wurde vom Balachtinsker Heimatkunde-Museum zur Verfügung gestellt


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