Das Jahr 1938: Bewältigung

Ab 1938 beginnt Sawenjagins Triennium in Norilsk — eine Periode, in der das Fundament für das Bergbau- und Metallverarbeitungskombinat hinter dem Polarkreis gelegt wurde. Von jenem denkwürdigen April trennen uns 50 Jahre. Hinzu kommt noch ein anderes Datum, welches ein halbes Jahrhundert zurückliegt — der Geburtstag des ersten Metalls. In diesem Zusammenhang lohnt es sich, noch einmal in die Zeiten vor dem Krieg zurückzukehren. Ohne das zuvor Geschriebene und Gesagte wiederholen zu wollen, empfehle ich den Lesern eine Zusammenfassung der Fakten der Geschehnisse, die auf der Grundlage von Archivmaterialien zusammengestellt wurde.

Allen Kennzahlen zufolge war das Jahr 1938 ein schwieriges. Einen Finanzplan für die Bauarbeiten, der dies bestätigen könnte, gibt es nicht; ebenso fehlen ein technisches Projekt, Kostenvoranschläge und ein Generalplan. Es liegt lediglich eine Jahrestitelliste vor (Metallhütte, Wärmekraft- und Fernheizwerk, Zentrale Reparatur-Werkstatt sowie eine Reihe anderer Objekte), doch aufgrund nicht vorhandener Projekt-Informationen (Organisation «Sojus-Nickel-Projekt») konnte man praktisch nur Hilfsarbeiten ausführen und Häuser bauen.

Als A.P. Sawenjagin nach Norilsk kam, begann er (Mitte Mai) das System der Baubehörde von Grund auf zu verändern. Da er es für unabdingbar hielt, die Produktions- und Lager-Funktionen abzugrenzen, beschloss er, die «Rayons» zu liquidieren. Die neue Struktur sah folgendermaßen aus: die Baubehörde (mit den Abteilungen Projektierung und Kostenvoranschläge, Arbeitsorganisation, Technik und Produktion, Projektierung und Organisation der Arbeit und andere), Behörde für Betriebsführung, Behörde für Tochterunternehmen und eine Abteilung für den Ober-Mechaniker. Etwas früher, ab dem 1. April, wurde auf eigene Bilanz ein Lager zugeteilt (einschließlich einer Abteilung für allgemeine Versorgung sowie dem damit verbundenen Handelsnetz). Eine derartige Umorganisierung ermöglichte die Stärkung der Verantwortlichkeit der einzelnen Abteilungseinheiten für die zu leistende Arbeit und verlieh der Behörde einen operativeren Charakter.

Nachdem A. P. Sawenjagin die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Aufbau geschaffen hatte, forcierte er eine Entscheidung über drei grundlegende Fragen: die Projektierung des Kombinats, das Transportwesen, die Schaffung einer Lagerstätte für Bau-Materialien.

Schauen wir uns diese «Komponenten» einmal genauer an.

Die Analyse der allgemeinen Kostenaufstellung für das Jahr 1938 zeigt, dass die bedeutsamste «Wichte» — fast 19 Prozent des Gesamtumfangs der Kaptaleinlagen — auf die Projektierungs- und Vermessungsarbeiten entfiel (geologische Erkundung, Ingenieurgeologie, Topografie, Projektierung, wissenschaftliche Forschung): 9,8 Millionen Rubel - 53,6 Prozent mehr als der Plan! Durchschnittliche Anzahl der Beschäftigten — 537 Personen (davon 475 Häftlinge), davon eigens in der Abteilung für Planung und Kostenvoranschläge — etwa 200 Mitarbeiter.

Die Probleme hinsichtlich der Projektierung bedürfen einer besonderen Erwähnung. (Ich erinnere die Leser daran, dass sich der 50. Jahrestag des Instituts «Norilskprojekt» nähert).

Es kam der Februar des Jahres 1938, aber «Sojus-Nickel-Projekt» hatte lediglich eine Liste der wichtigsten Materialien definiert (zu den Kohle-Fundstätten am Schmidticha-Berg, zum Berg Rudnoj, zur Aufbereitung, zu den Hauptobjekten, vor allem dem Wärmekraftwerk und der Reparatur- und Montagewerkstatt), die für den Beginn (!) der Projektierung unerlässlich waren; zudem sollten auch das technische Projekt sowie der allgemeine Kostenvoranschlag ohne die Stadt und ihre Verbindungen mit dem Kombinat vorgelegt werden. Mehr noch, die wichtigste Frage — wann wird die Planung fertig sein? — blieb offen. Vertreter des SNOP (allruss. Institut zur Projektierung von Fabriken der Nickel- und Zinn-Industrie) und Auftraggeber kamen nicht zu einer Übereinkunft: das Institut, welches die Bedingungen stellte, plädierte für den 1. Oktober, die Gegenseite (vertreten durch den GULAG) hielt es für möglich, die gesamte Erstellung des Projekts, mit Ausnahme der Bergbaufrage, unverzüglich zu beginnen und bis zum 1. August abzuschließen.

Was soll man sagen, die Abteilung Projektierung und Kostenvoranschläge (W.R. Borodulin) geriet sogleich in den Strudel der schwierigsten und eiligsten Aufgaben. Die allerwichtigsten von ihnen befanden sich unter der unmittelbaren Kontrolle von A.P. Sawenjagin. Nachdem er seine erste Woche in Norilsk beendet hatte, berief er eine Versammlung ein, auf der die Frage über die Projektierung und den Bau einer Versuchs-Aufbereitungsanlage erörtert wurde (man hob hervor, dass die Zeichnungen dafür bereits fertiggestellt wären, einschließlich der Arbeitsaufrisse — für den ersten Zeitraum des Hauptgebäudes sowie die Zerkleinerungsabteilung). Auch der Plan für die Große Fabrik blieb nicht ohne Aufmerksamkeit. Man hielt es für sinnvoll (Dokumenten zufolge, wurde die Diskussion von A.P. Sawenjagin am 27. Mai 1938 geleitet), eine Reihe von Korrekturen in das Planvorhaben des SNOP einzubringen: die Installation leistungsfähigerer Brechmaschinen, ein neues Schema für den Mahlprozess und andere.

Im Mai, am zwanzigsten, wurde der Beschluss gefasst, das Giproschacht-Projekt abgelehnt, mit dem vorgeschlagen worden war, den Stollen an der Nordspitze der Kohlefundstätte am Schmidticha-Berg zu legen und welches den Aushieb seines südlichen Teils lediglich als perspektivisch bewertet hatte. Für eine derartige Entscheidung gab es gute Gründe: erstens verfügte die ursprüngliche Variante nicht über eine ausreichende Grundlage im Hinblick auf die Qualität der Kohle, die Möglichkeit ihrer Verkoksung; damals berücksichtigten die Norilsker (den Stollen an die Ausgänge der Kohlenflöze zu legen, zwischen dem Schmidt-Berg und dem Berg Hoffnung) die vielversprechenden Ergebnisse der Kohle-Analysen, die sie aus dem südlichen Abbau-Revier erhalten hatten, zweitens wurde das Schema für den Kohle-Abtransport abgelehnt (ein mehr als ein Kilometer langer Bremsberg mit einem Höhenunterschied von 265 Metern). Schließlich erhielten die Projektierer die Aufgabe, die gesamte Dokumentation aus eigenen Kräften zu erstellen.

Zwei Tage später, nachdem alles von allen Seiten in Erwägung gezogen war, machte sich die Projektabteilung an die Ausführung eines weiteren wichtigen Befehls: festzustellen, ob man eventuell einen Erzstollen an der Fundstätte „Kohlen-Bach“ vortreiben könnte, der die Möglichkeit bot, eine Metallhütte im Tal des Flusses Ergalach «anzusiedeln»; eine Variante für die Erzförderung aus dem nördlichen Teil der Vorkommen im Tagebau zu erarbeiten, und zwar mit einem direkten Abtransport zur Zerkleinerungsmaschine der Aufbereitungsanlage; neue Systeme zum Grubenbau vorzuschlagen, um die Vorbereitungsarbeiten zu minimieren; zu überprüfen, ob ein Stollenvortrieb mit großem Durchmesser für den Durchlass von 100-Tonnen-Kippwagen und die Organisierung ihrer mechanisierten Beladung als realistisch angesehen werden könnten. Schließlich schlug man, geleitet von praktischen Überlegungen (Schwierigkeiten im Kampf gegen Schnee-verwehungen) vor, von Schmalspurgleisen für den Erztransport abzusehen und 1000 PS starke Lokomotiven einzusetzen. Was blieb damals noch vom SNOP-Projekt übrig?!

Ebenso entschieden «operierte» man auch am Projekt der Feld-Entwicklung am «Erz-Berg». Und wieder — Tagebau, Breitspurbahn, einfache und hoffnungsvolle Lieferung von Erz zur Anreicherungsanlage...

Am 21. Mai informierte der Leiter der Projektabteilung W.R. Borodulin die Gruppenleiter über einen Sonderauftrag: Materialien zur Grundsteinlegung für die Inbetriebnahme eines Kombinats mit einem Drittel der Kapazität zu Beginn des Jahres 1940 vorzubereiten. Ausrüstung, Arbeitskräfte, Raum-Maß, Tonnage... Dabei musste man sich an den örtlichen Bauressourcen orientieren und die notwendige Infrastruktur voraussehen. Ich habe zweimal — hatte man sich da nicht geirrt? — die festgesetzte Frist für die Gebrauchsfähigkeit der vorläufigen Dokumente durchgelesen: 22 Uhr am 22. Mai (!). Na, das ist aber schnell!

Schließlich wurde am 4. Juli 1938 auf einer Versammlung, die von A.P. Sawenjagin geleitet wurde, die Frage erörtert, die einen ganz besonderen Platz in der Geschichte des Kombinats einnahm, — die Frage über den Bau der ersten Kombinatsserie in den Jahren 1938-1939 (ein Drittel seiner Kapazität). Nennen wir sämtliche Teilnehmer an dieser Großen Versammlung mit ihren Familiennamen: den Kombinatsleiter Sawenjagin, den Ober-Ingenieur Lubkow, den Chef der Projektabteilung Borodulin, seinen Stellvertreter Kortschkin, den Leiter der Palnungsabteilung Perfilow, Schurawskij, Ussow, Sirotin, Baskajew, Odojewskij, Dubrowskij, Kulagin, Faussek, Kusnezow, Basdubowa, Scharkowskij, Tomberg, Jordanskij, Tarassow, Podkopajew, Gorowez, Murawjew, Korobejnikow, Wassin, Isbekow, Michelman, Tkatschew. Projektierer, Betreiber...

Das angenommene Protokoll beinhaltete «die Hand» Sawenjagins: seinen «Sichtvermerk», seine Korrektur. Stimmen Sie zu, das Dokument ist einzigartig. Lesen wir uns in die historischen, nicht übertriebenen Zeilen ein: «aus dem neuen Projekt den Grundstein für einen Kohlestollen zu legen; am Berg Rudnaja den Tagebau zu organisieren, an der Erzgrube «Kohlen-Bach» mit dem Vortrieb für einen Stollen und gleichzeitig mit den Tagebau-Arbeiten zu beginnen, wobei der Aufschluss (Erschließung der Produktion) zur Winterzeit zu berücksichtigen ist…».

Als separate Zeile war die Forderung nach dem Bau einer Raffinerie in Norilsk eingetragen (das heißt: um hier das Endprodukt – Nickel – zu erzeugen). Welche Begründungen und Argumente werden zugunsten einer solchen Meinung angeführt? Verkokung, eine gute Qualität der Kohle, ist vorhanden, das «Übermaß» an Arbeitskräften — irrelevant, einen Bauplatz gibt es, der Musterfall einer Fabrikanlage unter nordischen Bedingungen (Montschegorsk) — liegt vor, Verluste von Feinstein (unausweichlich beim Transport «zum Festland») — gibt es nicht... Die Norilsker hielten kategorisch an ihrer Position fest: entweder eine lokale Raffinerie oder die reale Bedrohung jedweder Möglichkeiten bei der Wiederaufbereitung von Feinstein in den nächsten Jahren — das heißt: das Kombinat würde im Leerlauf arbeiten.

Aber das ist noch nicht alles. Es war vorgesehen, in vollem Umfang eine Reparatur-Werkstätte zu bauen, zwei Turbogeneratoren und zwei Heizkraftwerkskessel in Betrieb zu nehmen. Des Weiteren gab es Aufgabenstellungen zur Erz-Anreicherung, zum Transport, zur Wasserversorgung, Kanalisation, Heizung, Klimatisierung. Ein Programm, das einen aufgrund seines enormen Umfangs und der kühnen Inangriffnahme ungewöhnlicher Aufgaben und Beschlüsse in Erstaunen versetzte.

In der Folgezeit wurden einzelne Elemente sorgfältiger gezeichnet, wobei die Suche nach Wegen und Mitteln zur Beschleunigung der Arbeiten unaufhörlich fortgesetzt wurde. So wurde der Projektabteilung am 1. Oktober, während der Erörterung der Fragen zur Projektierung, Schürfung und Erkundung sowie Ausbeutung der Norilsker Erz- und Kohle-Lagerstätten (die Versammlung leitete A.P. Sawenjagin), befohlen, innerhalb von drei Tagen Vergleichsangaben zu zwei Varianten einer Erschließung der Fundstätte «Kohlen-Bach» vorzulegen (bei einer jährlichen Produktivität von 3 Millionen Tonnen Erz — etwas mehr, als von der SNOP vorgesehen war); den Geologen — umgehend zwei (ursprünglich skizziert — drei) tiefe Löcher zu graben, wofür sie die besten Bohrgeräte und die besten Brigaden herbeischaffen sollten, um so einen Tagesdurchschnitt von 12-15 Metern (nach vorläufigen Plänen — 8-10 Metern) zu gewährleisten; sich unverzüglich an die Bohrlöcher zu machen mit dem Ziel der Erschließung reiner, aschearmer Kohle am Berg Hoffnung; umgehend mit den Arbeiten zur Bestimmung der praktischen Daten für den Bohrprozess und die Sprengung nutzloser Gesteine und Erze zu beginnen… Die Rede ist von einem detaillierten Studium und dem Abstechen einer Trasse für Erz- und Halden-Gleise, die Errichtung eines Steinbruchs als Vorbereitung für das Ausbaggern. Alles sofort, unverzüglich, eilig.

Natürlich führte die Projektierung vor Ort zu einer Zunahme hinsichtlich des Umfangs der Ingenieur-geologischen Forschungen; die Kosten für die Erkundung von Fundstätten, die Durchführung wissenschaftlicher Forschungstätigkeiten nach lokalen Baumaterialien, die Unterhaltung von Baustoff-Laboratorien und andere stiegen.

Es ist charakteristisch, dass die Norilsker, die eine Beschleunigung der Projektarbeiten bezwecken, auch einen Teil der Grundlagen- Forschung auf sich nehmen, besonders im Bereich der Aufbereitung. So wurde im Mai 1938 eine Sondergruppe unter der Leitung von S.K. Dubrowskij (Ober-Ingenieur der Behörde für Ausbeute und Nutzbarmachung), die sich mit der Frage der maximalen Nutzung von Metall aus oxydiertem Erz befasste, gegründet, welche sich auf die Suche nach dem rationellsten Programm für die Anreicherung aller Nickelerze machte.

Es versteht sich von selbst, dass die wissenschaftliche Suche, die Projektierung selber, nicht im Alleingang durchgeführt wurde. Neben dem «Unions-Nickel-Projekt» (mit dem es zu einer äußerst konfliktgeladenen Beziehung kam) und der bereits erwähnten Organisation „Giproschacht“, arbeiteten an dem Norilsker Projekt, allerdings erfolglos, auch das Leningrader Bergbau-Institut, das Zentrale Staatliche Forschungsinstitut für Buntmetalle, das Staatliche Institut für die Projektierung von Industrie-Transport-Anlagen, die Organisation für Wärme- und Energie-Anlagen, das Zentrale wissenschaftliche Forschungsinstitut für Industrieanlagen, der Geologie- und Vermessungs-Trust, das Wärmekraftwerk-Projekt, die Fundamentbau-Behörde sowie eine Reihe anderer Organisationen.

Und trotzdem, wenn man schon von der Projektierung spricht: ohne die Norilsker Abteilung wäre der Weg von der Zeichenmaschine bis zur Baustelle viel dorniger und länger gewesen — ungeachtet der Tatsache, dass es ständig an Leuten, an Arbeit, mangelte, was bedeutet: wenn die Zeichnungen anhand von Projekt-Expertisen angefertigt und gleich zu konstruktiven Elementen werden mussten, trotz der Eile, der vorgenommenen Änderungen, der Korrektur von Unstimmigkeiten, die durch die schlechte Arbeit der Abteilung für Projektierung entstanden waren (ja, wie hätte sie den auch gut arbeiten können? — Sie war doch erst im Mai gegründet worden, das Personal war noch nicht komplett rekrutiert, und es gab keinen technischen Plan!).

Zum Oktober des Jahres 1938 war eine neue Titel-Liste fertig, die sich am Schmelzen ohne Anreicherung (im Zusammenhang mit der Entdeckung reicher Erze) und der Raffinierung von Halbprodukten orientierte. Damals wurde endgültig der Jahresplan für die Kapital-Einlagen (50 Millionen Rubel) festgelegt, obwohl — nach objektiven Gründen — die Sachlichkeit entweder vollständig fehlte oder nur annähernd bezeichnet war.

Und nun zum Transportwesen.

Die Lehre aus dem vergangenen Winter, als der Bau praktisch brachlag, weil es nicht gelungen war, eine zufriedenstellende Beförderung der Materialien zustande zu bringen, die im Sommer 1937 in Dudinka angeliefert worden waren, diktierte nachdrücklich die Notwendigkeit, den Bau einer Eisenbahnlinie voranzutreiben.

Leider war es nicht möglich, die zugeteilten Mittel vollständig zu nutzen — der Güterstrom, der bereits sehr intensiv im Gange war, konnte nur mit Mühe den Bedarf der gefräßigen Bautätigkeit gewährleisten. Nichtsdestoweniger kam sogar das vergleichsweise kleine Quäntchen der eingebrachten Mittel (39,5 Prozent der geplanten 7123 Tausend Rubel) zur Wirkung: innerhalb eines Jahres erreichte man mehr als das Fünffache (520,7 Prozent) im Schienentransport — ungefähr 12,2 Millionen Tonnenkilometer. Über die Bedeutung dieses «Sprungs» lässt sich anhand der im vierten Quartal ausgeführten Arbeiten urteilen — etwa 36 von 52 Millionen Rubel oder 70 Prozent.

Während der Wiederherstellung der Bahnstrecke arbeiteten die Häftlinge im Akkord, wobei die die Normen um 150 und mehr Prozent erfüllten, und die Lager-Verwaltung beabsichtigte (ich habe kein volles Vertrauen darin, dass ein derartiger Beschluss gefasst wurde, weil ich mich lediglich mit dem Auftragsentwurf bekannt machen konnte; ich hege die Hoffnung…), zwei der besten Maschinisten, W.N. Beloussow und F.I. Okunew, zur vorzeitigen Entlassung vorzuschlagen (im weiteren Verlauf werden wir ihren Namen unter den Stachanow-Arbeitern während des Krieges begegnen), 159 Gefangenen Arbeitstage gut zu schreiben, an 109 Personen Geld-Prämien auszuzahlen; Taschenuhren erhielten fünf Männer: die Maschinisten W.N. Ruschanow und T.N. Sergejew, die Straßenmeister N.W. Petrow und A.W. Maschukoe sowie der Chef-Koch G.N. Scherebenkow.

Die rekonstruierte Schmalspurbahn bestand die Prüfung mit der Note „gut“: vom 10. Bis 21. August — der Versuchsphase — transportierte sie von Dudinka nach Norilsk 1010 Waggons. Die Strecke, die bis zum 8. August als eine der am rückständigsten Reviere beim Bau des Kombinats gegolten hatte, weil sie die ganze Konstruktion bei einer Hungerration gehalten hatte, bekam nun ihr zweites Leben geschenkt.

«Partner» der Eisenbahner war der Automobil- und Pferde-Transport.

Innerhalb eines Jahres stieg der Straßen-Transport um 180,7 Prozent. Kein Scherz — 152356 Tonnen bei einer durchschnittlich schulterhohen Strecke von etwas mehr als zwei Kilometern! 1938 zählte der Norilsker Autohof 23 Lastwagen, die von 32 Fahrern und 14 Werkstatt-Arbeitern bedient wurden. Jedes Fahrzeug war im Durchschnitt 93 Tage in Betrieb. Es konnten wohl auch mehr sein, aber es gab nur eine einzige extra gebaute Garage – und die war auch nur für zwei Fahrzeuge gedacht. Weswegen einen der Kraftstoffverbrauch nicht wundert— er lag fast 40 Prozent über der Norm.

Der Pferdetransport arbeitete einwandfrei. Wenn man berücksichtigt, dass es im Betrieb 449 (!) Pferde gab und die Anzahl der abgearbeiteten Pferdetage 113424 betrug, dann kamen auf jeden durchschnittlich 253 Tage oder zweieinhalb mal mehr als mit dem Auto. Das Pferd überrundete seinen mechanischen „Kollegen“ auch die den Transporten beinahe um das Eineinhalbfache (entsprechend 485,5 und 335,5 Tausend Tonnen-Kilometer).

Es ist schon beunruhigend, aber in den Dokumenten, die ich durchsah, gab es keine genaueren Zeugnisse über den Traktoren-Park. Es fanden sich dort lediglich Zahlen bezüglich der abgearbeiteten Maschinen-Stunden — beinahe 35 Tausend.

Hilfs- und Nebenproduktion.

Der Aufbau von Unternehmen in diesem Bereich steht an zweiter Stelle nach den faktischen Investitionen (9,1 Millionen Rubel oder 16,9 Prozent über dem Plan).
Das Problem wurde als umfangreich und komplex angesehen.

Am 11. März hörte man auf einer Sitzung, die der stellvertretende Leiter des «Norilstroj» À.J. Woronzow durchführte, die Frage über die Gips-Lagerstätte und Methoden des Abbaus. Beschlossen wurde: dem Büro für Projekte und Kostenvoranschläge einen technologischen Prozess für das Brennen von Gipsputz vorzulegen; das wissenschaftliche Forschungs- und Versuchsinstitut sollte die notwendigen Forschungen durchführen; das Projekt-Bau-Büro wurde beauftragt, eine provisorische Fabrik mit einer Leistung von 50-100 Tonnen pro Tag zu planen (bis zu 10 Tausend Tonnen im Jahr), des Weiteren ein Gebäude mit sechs Wohnungen und eine Garage — gegossen oder aus Alabaster-Blöcken, mit einem Alabaster-Fußboden, das WES-2 (temporäre Elektrostation-2), eine Bestellung in Moskau zur Projektierung einer großen Alabaster-Fabrik zu tätigen; die Abteilung für Hilfs- und Neben-Unternehmen wurde beauftragt — sich unverzüglich an die Gewinnung von Gips zu machen... Alle Fristen, mit Ausnahme der Frist für das Fabrik-Projekt — innerhalb des Monats März! Sie werden mir zustimmen, das nenne ich mit Schwung und Elan!

Am 1. Juni waren sämtliche «Parameter» für die Herstellung der Wand-Materialien präzisiert. Allem voran, am wichtigsten (ausgehend von der Drei-Jahres-Frist für den Bau des Kombinats und die Sechs-Jahres-Frist für die Stadt): Ziegelsteine — mit Berücksichtigung des Baus einer zweiten Ziegelfabrik mit einer Kapazität von 10-12 Millionen Stück jährlich, Blähton — bis zu 15 Tausend Kubikmeter im Jahr oder 9 Tausend Tonnen (der Bau einer Fabrik wurde bereits Anfang Mai für zweckmäßig erachtet), außerdem Betonblocks aus Fabrikherstellung (Jahres- Ausstoßleistung — 1,5 Tausend Tonnen), und zum zweiten – Zement, Gipsputz. Ferner wurde die Korrelation von Erzverarbeitung und anderen Materialien in der Versuchs-Anreicherungsanlage angedeutet.

Von April bis Juli werden Maßnahmen zur Bereitstellung von Holz ergriffen (für den Bau eines Sägewerks mit einem Jahres-Ausstoß von 120 Tausend Kubikmetern, der Beschaffung von 10 Tausend Kubikmetern Industrieholz durch die Lager-Außenstelle «Lama», die Abwicklung des Baus einer Betonfabrik für 5 Tausend Kubikmeter jährlich). In der Regel plant man mit den zu Verfügung stehenden Kapazitäten. Beispielsweise bei der Überlegung (bereits unter Beteiligung von A.P. Sawenjagin), der Perspektiven der Brenn-Aufbereitungsanlage — gemeint war die zu erwartende Ausbeute — sah man vor, die weitere Projektierung und den Bau der Versuchsanlage so vorzunehmen, dass man sie sich für die Zerkleinerung von Mergel, Kalksteinà, Gips, das Zermahlen von Klinkern, die Anreicherung von Kohle zunutze machen konnte. Die Inbetriebnahme der Ziegelei ¹ 2 setzte eine Umstellung der kleine Fabrik auf die Produktion von Betonsteinen voraus.

Im Zusammenhang mit der Entwicklung der Nebenproduktion laufen die Erkundungsarbeiten für Baumaterialien an, und zwar sowohl im Labor, als auch bei der praktischen Beobachtung des Produktverhaltens bei unterschiedlichen Temperaturen.

So sah die Perspektive aus, welche die Möglichkeit gewährleisten sollte, die Investitionen für den Hauptbetrieb des Kombinats in gravierendem Maße auszubauen. Gleichzeitig begnügten sich die aktuellen Bedürfnisse Dank der bereits geschaffenen Grundlage: in Betrieb waren Steinbrüche zur Förderung von Schotter, Zement, Bruchgestein, Sand (wenngleich zahlreiche Projekte, die vom SNOP ausgeführt worden waren, noch einmal revidiert wurden, was die Kräfte von den Hauptobjekten ablenkte); die lokale Produktion half aus der Patsche — Ziegel, Blöcke aus Gips-Sand, Dachpfannen, Blähton, Sägematerialien, Kalk, Gipspulver; zum Teil wurde der Holzeinschlag eingestellt.

In Volumen gerechnet sah das folgendermaßen aus: Bruchgestein — 37394 Kubikmeter, gewaschener Kies — 4381 Kubikmeter, Kalkstein — 4350 Kubikmeter, 857 Tonnen Kalk, 1122 Tausend Stück Bauziegel, 3921 Tonnen Alabaster, Gipsgestein — 10413 Kubikmeter, Gipssand-Blöcke — 260 Kubikmeter, 20691 Kubikmeter Sand und Sägematerialien, 4452 Kubikmeter Ton, 45511 Kubikmeter Berg-Sand. Nebenbei möchten wir erwähnen, dass die Produktion von Ziegelsteinen im Vergleich zum Jahr 1937 beinahe um das Zweifache stieg (291,4 Prozent), von Kalk — um 34,3 Prozent, die Fertigung von Rundhölzern erhöhte sich um 21,5 Prozent (auf 13,2 Tausend Kubikmeter). Der letztgenannte Umstand ist umso wichtiger, weil das Holzgeschäft unter aller Kritik von statten ging: gewonnen wurden insgesamt 40 Tausend Kubikmeter (und nicht das richtige Sortiment) anstelle der bestellten 75 Tausend.

Zur Hilfsproduktion gehörte der Bau der Versuchs-Aufbereitungsanlage (jährliche Verarbeitung von Erz - 33 Tausend Tonnen, pro Tag - 200 Tonnen), die Sinter-Fabrik, das temporäre Elektro-Kraftwerk-2 mit einer Kapazität von 3000 Kilowatt.

Kosten der Verbrennungs-Aufbereitungsanlage — etwa 200000 Rubel; im Frühjahr 1938 wurde mit dem Ausheben der Baugrube begonnen. In dem Projekt waren alle Stadien des Prozesses einkalkuliert — von der Groß-Zerkleinerungsanlage bis hin zur Einlagerung von Konzentraten: Tagesproduktion — 20 Tonnen Konzentrat mit bedingungsgemäßem Metallgehalt.

Deutlich zurück blieb der Bedarf der Energiewirtschaft am Bau. Um der Gerechtigkeit willen muss man sagen, dass im Jahr 1938 fast 2,4 Millionen Kilowattstunden Elektroenergie produziert wurden — 186,5 Prozent des Vorjahresniveaus, aber beim Bau des provisorischen Elektro-Kraftwerks-2 wurden faktisch Mittel genutzt, die um 37 Prozent höher lagen, als der Plan es vorgesehen hatte (das kapitalintensivste Objekt des Jahres — 4,8 Millionen Rubel!); erreicht wurde eine hohe Verfügbarkeit: die Montage eines Turbogenerators — 70 Prozent, Bausparte und Montage der Kessel — 97,7 Prozent. Und gleichwohl gelang es gerade aufgrund des Fehlens von Elektroenergie nicht, das Sägewerk in Betrieb zu nehmen — das einzige gegenwärtig fertiggestellte Objekt in der Stadt.

1938 beginnt man mit den Entwurfskonzepten für ein großes Elektrokraftwerk. Beispielsweise datieren zwei Kurznotizen vom 8. Mai (des Energie-Ingenieurs und des Architekten), in denen die allgemeinen technischen Eigenschaften der Turboaggregate in Abhängigkeit von ihrer Lage behandelt werden — in der Nähe oder in vergleichsweise größerer Entfernung (mehr als drei Kilometer) von Produktionsstätte und Siedlung.

Weniger als einen Monat später, am 4. Juni, bei der Untersuchung der ersten Stufe des Bauumfangs des Kombinats wurde eine Reihe von Fragen zum Wärmekraftwerk eigenständig zugewiesen (infolgedessen blieb man bei der Variante der nahegelegen Station). Es sollte die Hälfte des Rauminhalts des Gebäudes genommen werden, die Schaltanlage sollte in vollem Umfang gebaut werden, die Unterstationen — je nach Notwendigkeit. Angenommene Kapazität — 19 Tausend Kilowatt. Den Spezialisten wurde befohlen, die Möglichkeit zu prüfen, das Wärmekraft am Dolgij-See «einzupflanzen».

Wie lässt sich die Leistungskraft des Kombinats im Ganzen charakterisieren? Die Nachkalkulation (tatsächliche Kosten) beläuft sich auf beinahe 17 Millionen Rubel. Aber hinter diesen Angaben stehen bei weitem keine eindeutigen Resultate: es gab keine Eingänge, und gleichzeitig näherten sich die Verbrennungs-Aufbereitungsanlage, die Ziegelei, die Gips-, die Schaumbeton-, die Blähton- und Betonstein-Fabrik der Zielgraden, obwohl hier noch 15 bis 27 Prozent der Kapital-Einlagen erschlossen werden mussten.

Die Bauleitung verhielt sich selbstkritisch gegenüber diesen Resultaten, wobei sie als einen der Gründe für die entstandene Lage das Fehlen der gebührenden Zielstrebigkeit bei der Erfüllung des Plans sah. (In Klammern merken wir an, dass man aufgrund der entstandenen Situation nicht auf irgendwelche erkennbaren Fortschritte bezüglich des Baus der wichtigsten Werkshallen und Erzbergwerke setzen konnte. So lauten die gemeldeten Daten: 7,8 und respektive 19 Prozent).

Dennoch bezeugen Dokumente die ständige Besorgnis des Kombinats über die Lage der Dinge bei der Hauptproduktion, vor allem beim Bergbau, und dass dies dazu beitragen würde, den Weg zum Metall zu verkürzen.

So fand das Problem der Kohleförderung aus den reichen Lagerstätten seine Lösung bereits in dem Dokument, das den Ausstoß des Kombinats auf ein Drittel der Kapazität definierte (Zweckmäßigkeit des Tagebaus); Ende Juni wir die Aufgabe gestellt, den Sotnikowsker Stollen am Berg Rudnoj für die organisatorischen und technischen Maßnahmen zur Erz-Förderung vorzubereiten, wobei man als ersten Horizont den freigelegten Teil der Rohstoffader nimmt; später — es war bereits Oktober — ordnet A.P. Sawenjagin an, Überlegungen zur Entfaltung der Erzförderung aus diesem Stollen sowie den weiteren Vortrieb zum Sulfid-Erz vorzulegen.

Es werden Möglichkeiten einer Erhöhung der Produktivität der Kohlegrube auf 18-20 Tausend Tonnen pro Monat erforscht, die auf eine perspektivenreiche Förderung in den Jahren 1939 und 1940 abzielen (entsprechend 120 und 170-200 Tausend Tonnen). Im Grunde genommen setzte man im weiteren Verlauf eine Verdoppelung der Kohleförderung voraus, da das Ergebnis des Jahres 1938 — 62,2 Tausend Tonnen — um 199 Prozent höher liegt, als das Resultat des Vorjahres (31,2 Tausend Tonnen).

Wichtiges Instrument der Produktionsinfrastruktur sollte die Nachrichtentechnik sein. Auf Grundlage der am 14. November 1938 von A.P. Sawenjagin bestätigten Variante sollte in der technischen Planung eine Telefonverbindung des Ober-Dispatchers und Transportleiters mit den ausführenden Personen (mittels Abteilungs-Fernsprechanlagen) mit einem Telefonsystem von 200 Nummern für die Bedienung der Produktionsstandorte vorgesehen werden, sowie die Einrichtung zweier Supervisor- «Halbringe», welche die wichtigsten Einheiten umfassten. Dem Chef der Berg-Gruppe K.D. Wassin wurde befohlen (Sitzung vom 23. November) bei der Erarbeitung des Projekts eine Zentrale für die Bergwerke und Schachtanlagen mit zu berücksichtigen.
Ein Teil der Mittel wird für außerbetriebliche Objekte genutzt.

Bleibendes Interesse verursacht alles, was mit der eigentlichen Stadtgeschichte verbunden ist. Nach den Dokumenten zu urteilen, fand bereits im Mai 1937 eine Konferenz in der Hauptverwaltung der Bauindustrie statt, auf der die Frage der Projektierung von Wohnraum am Norilsker Kombinat erörtert wurde. Vertreter der Stadt Norilsk äußerten die Befürchtung, dass das für normale Siedlungen angewiesene Territorium nicht ausreiche und Bemühungen hinsichtlich der Organisation von Transportverbindungen zu den Produktionsstätten voraussetze; es wurden auch andere Vorbehalte ausgesprochen. Die Leningrader ihrerseits verwiesen auf die Entscheidung des GULAG, welche sie von weiteren Verpflichtungen entband. Deswegen sollte das «Noril-Bauprojekt» selbständig die Bevölkerungszahlen berechnen, die im Kombinat beschäftigt waren, die notwendigen Baugebietsflächen ermitteln und sich an die Projektierung machen. Projektentwurf, Planung und die wichtigsten Sachverhalte des technischen Projekts der Siedlung (in Abstimmung mit dem Kombinatsprojekt) sollten dem Volkskommissariat nicht später als bis zum 1. März 1938 vorgelegt werden.

Es gibt ein interessantes Dokument, datiert vom 8. Mai 1938 — eine Aktennotiz des Architekten D.A. Faussek, in dem er schreibt, dass er bereits im Dezember 1937 die Möglichkeit einer Wärmeversorgung der Siedlung, einschließlich einer Fabrikküche (100 Millionen Kalorien Nutzwärme pro Stunde) untermauert hätte, wobei dieser Bedarf annähernd für die Periode der vollständigen Entwicklung der Siedlung — 30 Tausend Einwohner (!) berechnet sei – unter der Voraussetzung, dass jedem 10 Quadratmeter Wohnraum zur Verfügung ständen.

Einstweilten verrichteten die Planer an den Zeichenmaschinen «Zauber-Werke», und manches wurde in der Praxis ausprobiert: es entstanden ein- und zweigeschossige Häuser, teils aus Geröllstein, teils aus Gips.

Schließlich endete die allumfassende Erkundung aller fünf Flächen, die man für eine Rolle als Wohngebiete in Anspruch nehmen wollte: der Nordhang des Nadeshda-Berges im Bereich des Kilometers 107 der Bahnstrecke Dudinka – Norilsk, das Tal des Medweshij-Bachs, der Nordwest-Hang des Dwugorba-Berges, der Ost- oder Südhang des Bertges Sub (sowie nördlich des Tis-Kel-Sees), nördlich des Dolgij-Sees.
Am 26. Oktober 1938 wurde auf einer Sitzung, die A.P. Sawenjagin leitete (anwesend waren W.P. Bzssygin, L.P. Matanzew, À.J. Scharoiko, W.K. Schurawskij, K.I. Jarzew, L.N. Dampel, B.I. Kostromin, S.P. Dmitrew), der Beschluss gefasst:

«1. Das Nordufer des Dolgij-Sees als Bebauungsgelände zuzuteilen und auch den Bau künftiger Wohnungen dorthin zu verlegen.

2. die Projektabteilung mit dem Beginn der Wohnungsbau-Planung entlang des Nordufers zu beauftragen, und zwar in Abstimmung mit der Planung einer ständigen Siedlung... auf dem Territorium, welches vom See bis zur Ziegelei führt, wobei die Bebauung des nördlichen Ufers für eine Dauer-Siedlung vorrangig zu behandeln ist.

3. Es sollen gemischte Gebäudetypen errichtet werden, d.h. aus Holz und Stein, mit unterschiedlicher Anzahl der Stockwerke, abhängig vom Untergrund.

4. Für den Fall, dass das oben genannte Baugelände für die Unterbringung von 30-40 Tausend Einwohnern nicht ausreichen sollte, soll man versuchen, die Planung unter Berücksichtigung einer Erweiterung der Sozialstadt von der Eisenbahn-Linie Norilsk – Walek weiter nach Osten und, falls erforderlich, auch Richtung Nordwesten, entlang der Uferlinie des Dolgij-Sees und weiter auf der anderen Seite des Flusses Schutsche zum Areal am Tis-Kel-See...

7. Die Transport-Gruppe soll bis zum 29.10. eine Autostraße zu der Stelle am Nordufer des Dolgij-Seesabstecken...

9. dass Wohnungsbau für die gegenwärtig zu errichtende Siedlung die Entwicklung bereits geplanter Durchfahrten einschränken soll. Der Bau der Siedlung ist als Notfall zu behandeln».

Die restlichen Territorien wurden aus unterschiedlichen Gründen ausgemustert: mögliche erhöhte Abgasbelastung, ungeeignetes Gelände, Eisgehalt des Untergrunds, fehlende Vegetation («kahle, trostlose» Gegend). Eine gewisse Chance blieb für die Variante am Dwugorbaja-Berg erhalten, jedoch ließ man jenes Gelände sowieso als Reserve.

Sicher stimmen Sie zu, dass es aufregend ist, die gerade zitierten Seiten zu lesen.

Was gehörte noch zur Liste der Objekte des sozialen und kulturellen Lebens des Jahres 1938? Badehaus, Wäscherei, Kindergarten, Klubhaus mit Kinosaal, Kantine erwarben die Mittel für den schulischen Bedarf. Es ist erwähnenswert, dass die tatsächlichen Ausgaben gemäß den Artikeln über sozio-kulturellen Aufbau und Wohnungsbau die geplanten überstiegen, wobei die Summe der Ausgaben für Wohnungen (6726 Tausend Rubel) den dritten Platz unter den anderen Planindikatoren einnahm und nur durch Aufwendungen für den Bau von Hilfs- und Neben-Unternehmen, die Entwicklung des Transports und der Telekommunikationsverbindungen zurückstand.

Und die Lagerhaltung? Konnte denn das Bauvorhaben ohne verschiedene Lagerräume – für Sachen, Lebensmittel, die Aufbewahrung von Futter, Zement, Material, Ausrüstung (sie kam aus Jaroslawl und Gorlowka, Wyksa und Saporoschje…) auskommen, und ohne Gemüselagerhalle? Übrigens, bis zur zweiten Hälfte des Jahres gab es in Norilsk überhaupt keine geschlossenen Räumlichkeiten für derartige Zwecke.

Merklich stiegen die Kapitaleinlagen in der landwirtschaftlichen Produktion (sie lagen um 32,4 Prozent höher als geplant). Die Flächen, welche sowchosenweise für den Gemüseanbau, Ackerbau und Gärtnerei bereitgestellt worden waren, machten 28 Hektar aus; die ersten Treibhäuser und Frühbeete tauchten auf, die Ernte von frischem Gemüse stieg auf über 34 Tonnen.

Man nutzt die lokalen Möglichkeiten der Futter-Bereitstellung: man sammelte 13 Tonnen grünen Hafer, 24,2 Tonnen Heu, 75 Mahl-Futter, es wurden 10,5 Tonnen Silage-Futter eingelagert. Es gab viel Nachwuchs — 186 Ferkel und 27 Kälber; die Produktion der Milchfarm belief sich auf — mehr als 143 Tonnen. Nach Ansicht der Kombinatsleitung hätte Norilsk 1939 einen würdigen Platz bei der Allrussischen Landwirtschaftsausstellung verdient.

Und außerdem – vergessen wir nicht den lokalen Fischfang (bis zu 100 Tonnen am Lama), das Backen von annähernd 4000 Tonnen Brot...

Ziehen wir nun eine allgemeine Bilanz. Bis zum Jahresplan hatten man insgesamt 8 Prozent erreicht (genutzt worden waren 46 von 50 Millionen Rubel). Doch nachdem Arbeiten für beinahe 6 Millionen Rubel getan worden waren, die man nicht vorhergesehen hatte, gelange es, eine Übererfüllung des Plans zu erreichen (fast 52 Millionen Rubel oder 103,8 Prozent). Alle zusätzliche Ausgaben wurden als unerlässlich anerkannt und in die Titelliste mit aufgenommen.

Das Endergebnis muss selbst beim erfahrenen Leser Respekt hervorrufen. Denken Sie sich noch einmal hinein: das zermürbende Defizit an Bau- und anderen Materialien, Ausrüstungen (vor allem — der Bedarf an einer Eisenbahnlinie, der Mangel an Querbalken, Teerpapier, Dachpappe, Bandeisen, Blechen, Sanitär-Technik...), der ständige Bedarf an Anfertigungen vor Ort von diesem oder jenem «Detail», die ewige Suche nach Werkzeugen für den Kraftfahrzeug- und Traktoren-Fuhrpark, so gut wie überall Handarbeit.

Die Technik konnte nur im äußersten Notfall Abhilfe schaffen, denn die Liste der Apparaturen und Anlagen, Maschinen und Mechanismen, mit denen der Bau bewerkstelligt wurde, war mehr als bescheiden: 47 Einheiten, davon 15 (ein Drittel!) Auslegerkräne, 12 Dampf-Kessel, zwei Bagger, zwei Steinbrecher, ein mobiler, dampfbetriebener Kran, ein Schrapper... Der Koeffizient ihrer Nutzung «tanzte» innerhalb von 10-40 Prozent. Eine Ausnahme bildeten die Dampfkessel, bei denen sich dieser Index an die 80% herannäherte. Man dachte daran, eine spezielle Verleih-Stelle zu organisieren, aber faktisch ging alles unmittelbar an die Bau-Abschnitte.

Es gab auch andere Schwierigkeiten, die sich, wenn auch nicht direkt, so doch zumindest mittelbar im Schicksal des Baus widerspiegelten. So überstiegen die realen Kostenanschläge merklich für die einzelnen Titel: wer konnte sich denn damals maßgeblich ein Urteil über die Überraschungen erlauben, die das Polargebiet mit sich brachte! Verteuerungsnormen wurden erst zu Beginn des Jahres 1939 reif. Eine Reihe von Objekten (eine Wasserleitung aus dem Dolgij-See und andere) verfügten noch nicht einmal über Planungen und Kostenvoranschläge.

Und nun zum Fachpersonal auf den Baugeländen. Der jährliche Durchschnittsbedarf an Arbeitskräften betrug ungefähr 8,3 Tausend Mann. Tatsächlich erreichte er beinahe 9,6 Tausend, wohlgemerkt im vierten Quartal — 12440 Mann, was eine Umschichtung der Hauptarbeiten auf die beiden vergangenen Quartale auslöste. Die Neuankömmlinge verfügten in ihrer Mehrheit nicht über die notwendige Qualifikation, die Unterweisungen erfolgten während des Arbeitsgeschehens, das heißt während des Bau-Prozesses. Die Liste der Berufe mit dem größten Defizit beinhaltete Zimmerleute, Betonarbeiter, Armaturen-arbeiter, Sprengstoff-Fachleute, Bohrarbeiter am Bohrhammer, Verbauer, Elektroschweißer, Kesselschmiede... Es mangelte an Meistern, Vorarbeitern, Polieren.

Das Norilsker Kontingent... Durchschnittlicher Bestand an Zivilangestellten — 1072, davon bei Bau- und Montagearbeiten Beschäftigte — 109, in der Neben- und Hilfswirtschaft — 128, im Transportwesen — 39, im medizinischen Sanitätsdienst — 41, on der Kultur- und Erziehungsabteilung — 8. Durchschnittlicher Häftlings-bestand —8180 (zu Beginn des Jahres — 7927, am Ende des Jahres — 11560), davon arbeiteten 2499 beim Bau, 3450 — in der Neben- und Hilfswirtschaft, einschließlich 1428 — im Transportwesen; 142 — beim medizinischen und Sanitätsdienst, 113 — in der Kultur- und Erziehungsabteilung. Bei den Ingenieur- u Techniker-Arbeiten war das Verhältnis 4:1 «zu Gunsten» der Gefangenen (198 gegenüber 55).

Zur Verbesserung der Angelegenheiten auf dem Bau trugen die Einführung der individuellen Akkordarbeit, eines progressiven Prämien-Lohnsystems (ab dem 1. August), die Bindung von Sklaven-Arbeitskräften an bestimmte Objekte (die Ausbildung des Personals war noch nicht in Gang gekommen: lediglich 83 Personen waren bisher ausgebildet worden).

Charakteristisch sind die Möglichkeiten der Entfaltung von Arbeitswettkämpfen sowie der Stachanow-Bewegung: so brachte der Dezembermonat mit den Stachanow-Methoden ein Rekordergebnis in puncto Arbeitsleistung — 7 Millionen Rubel reine Bauleistung.

Akribisch trug man Dokumente für die Stachanow-Dekade (16-25. Juni) zusammen, die auf Initiative der Bau-Akkordarbeiter in Zusammenhang mit den Wahlen zum Obersten Sowjet der RSFSR durchgeführt wurde. Mit seinem Befehl ¹ 271 vom 13. Juni 1938 ordnete A.P. Sawenjagin dem Leiter der Planungsabteilung I.M. Perfilow an, die Produktionsobjekte mit Arbeitsplänen für jeweils zehn Tage zu versorgen und die Chefs der Industriebauprojekte sollten Grafiken erstellen (tägliches Abstecken der Aufgaben), diese nicht später als bis zum 14. Juni gemeinsam mit den Mentoren auf Produktionssitzungen durcharbeiten, Arbeitsaufträge erteilen. Vereinbart wurde die Summe für den Prämien-Fond (drei Tausend Rubel), die Aufgaben der Kultur- und Erziehungsabteilung: den Arbeitswettstreit und die Produktionsmassenarbeit in Gang zu bringen, gedruckte Übersichten über den Verlauf und die Ergebnisse des Leiters der Dekadengruppe herauszubringen.

Die Dekaden-Arbeit leitete ein Stab, bestehend aus dem stellvertretenden Leiter des Norillag Aleksejenko (Vorsitzender), dem Einsatzleiter Dubrowskij, dem Ingenieur und Hydrogeologen Repin, dem Chef der geologischen Forschungsabteilung Woronzow, dem Leiter des Kohlestollens Chromtschenko. Sein Arbeitsplan (der Sawenjagin am 15. Juni vorgelegt wurde) beinhaltete die Aufsicht über die Mitglieder des Stabes, die Überprüfung des Vorhandenseins von Plänen zum Arbeitsablauf, Arbeitspläne, die Herausgabe zweier Radio-Aufzeichnungen von Stoß- und Rekordarbeitern, von fünf gedruckten Produktionsberichten, Rechen-schaftsberichte der einzelnen Abteilungsleiter (Wohnungsbau, Abteilung der Hilfsunternehmen, Eisenbahnbau, Transport mit Pferdefuhrwerken, Abteilung für allgemeine Versorgung, provisorische Elektro-Station-2, Straßenbau, Werkstatt für temporäre Einrichtungen und andere). Unter den genannten Familiennamen befinden sich berühmte Norilsker — Sarapetjan, Jerschow, Rosnatowskij, Sawwa... In einer Reihe von Teilbereichen ist es geplant, den Verlauf der Einführung der Stachanow-Arbeitspraxis zu überprüfen; Baskajew und Anissimow waren gehalten, über den Verlauf der Planerfüllung, denn Wettstreit und die Organisationsrolle der ITR Bericht zu erstatten. Die Abschlussversammlung des Stabs wurde für den 26. Juni anberaumt.

Am 21. Juni fand eine Versammlung der Brigadiere, des Erziehungspersonals, statt. Aleksejenko machte den Vorschlag darüber zu beraten, wie die Arbeit organisiert war, weshalb einige Brigaden die Aufgaben vereitelten; er bat darum, sich über den Lohn, die medizinische Versorgung, Fakten der Sabotage zuäußern. In ihren Reden sprachen die Brigadiere Kusnezow, Konischtschew, Agirow, Biniaschwili, Otmutskij, der Erzieher Sandarow, der Vorarbeiter Wenezkij hauptsächlich darübern, was die normale Arbeit störte (Chaos mit den Arbeitsaufträgen, Aufstellung und Verteilung der Arbeitskräfte, Materialversorgung, unzeitgemäße Auszahlung der Löhne). Ober-Bauingenieur Bussygin und der stellvertretende Leiter des Norillag Aleksejenko versprachen die Mängel zu beseitigen und befahlen den Brigadieren, alles zu tun, um die Arbeitsvorgaben des Dekadniks zu erfüllen.

Und so sieht der Bilanz-Bericht aus: von den zehn Unterabteilungen erfüllten lediglich drei die Planvorgaben (geologische Erkundung, WES-2, Straßenbau); die Förderunternehmen erfüllten die Planvorgaben beinahe nach allen Kennziffern und Maßstäben; unter, denen, die zurückgeblieben waren, befanden sich die Eisenbahn, der Kraftfahrzeug- und Traktoren-Fuhrpark sowie der Bau der Bahn-Zweiglinien beim Tagebau.

Die Zahl der Arbeiter, welche die Norm zu mehr als 200 Prozent erfüllten belief sich auf 28 (zehn davon waren beim mechanischen Bohren beschäftigt; in dieser Liste gibt es eine Frau — I.J. Kondakowa; zwei — der Hobelarbeiter und Fräser I-D- Kuzew, der an drei Werkbänken bei maximaler Auslastung arbeitete, und der Bruchstein-Arbeiter I.F. Nikitin — überfüllten die Norm zu 303 Prozent); die Grenze von 150 Prozent erreichten — 132. In dem Bericht, beispielsweise, des Leiters der Ziegelfabrik ¹ 1 Jerussalimenko und des Inspektors der Kultur- und Erziehungsabteilung Schtscheblykin hieß es, dass Dank des Dekadniks das Monatsplanprogramm erfüllt worden sei, indem 90050 Stück Ziegel produziert worden seien und die Selbstkosten der Produktion zum ersten Mal den Planvorgaben entsprochen hätten.

...So gestaltete sich das Jahr, das den Beginn des Umbruchs beim Bau des Kombinats kennzeichnete. Ich hoffe, dass die statistische «Sequenz» nicht ermattet ist: wie viele Beispiele hat es bereits gegeben, bei denen die Zahl eine nicht weniger starke Wirkung auf Verstand und Herz beweist, als jeder Beweis. Was mich betrifft, so würde ich gern, nachdem ich die vergilbten Seiten der Archivakten durchgeblättert und eine unerklärliche Anziehungskraft zum historischen Tatbestand empfunden habe, auch Sie, verehrte Leser, mit in dieses „Feld“ hineinziehen.

Ì. Waschnow,
Kandidat der Geschichtswissenschaften

«Polar-Wahrheit», ¹ 79-80 (9580-9581), 26.-27.04.88.


Zum Seitenanfang