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Mäusegift im Königreich der Magnaten

„Diese Zeilen hören sich an wie ein Stöhnen derer, die in der Einöde so früh umgekommen sind. Seit jenen Zeiten und bis jetzt befinden sich Herz und Seele – in unverheilten Wunden“ (Nora Pfeffer, ehemalige Gefangene des NorilLag).

In der Zeitung „Sapoljarnaja Prawda“ las ich einen Artikel (Autor I. Nedilko) darüber, dass in Norilsk ein Denkmal auf dem Garde-Platz errichtet werden soll – für alle Einwohner der Stadt (Sponsor – ein ehemaliger Norilsker, der heute in Deutschland lebt, Herr Loskutnikow, der sich die Unterstützung der Macht der Besitzenden sicher sein kann). Und ich möchte dazu eine Frage stellen. Im Laufe der vergangene zehn Jahre haben ehemalige Häftlinge des NorilLag, gemeinsam mit Mitgliedern der Norilsker Filiale der internationalen „Memorial“-Gesellschaft das Thema aufgeworfen, auf dem Gardeplatz ein Denkmal für die repressierten und später rehabilitierten politischen Gefangenen zu errichten. Aber leider: war dieser Ort dafür nicht zugänglich – übrigens genau so wenig, wie das Denkmal selbst.

Was geschieht heute? Der Wunsch des Magnaten wird sogleich in die Realität umgesetzt. Und offenbar ist dieser Wunsch des Herrn Loskutnikow nicht ohne Grund so plötzlich aufgekeimt, in Norilsk ein Denkmal zu errichten. Selbst wenn man eine Verflechtung wohlwollender Absichten mit kommerziellen Zielen vermutet.

Weshalb hält unsere administrative Macht mit einem einzigen Federstrich, ohne Rücksicht auf die Willensäußerung der Menschen, alles für Mäusescheiße, was vor diesem Augenblick gewesen ist?

Die Geschichte von Norilsk spricht für sich selbst. Zum Jahr 1953, als der Ukas über die Umformierung der Arbeitssiedlung in eine Stadt regionaler Unterstellung unterzeichnet wurde, war in Norilsk bereits die gesamte notwendige Infrastruktur samt Industrieflächen gebaut worden. Von 77.000 Norilskern waren 68.000 Gefangene. In ihrer Mehrheit Repressierte und im späteren Verlauf – Rehabilitierte.

Jene Bedingungen, unter denen die Stadt und das Kombinat errichtet wurden, sind mit den späteren nicht vergleichbar. Weshalb also ist es nach so vielen Jahren erforderlich, einen Platz für die Aufstellung eines Denkmals freizugeben?

Im Auftrag der Mitglieder der gesellschaftlichen Vereinigung „Schutz der Opfer politischer Repressionen“.
Elisabeth (Jelisaweta) Obst

„Sapoljarnaja Prawda“, 28.01.2004


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