In Krasnojarsk wurde eine Ausstellung über die Schicksale von Verbannten eröffnet


Ausstellung Jenisseisker Fenster

In der Stadt Jenisseisk, in der Region Krasnojarsk, wurde im örtlichen Pädagogischen College die Ausstellung Jenisseisker Fenster eröffnet. Sie ist den Schicksalen der Verbannten gewidmet, die hier in den 1930er-1950er Jahren gezwungenermaßen zu Sibiriern wurden". Das ließ der Korrespondent des Verlags "Sibirische Realien" verlauten.

Jenisseisk eine der ältesten Städte Sibiriens (gegründet 1619, Bestandteil der Krasnojarsker Region seit 1934), war beinahe während seiner gesamten Geschichte ein Ort der Verbannungen. Häufig handelte es sich bei den verbannten um bekannte Leute - Wissenschaftler, Schriftsteller, kulturelle Persönlichkeiten.

"Unser Kommandant, so erinnern sich die Verbannten, prahlte einmal während eines Tischgesprächs:" Was sind schon euer Sankt Petersburg, euer Moskau? Ich werde hier meine eigene Akademie der Wissenschaften eröffnen" und das hätte wohl so sein können", - sagte Irina Moissejewa, Urheberin und Kuratorin der Ausstellung, Lehrerin am pädagogischen College in Jenisseisk, dem Korrespondenten von "Sibirische Realien".

Unter denjenigen, die ihre Verbannung in Jenisseisk verbrachten, befanden sich auch der Philosoph G. Spet, der Historiker M. Dubrowskij, der leitende Ingenieur des Tupolew-Konstruktionsbüros A. Alimow, der Schöpfer der ersten PKWs in der UdSSR K. Scharapow, der Dramaturg N. Erdman, der Schriftsteller und Autor des Buches "Der Erbe aus Kalkutta" P. Stilmark und viele andere.

Aber wie die Organisatoren der Ausstellung berichten, gibt es heute in Jenisseisk fast keine materiellen Zeugnisse mehr über den Aufenthalt dieser Menschen in der Stadt. Nur noch die Häuser, in denen sie wohnten, und die Fenster, aus denen sie herausschauten.

Die echten, wirklichen Fenster aus den Häusern der Verbannten waren auch die wichtigsten Exponate der Ausstellung. Es ist so, als ob sie den Ausstellungsraum in fünf Sektionen unterteilen, und jeder von ihnen ist dem Schicksal einer dieser Menschen gewidmet, die die Verbannung in Jenisseisk erlebten: dem Arzt und Geistlichen Valentin Woino-Jassenezki (Bischof Luka), der Schauspielerin und Ehefrau Marschall Budjonnys Olga Michailowa-Budjonna, dem Physiker Jurij Rumer, der wissenschaftlichen Mitarbeiterin des Leningrader Revolutionsmuseums Maria Lewis, der Ärztin des Kreml-Krankenhauses Vera Krestinskaja.

"Ziel der Ausstellung ist es nicht einfach nur über die Schicksale von Menschen zu erzählen, sondern auch ein Gefühl der Mitleidenschaft und der Nähe zu den Ereignissen der Vergangenheit zu erzeugen. Denn diese Fenster unterscheiden sich nicht von vielen anderen, die man in den Häusern von Jenisseisk sehen kann", meinen die Organisatoren.

Das Ausstellungsprojekt wurde auf dem Hackathon "Freiheit der Erinnerung" erarbeitet, das von der Friedrich-Naumann-Stiftung und dem Russischen Kultur-Fon erarbeitet wurde. Nach Jenisseisk wird die Ausstellung in Krasnojarsk gezeigt werden.

Julia Starinowa
Sibirische Realien, 01.07.2019


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