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Die besorgniserregenden Tage der Jahre 1928-1936

Anfang Mai 1928 trifft ein Brief mit dem Protokoll der nichtöffentlichen Sitzung des Büros des Minusinsker Gebietskomitees der Allrussischen Kommunistischen Partei (Bolschewiken) ein, in dem es heißt:“…es den Bezirkstroikas zu erlauben, gemeinsam mit den Bevollmächtigten die Fragen bezüglich der Weiterleitung der Akten offensichtlicher Kulaken (Großbauern), die große Überschüsse an Getreide besitzen, und bei denen es keinerlei Zweifel gibt, vor Gericht zu entscheiden; in allen anderen Fällen sind die Verfahren vorher mit der Gebietsstroika abzustimmen“. So begann mit diesem Zeitpunkt die Entkulakisierung im Jermakowsker Bezirk. 1929 wurden im Bezirk 500 Familien Opfer der Enteignungen; sie gehörten zu den Jermakowsker (46), Subbotinsker (55), Schunersker (43), Dubensker (22), Nowo-Pokrowsker (33), Nowo-Poltawsker (23), Salbinsker (32), Sajansker (29), Wosnesensker (18) und Grigorjewsker (10) Dorfräten. In dieser Periode zählte der Bezirk insgesamt 29 Dorfräte, und überall waren die Enteignungen der Großbauern im Gange.
Viele der Enteigneten wurden aus dem Jernakowsker Bezirk ausgewiesen. In der Archiv-Abteilung ist ein Telegramm des Regierungsbevollmächtigten für das Gebiet West-Sibirien beim Jermakowsker Bezirksapparat vom 17.05.1931 erhalten geblieben: „Infolge des Umstands, dass unser Bezirk die Verladung der Sonderumsiedler an der Bahnstation Abakan nicht am 25.05, wie laut Plan angewiesen, sondern erst am 27.05.1931 um 8 Uhr morgens stattfinden soll, wird darum ersucht, die Ausweisung aus den Dörfern zwei Tage später als ursprünglich vorgesehen vorzunehmen, damit die Leute am Sammelpunkt in Kasanzewo nicht schon am 22. Mai, sondern erst am 24. Mai 1931, nicht später als 5 Uhr abends, eintreffen“.

In der Resolution des Plenums des Bezirkskomitees sowie in einem Brief des Minusinsker Gebietskomitees vom 07.04.1930 wird angemerkt, dass im Bezirk „grobe Fehler in Sachen der Liquidierung der Kulakenschaft als Klasse zugelassen wurden“. „Wenn auch in einzelnen Dörfern die Enteignung in korrekten Bahnen verlief – hier wurden die Listen im Voraus auf den Tagelöhner- und Kleinbauern-Versammlungen erörtert …, so fanden in anderen Ortschaften grobe, überspitzte Aktionen statt, welche von Bezirksmitarbeitern begangen wurden. Als eines der Beispiel dafür kann Subbotino dienen, wo eine beträchtliche Anzahl von Mittelbauern als Kulaken registriert waren, deren Häuser geräumt und deren Besitz verkauft wurde“. „Im Wosnesensker Bezirk gibt es keine Kolchose, trotzdem wurde dort die Enteignung auf administrativem Wege anhand einer zusätzlichen Kulaken-Liste durchgeführt, wobei die Einreichung dieser Liste eine individuelle Besteuerung innerhalb von 24 Stunden erforderlich machte. Der eigentliche Enteignungsprozess wurde in unwirtschaftlicher Art und Weise und nicht korrekt durchgeführt, ohne entsprechende Inventar-Verzeichnisse und einschließlich der Wegnahme von Dingen des täglichen Gebrauchs – Hemden, Kleider, Fußlappen usw. Nachdem Riks Brigade nach Wosnesenskoje abgefahren war, erstellte sie eine Liste derer, die enteignet worden waren und veräußerte deren Besitz innerhalb weniger Stunden. Es gibt fehlerhafte Fälle bei den Konfiszierungen“.

Die Entkulakisierung im Bezirk dauerte mehrere Jahre. So wurden allein 1931 aus dem Bezirk etwa 327 Großbauern-Familien ausgesiedelt.

Leiterin der Archiv-Abteilung der
Verwaltung des Jermakowsker Bezirks – N.A. Tschechowskaja

Schmerz und Erinnerung. Gewidmet den Opfern der politischen Repressionen der 1930er – 1950er Jahre im Jermakowsker Bezirk, Band 2


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