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Verbannungs- / Lagerhaftbericht von Valentina Jeremejewa

Mein Großvater, Pawel Andrejewitsch Tscherkasow, geriet 1943 in der Nähe von Belgorod in Kriegsgefangenschaft. Befand sich auf westdeutschem Territorium in einem (mehreren?) Konzentrationslager(n). Leider konnte er sich weder an eine genauere Lagerbezeichnung noch an den Namen einer nahegelegenen Ortschaft erinnern, denn der Großvater erzählte nur ein einziges Mal davon, daß er in Gefangenschaft war (ich war damals 7 Jahre alt), was er dort erlebte und wie er dank eines deutschen Mädchens am Leben blieb. Inzwischen ist der Großvater schon tot, aber sein Leben lang hat er die Erinnerung an dieses Mädchen im Gedächtnis behalten, sich auch mehrfach darangemacht ihr einen Brief zu schreiben, wobei er erwähnte, daß sie in der Bundesrepublik Deutschland lebte. Und nun möchte ich seinen letzten Wunsch erfüllen.

Sein zweiter Fluchtversuch aus dem Konzentrationslager verlief erfolgreich. Aber ganz unerwartet entdeckten ihn deutsche Streckenwärter und begannen ihn zu verfolgen. Nicht weit entfernt gab es eine Siedlung. Der Großvater rannte in ein Haus, dessen Tür offen stand. Im Zimmer befand sich ein Mädchen; es sah den Kriegsgefangenen, der sich offensichtlich vor seinen Verfolgern in Sicherheit bringen wollte. Sie öffnete eine Falltür, der Großvater sprang hinunter. Die Klappe wurde zugeschlagen, ein Stück Teppich darübergelegt und dann ein Tisch mit Blumen daraufgestellt. Anschließend öffnete sie das Fenster (zum Garten?).

Drei Tage und Nächte saß der Großvater in dem unterirdischen Verließ. Das Mädchen teilte seine kümmerliche Essensration mit ihm – ein dünnes Stückchen Brot, hauchdünn mit Margarine bestrichen, und eine Papirossi. Das Mädel hieß Elsa Moise (Meuse?). AM vierten Tag brachte Elsa den Großvater zu ihrem Onkel, einem Bauern, wo er sich um die Schweine kümmerte. Er kochte Kartoffeln für sie und fütterte sie damit. Er selbst bekam auch immer etwas vom Tisch des Hausherrn ab. Der Bauer war sehr .... (unleserlich).

...

Soweit ich mich erinnern kann, wurde er schließlich von den Amerikanern befreit und kämpfte noch eine gewisse Zeit mit ihnen.

Der Großvater besaß auch Fotos von Elsa Moise sowie ein Taschentuch; leider sind diese Sachen nicht erhalten geblieben. In seinem Notizbuch bin ich mehrfach über den Namen Elsa gestolpert, allerdings ohne Adresse.

Ich möchte mich gern an deutsche Schülerinnen und Schüler wenden – mit der Bitte, die Retterin meines Großvaters, sofern dies möglich ist, ausfindig zu machen, der Dank ihrer Hilfe noch 20 Jahre weiterlebte und bis zu seiner letzten Stunde nicht vergaß, wem er seine Rettung und sein Leben zu verdanken hatte.

Ob sie wohl noch lebt? Ob sie sich auch noch daran erinnert? Vielleicht hat sie noch lebende Verwandte oder eigene Kinder, die diese Geschichte kennen. Vielleicht reagiert irgendjemand und schickt eine Antwort.

Valentina Jeremejewa


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