«Von der Geschichte der Familie zur Geschichte des Landes» (Die Geschichte der Familie von Lydia Wassiljewna Idt (Antonenko)

21. Schulwettbewerb «Der Mensch in der Geschichte. Russland — 20. Jahrhundert»

Forschungsarbeit
«Von der Geschichte der Familie zur Geschichte des Landes» (Die Geschichte der Familie von Lydia Wassiljewna Idt (Antonenko)

Bezeichnung «Familiengeschichte»

Autorin: Uljana Dmitriewna Idt
Sajan-Bezirk, Dorf Ust-Anscha
Städtische allgemeine Einrichtung für zusätzliche Bildung «Sajaner Bezirks-zentrum für Kinder-Kreativität»
9. Klasse
Leitung: Tatjana Aleksandrowna Belugina,
Pädagogin für zusätzliche Bildung

Jeder Mensch auf der Erde,
egal, womit er sich beschäftigt,
spielt in der Welt eine wichtige Rolle.
Und für gewöhnlich weiß er das nicht einmal.
Paulo Coelho

Einleitung

Im Februar 2020 vollendet meine Großmutter Lydia Wassiljewna Idt (Antonenko) ihr 80. Lebensjahr (Bild 1). Ich habe beschlossen zu ihrem Ehrentag Material zur Rekonstruktion ihrer Abstammungsgeschichte zusammenzutragen, einen genealogischen Stammbaum zu erstellen und die wichtigsten Ereignisse ihres Lebens zu beschreiben, die sich in der einen oder anderen Weise mit der Geschichte unseres Landes kreuzen. Einen schweren Lebensweh, voller Entbehrungen und Unbilden, ist meine Großmutter gegangen, doch sie hat ihren Frohsinn, ihr Wohlwollen gegenüber den Menschen und ihre Lebensfreude bewahrt. Heute ist sie von einer riesigen Familie umgeben, und ich habe das Glück ein Teil davon zu sein. Gegenwärtig lebt ein Großteil der Familie in der Region Krasnojarsk. Die Hauptheldin meiner Forschungsarbeit, meine Großmama, lebt in dem kleinen Dorf Ust-Anscha, Sajan-Bezirk, wohin ihre Vorfahren bereits im 19. Jahrhundert umsiedelten.


Abb. 1. Lydia Wassiljewna Idt

Das Problem besteht darin, dass dkie innerhalb der Familie aufbewahrten Archiv-Materialien nicht strukturiert sind. Die Aktualität der Arbeit liegt in der Systematisierung des vorhandenen Materials über die Abstammung und die Lebens-Meilensteine, in denen sich die Geschichte des Landes widerspiegelt.

Ziel der Arbeit: objektive Darstellung der Geschichte des Geschlechts, in dessen Zentrum sich Lydia Wassiljewna Idt (Antonenko) befindet.

Aufgabenstellungen:

Objekt der Forschungsarbeit: die Abstammung der Lydia Wassiljewna Idt (Antonenko). Gegenstand der Arbeit: die Widerspiegelung der Geschichte des Landes in den Schicksalen der Familienmitglieder.

Forschungsmethoden: themenbezogene Interviews (die Biografie als Teil eines konkreten geschichtlichen Zeitraums), Studium und Analyse von Literatur, Studium von Dokumenten aus dem Familien-Archiv und dem Archiv der Bezirksverwaltung.

Kapitel I. Die Geschichte der Vorfahren

Die Vorfahren (Großeltern) unserer Heldin Lydia Wassiljewna Idt (Antonenko) kamen Ende des 19. Jahrhunderts freiwillig aus, wie sie zu sagen pflegten, Rossja nach Sibirien. So hatten sie im Gegensatz zu Sibirien den europäischen Teil des Landes, der sie beherbergt hatte, genannt. Diese Bezeichnung für einen Landesteil diesseits des Urals kann man auch heute noch von den Alteingesessenen hören. Und ganz konkret siedelten die Vorfahren aus Dörfern der Gouvernements Sankt-Petersburg und Witebsk über – noch vor der Umsiedlung, die im Rahmen der Stolypin-Reform erfolgte.

Die Eltern von Lydia Wassiljewnas Vater: Großmutter – Ksenia Iwanowna Antonenko (Krassikowa), geb. 1890; Großvater – Semjon Filippowitsch Antonenko, geb. 1887 (Abb. 2).

Elter der Mutter: Großmutter – Pelageja Frolowna Gladina (Korotkowa), geb. 1884; Großvater – Wassilij Dmitrijewitsch Gladina, geb. 1882.


Abb. 2. S.F. Antonenko und K.I. Antonenko

Nach Erinnerungen, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden, war Pelageja Korotkowa in der Heimat als Dienstmädchen in einer Sankt-Petersburger Bürger-Familie angestellt, was in den Dorffamilien hoch angesehen war und erst nach Abschaffung der Leibeigenschaft im Jahre 1861 möglich wurde [1].

Geschichtlicher Nachweis. Die Besiedlung Sibiriens Ende des 19. Jahrhunderts

Über die Umsiedlung der Menschenmassen Russlands nach Sibirien können wir in einem Artikel von Swetlana Smetanina im Portal «Russisches Jahrhundert» lesen. Aus einem Interview mit dem Oberlektur des Lehrstuhls für Geschichte der russischen staatlichen Agrar-Universität – der Moskauer K.A. Timirjasew-Landwirtschaftsakademie – Viktor Panasjuk: «Noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts siedelte ein Teil der Bauern aus den zentralen Gouvernements nach Sibirien und in den Fernen Osten um. Doch damals förderte die Regierung die Umsiedlung nicht. Dies war hauptsächlich auf die Tatsache zurückzuführen, dass die Bauern nach der Abschaffung der Leibeigenschaft im Jahre 1861 Ablösegelder für Gemeindeland in erheblicher Höhe zahlen sollten, und die Regierung war daran interessiert, dass sie fristgemäß eingingen. Und wenn man ihnen die Freiheit der Migration gäbe, dann könnten die Bauern abwandern und die Gutsherren würden ihr Geld nicht bekommen. Daher gab es Ende des 19. Jahrhunderts ernsthafte Einschränkungen bei der Abwanderung von Dorfbewohnern nach Sibirien und nach Fernost [7].

Auf der Seite «Genealogisches Forum WGD» lesen wir: «Gemäß der Reform von 1861 wurden die Bauern mit Land ausgestattet und man ordnete ein Gemeinwesen an. Die Bauernfamilien wurden größer, das Land in der Gemeinde reichte nicht mehr aus. Es begann eine Hungersnot, die Menschen zogen in die Stadt und auf freie Ländereien. 1880 war Sibirien die Haupt-Umsiedlungsgegend – dort gab es keine Grundbesitzer und es existierten Unmengen an freien Ländereien. Nach dem Bau der Bahnlinie bis nach Tscheljabinsk und dem Bau der Großen Sibirischen Magistrale ab 1891 bekam die Umsiedlung nach Sibirien und seine Urbarmachung einen großen Anstoß. Innerhalb von 20 Jahren siedelten 1 Million Menschen hierhin um» [8].

In dem Artikel «Migration» liest man bei Wikipedia: «Die Neuansiedlung nahm besonders nach der Inbetriebnahme der Transsibirischen Eisenbahn zu. Kamen 1893 56000 Umsiedler nach Sibirien, so waren es 1895 bereits — 107000» [9].

Auf der Seite des zentralisierten Bibliothek-Systems des Sajan-Bezirks fanden wir ein Dokument «Die Geschichte des Sajan-Bezirks», unterzeichnet von S.A. Walikow. Im Dokument stand zu der uns interessierenden Frage geschrieben: «Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es eine freiwillige Besiedlung des Sajan-Bezirks. Mit jedem Jahrzehnt wurde sie intensiver und verstärkte sich ganz besonders nach der Abschaffung der Leibeigenschaft. Es siedelten fast ausschließlich Großfamilien, hauptsächlich wohlhabende Bauern, um.
Zum Jahr 1859 gab es nach Angaben des zentralen statistischen Komitees des Ministeriums für innere Angelegenheiten auf dem Territorium des Bezirks bereits fünf Ortschaften: das Großdorf Aginskoje, die Dörfer Nagornaja, Pokrowskaja (heute Tinskaja), Wjerchnaja Anscha und Ust-Anscha.

1833 wurde am Fluss Kann Gold gefunden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts machten sich Goldsucher auch auf den Weg in den Aginsker Amtsbezirk. Im Dorf Ust-Anscha befand sich die Residenz der Goldgräber. Waren für die Goldminen wurden über den Fluss Kan und seine Nebenarme angeliefert» [10].

Die Familie Antonenko ließ sich in Tscharga nieder und begann eine kleine Landwirtschaft aufzubauen, während die Familie Gladin sich nach Ust-Anscha begab. Die Familien waren groß, kinderreich und wohlhabend. Die Gladins besaßen eine eigene Wollwerkstatt, die nicht nur die Bevölkerung in Ust-Anscha mit Wolle und Filzstiefeln versorgte, sondern auch in anderen Dörfern des Landkreises. In der Familie gab es sieben Kinder, zwei von ihnen – Tochter Alexandra und Sohn Grigorij lebten mit ihren Familien hier im Dorf Tscharga; die anderen fünf waren noch minderjährig: Wassilij (mein Urgroßvater), Iwan, Maxim, Jefrossinja, Lydia und Maria. Die Antonenkos besaßen eine Flachsbreche, wo sie Flachsfasern aus dem Flachs vom eigenen Feld gewannen. Daraus webten sie weiße Handtücher. [1].

1913 wurde bei den Antonenkos Lydia Wassiljewans Vater Wassilij Semjonowitsch (Abb. 3, 4) geboren. Außer ihm waren noch folgende Kinder in der Familie: Tochter Fjokla (geb. 1911), Sohn Iwan (geb. 1915), Sohn Grigorij (geb. 1917), Sohn Maxim und Tochter Lydia (geb. 1927) [2].

1919 wurde in der Familie der Gladins Lydia Wassiljewnas Mutter Maria Wassiljewna geboren (Bild 5, 6). Außerdem gab es noch die Kinder: Grigorij (geb. 1917), Dmitrij (geb. 1923), Kusma (geb. 1927) [1, 2]


Abb. 3


Abb. 4 – W.S. Antonenko


Abb. 5


Abb. 6. M.W. Gladina (Antonenko) Ì. Â.

1930 wurden die Familien Antonenko und Gladin enteignet. Im Buch dr Erinnerung an die Opfer der politischen Repressalien in der Region Krasnojarsk (Band 11, Enteignete) fand sich eine Notiz: «Wassilij Dmitrijewitsch Gladin (geb. 1882). Er lebte im Dorf Ust-Anscha, Aginsker (heute Sajan-) Bezirk. Enteignet 1930, zusammen mit der Familie ausgesiedelt in den Keschemsker Bezirk: Ehefrau Pelageja Frolowna (geb. 1884), Kinder: Grigorij (geb. 1917), Maria (geb. 1919), Dmitrij (geb. 1923), Kusma (geb. 1927); Enkel, Kinder von Maria: Lydia (geb. 1940), Nikolai (geb. 1943).» [4] Dieselbe Notiz fanden wir im Archiv der Verwaltung des Sajan-Bezirks [3].

In demselben Archiv-Band gibt es einen Vermerk über die Enteignung und Verbannung des zweiten Großvaters meiner Großmama: «Semjon Filippowitsch Antonenko lebte inm Dorf Tscharga, Ust-Anschinsker Dorfrat, Aginsker (heute Sajan-) Bezirk, Region Kansk. Entzug der Wahlrechte, Aus dem Bezirk ausgesiedelt in die Siedlung Dworjez, Keschemsker Bezirk [3]. Bei der Enteignung wurden eine Gesäme-Auslesemaschine (landwirtschaftliche Maschine zur Trennung von Getreide und Beimischungen, die sich vom Getreide durch ihre Länge unterschieden), Anbauflächen, Heufelder, 3 Pferde, 2 Kühe, 8 Schafe und 5 Schweine konfisziert. Für die Saisonarbeiten hatten sie vier Arbeiter eingestellt; auch für Anbauten am Haus hatten sie Arbeiter hinzugeholt, die Auslesemaschine hatten sie auch vermietet, was letztendlich als Anlass für die Enteignung diente. Der Beschluss zur Konfiszierung des Besitzes war auf einer Versammlung der Armen im Dorf (44 Personen) gefasst worden [2] (Abb. 7).


Abb. 7. Archivakte über die Enteignung von S. F. Antonenko in 9 Blättern

An die Enteignung erinnert sich die Großmutter: «Und das alles nur, weil der Großvater einen eigenen Wollmantel besaß und Filzstiefel walkte. Und er hatte doch 8 oder 9 Kinder, die alle ernährt werden mussten. Als sie die gesamte Familie aus dem Haus jagten und auf einen Leiterwagen verfrachteten, fing der kleine Kusma an zu schreien: «Bringt mich zu Anisa (die Frau des ältesten Sohnes, der schon lange im eigenen Haushalt lebte), ich will Milch trinken!» Er hatte Hunger. Nur wer sollte ihm schon zuhören – dem Sohn eines Kulaken (Großbauer; Anm. d. Übers.). Alles nahmen sie dem Großvater weg. Sie enteigneten auch die Eltern meines Vaters - Semjon Filippowitsch und Ksenia Iwanowna Antonenko aus dem Dorf Tscharga. Sie besaßen ebenfalls eine große Familie. Sie besaßen eine Windmühle. Ihr Haus hatten sie selbst aus Balken zusammengebaut, nur Großmutters Bruder hatte geholfen. Als sie den Großvater enteigneten, rissen sie das Haus ab und flößten die Stämme nach Irbej. In den Enteignungsdokumenten ist vermerkt, dass der Großvater einen Tagelöhner angestellt hatte. Nur dass dieser «Tagelöhne» in Wirklichkeit Großmutters Bruder war, der dabei geholfen hatte, as Haus zu errichten, doch das wollte niemand hören».

Das Haus der Gladins in Ust-Anscha war solide gebaut. Es gab einen Ofen aus Ziegelsteinen, von denen jeder einen Stempel mit dem Namen «Gladin» trug. Das Haus diente danach noch lange den Zwecken der Kolchosarbeiter. Zuerst befand sich dort die Grundschule, später die Feldscher- und Hebammenstelle [1]. In den 1990er Jahren, als es im Land zu Veränderungen kam und die Kolchose aufhörte zu existieren, konnte Lydia Wassiljewna das Haus ihrer Vorfahren zurückholen und richtete darin einen privaten Laden ein. Doch eines Nachts brach ein Feuer aus, bei dem das Haus niederbrannte.

Geschichtlicher Nachweis. Kollektivierung und Entkulakisierung.

Bei Wikipedia steht über die vorliegende Episode der sozialistischen Umbildungen auf dem Lande folgendes geschrieben: «Kollektivierung —Politik der Vereinigung von Einzel-Bauernhöfen in Kollektivwirtschaften (Kolchosen und Sowchosen), die in der UdSSR im Zeitraum von 1928 bis 1937 zum Zweck der Umstrukturierung kleiner individueller Hof-Wirtschaften in große gemeinschaftliche Kooperativ-Produktionsgenossenschaften zur Vereinfachung des Systems des Zugriffs auf ihre Produkte und der Gewährleistung des Anstiegs der Industrieproduktion – der Industrialisierung – durchgeführt wurde. Die entstandenen Kooperativ-Wirtschaften ermöglichten einen vereinfachten Übergang von Arbeitskräften und eine Verteilung der Lebensmittel aus dem Agrar-Sektor auf den Industrie-Sektor. Der Beschluss zur Kollektivierung wurde 1927 auf dem 15. Parteitag der Allrussischen Kommunistischen Partei (Bolschewisten) gefasst» [11].

Auf der Seite der «Archive der Region Krasnojarsk» lesen wir in dem Artikel «In den Norden aussiedeln» von W.N. Krascheninnikow – dem Direktor kommunalen staatlichen Einrichtung «Archiv der Stadt Nasarowo»: «Entkulakisierung und Kollektivierung – eine der Seiten in der Geschichte unserer leidgeprüften Heimat. Zum Jahr 1927 bestanden 3,9 % der Bauern-Wirtschaften des Landes aus sogenannten Kulaken-Wirtschaften, 62,7% waren Mittelbauern, 11,3 % arme Bauern. Den größten Anteil machten also die Mittelbauern aus, den dritten – verarmte Bauern und Knechte. Letztere befanden sich in starker Abhängigkeit von den wohlhabenden Schichten des Dorfes, insbesondere den Kulaken (Großbauern; Anm. d. Übers.). Gerade der Teil des Dorfes sah für sich den Ausweg in einem Zusammenschluss. Er wurde auch zu eben der sozialen Kraft des Dorfes, die aktiv sowohl die vollständige Kollektivierung als auch die Liquidierung der Kulaken unterstützte.

Der Kampf gegen das Großbauerntum als Ausbeuterklasse setzte ab dem Moment der Proklamation der Sowjetmacht durch Zwangsenteignung der Produktionsmittel und des Besitzes ein. Der Staat begann eine rigorose Politik der Einschränkungen und der Verdrängung der Kulaken mittels Konfiszierung von Land, Getreidevorräten und Produktionsmitteln sowie einer Verschärfung des Steuerdrucks und einer vollständigen Einstellung staatlicher Zuweisungen, was zu einer Verarmung und Zerstörung der wohlhabenden Hofwirtschaften führte. Im Sommer 1929 wurde der Beschluss über ein Verbot der Aufnahme von Kulaken-Familien in die Kolchosen und landwirtschaftlichen Genossenschaften gefasst; der Entzug des Stimmrechts bei Wahlen galt für die gesamte Bauernschaft, was äußerste Erbitterung auslöste und den Widerstand gegen die Handlungen der Sowjetmacht nur verstärkte. Im Dezember 1929 verkündete J.W. Stalin den Übergang zur Politik der Liquidierung des Großbauerntums als Klasse. Zu diesem Zweck wurde ein System konkreter Maßnahmen erarbeitet: die Konfiszierung von Produktionsmitteln, Vieh, Wirtschafts- und Wohngebäuden, landwirtschaftlicher Betriebe, Getreidevorräten und Saatgut». Der beschlagnahmte Besitz wurde die materielle Grundlage der Kolchosen [12]. In dem Artikel «Wie die enteigneten Bauern in der Verbannung überlebten» lesen wir im Portal Kulturologia.RF: «Auf staatlicher Ebene wurde eine Norm von 60000 verhafteten und 400000 ausgewiesenen Personen festgesetzt, doch die OGPU mit G. Jagoda an der Spitze lieferte bereits in den ersten Jahren des Programms Angaben, welche die ursprüngliche Ankündigung überstiegen. Mit enteigneten Bauern fackelte die Sowjetmacht nicht lange. Oft hegten die Familien keinen Verdacht, dass sie auf die schwarze Liste zur Aussiedlung geraten könnten und führten ihr gewohntes Leben weiter wie bisher. Sondertrupps für die Kulaken-Angelegenheit konnten nachts im Haus auftauchen und sämtliche Familienmitglieder in verschiedene Richtungen fortschicken: den einen in den Norden, den anderen nach Sibirien oder Kasachstan. Diejenigen, die Widerstand leisteten wurden an Ort und Stelle erschossen. Die Sowjetmacht schuf sich einen Halt in Form der Kolchosen, die selbstgenügsame starke Kulaken-Wirtschaft stellte ein offenkundiges Hindernis dar. [13].

Im Keschemsker Bezirk, Region Krasnojarsk, gerieten meine Vorfahren in die Verbannung. Hier entstand 1930 als Siedlungsort für Sonderumsiedler die weitab gelegene Kodinsker Siedlung. Das Leben der einstigen Großbauern war voller Entbehrungen, schwerer Arbeit und Hunger. Gleichzeitig entwickelte sich mit der Kollektivierung im Keschemsker Bezirk die Holzindustrie. Bereits 1929 wurde auf dem Territorium des Bezirks, in dem Dorf Prospichino, ein Forstwirtschaftsbetrieb gegründet, der den Namen Keschemsker Forstwirtschaft erhielt. Die Holzfäller mussten unter schwierigsten Bedingungen arbeiten. Sie hatten nicht einmal die einfachsten Mechanismen zur Verfügung. Alles musste mit den Händen gemacht werden, mit Hilfe einer einfachen Kreuzsäge und Axt. Und der Holzbeschaffungs-Plan für das Jahr 1930 entsprach einer Menge von 150000 Kubikmetern; daher benötigte man auch eine riesige Menge an Holzfällern – und das wurden ebenfalls die einstigen Großbauern. Sie arbeiteten jeweils 12 Stunden täglich bei der Holzbeschaffung und lebten in unmenschlichen Bedingungen. Deswegen verlangte man von den Holzarbeitern große Widerstandsfähigkeit und physische Abhärtung. Und nur die ungeheuer große Reserve an Menschen machte es meinen Vorfahren möglich zu überleben und ihr Leben einzurichten. [1].

Wassilij Semjonowitsch flößte Baumstämme auf der Angara in den Norden bis nach Igarka, später auf dem Jenissei. Die Stämme wurden zu riesigen Flößen zusammengebunden. Und genau hier war es, wo Wassilij Semjonowitsch Antonenko und Maria Wassiljewna Gladina einander begegneten und eine Familie gründeten. Hier wurden zwei ihrer Kinder geboren: meine Großmutter – Lydia 1940 und ihr Bruder Nikolai 1943.

Nach ihrer Rückkehr nach Ust-Anscha im Jahr 1948 wurden noch drei weitere Kinder geboren: Pjotr, Anna und Iraida. 1960 erhält Maria Wassiljewna eine hohe staatliche Auszeichnung - die «Mutterschafts-Medaille» 2. Grades als Mutter von fünf Kindern (Abb. 8) [1, 2].


Abb. 8

Ihre Ehe konnten sie allerdings erst 1973 registrieren lassen (Abb. 9) [2].


Abb. 9

Zwei Brüder von Maria Wassiljewna Gladina – Grigorij und Dmitrij – wurden aus der Kodinsker Siedlung an die Front einberufen. Dmitrij, der jüngere, kehrte von der Front nach Hause zurück; Grigorij, der ältere, kam ums Leben. Im Buch der Erinnerung der Region Krasnojarsk gibt es einen Vermerk: «Grigorij Wassiljewitsch Gladin, geboren im Dorf Ust-Anscha, Sajan-Bezirk; Soldat; Artillerist; kam am 7. März 1944 ums Leben; beerdigt auf dem städtischen Friedhof, Reihe N 1, ca. 26 m von links in Richtung rechts, Stadt Nebel, Pskowsker Gebiet» [5]. Er war 40 Jahre alt. Sieben Kinder blieben vaterlos zurück: 4 Töchter und 3 Söhne [1].

Auch Wassilij Semjonowitsch Antonenkos Bruder Georgij Semjonowitsch wurde an die Front mobilisiert.

Das Foto, das er seinen Eltern von der Front nach Hause schickte, zeigt ihn mit einem Freund (Abb. 10).


Abb. 10. Georgij Antonenko (links) mit Freund. 1943, August.

Er diente bis zum Rang eines «Hauptmanns». Für seine in den Kämpfen gezeigte Tapferkeit wurde er zweimal mit dem Orden des Roten Banners ausgezeichnet. Georgij Semjonowitsch kehrte lebendig nach Hause zurück, war mehrfach Teilnehmer an den Paraden auf dem Roten Platz in Moskau. Er lebte in der Stadt Krasnojarsk, besuchte aber immer seine Eltern auf dem Lande.

Großvater Wassilij Semjonowitsch kam nicht an die Front, weil er zur Zeit der Haupt-Einberufung in Igarka Holz flößte.

Und erst 1998 erhielt Maria Wassiljewna von der Behörde für den sozialen Schutz der Bevölkerung eine Bescheinigung, dass sie das Recht auf Vergünstigungen besitzt, wie sie die Gesetzgebung für Personen, die als Leidtragende der politischen Repressalien anerkannt wurden, vorgesehen sind (Abb. 11). Wassilij Semjonowitsch erlebte diesen Tag nicht mehr [1, 2].


Ðèñóíîê 11.

Kapitel II. Kindheit und Jugend

Im Keschemsker Bezirk, wo die Familie die Verbannung verbrachte, wurde in einer Umsiedler-Baracke am 10. Februar 1940 Lydia Antonenko geboren.

Aus den Erinnerungen der Großmutter: «Die ganze Familie wurde in die Kodinsker Siedlung gebracht, wo die Großeltern und später auch ihre Kinder sich für viele Jahre niederließen. Ich wurde dort geboren. Wir wohnten gleich in der Baracke; später wurde sie irgendwie in Sektionen unterteilt und dann irgendwann baute man auch Häuser. Als der Vater herangewachsen war, fällte er dort Bäume. Sogar Ehrenurkunden hat er bekommen – er war Stachanow-Arbeiter. Gesägt haben sie mit einer Bogensäge; der Großvater schärfte sie und Mama hieb die Zweige ab. Ich erinnere mich, dass ich selbst Ähren sammelte. Wir führten ein Hungerdasein».

Besonders standen sich Bruder Nikolai und Schwester Lydia das ganze Leben lang nahe. Nikolai erinnerte sich bis zu seinem Tode daran, wie die Schwester ihm das Leben rettete. Sie überquerten beide den Fluss Angara auf einer Brücke. Nikolai stolperte und wäre beinahe ins Wasser gefallen, er konnte noch nicht schwimmen, und die Angara ist kalt und hat eine schnelle Strömung. Es gelang ihm, die Kante der Brücke mit den Händen zu greifen und sich über Wasser zu halten. Lydia packte die Hände des Bruders und hielt sie mit allerletzter Kraft fest, während sie völlig verzweifelt Erwachsenen um Hilfe rief. Doch es kamen keine Erwachsenen; so hielt sie den Bruder weiter krampfhaft fest. Dieser Vorfall zeigt einen typischen Charakterzug meiner Großmutter: sie lässt keinen Menschen allein, der in Schwierigkeiten steckt, sie ist stark und mutig, schnell und entschlossen.

Ihre Kindheit wurde noch dadurch erschwert, dass ihre ersten Lebensjahrenin die schlimme Zeit des Großen Vaterländischen Krieges 1941-1945 fielen [1, 2].

Geschichtlicher Nachweis. In den Jahren des Großen Vaterländischen Krieges.

2679 Angara-Bewohner schickte der Bezirk an die Front des Großen Vaterländischen Krieges, um seine Unabhängigkeit zu verteidigen. Ihre Arbeit nahmen die Zurückgebliebenen auf ihre Schultern. Die meisten Schwierigkeiten lagen auf den Schultern der Frauen.

1940 existierte in der Kodinsker Siedlung nur noch die Kolchose; die Forstwirtschaft war in die Zuständigkeit des Dorfes Prospichino übertragen worden. Die Belastungen waren kolossal: einigen Kolchos-Bäuerinnen gelang es am Tag jeweils 1000 Garben zu binden, die Frauen fällten Bäume und schnitten sie mit Handsägen zu Brettern. Sie arbeiteten auf Traktoren und Mähdreschern, obwohl die Technik bei weitem nicht vollständig war. Die Arbeit der Mechanisatoren war äußerst schwer. Und dabei führten die Frauen auch noch ihren Haushalt, erzogen die Kinder, und erfüllten ihre unglaubliche Steuerschuld gegenüber dem im Krieg befindlichen Staat [14].

1948 kehrte die Familie ins Dorf Ust-Anscha zurück. Die Eltern traten der Kolchose bei. Wassilij Semjonowitsch arbeitete als Viehhüter – er versorgte die Kolchos-Kühe und -Schafe – und auch als Viehzüchter – er zog Kälber auf. Maria Wassiljewna erntete Kolchos-Heu und war in der Getreide-Verarbeitung tätig. Sie mussten auf Anordnung des Vorarbeiters jede beliebige Arbeit verrichten (Abb. 12).


Abb. 12. M.W. Antonenko (Gladina)

Hier wurden Lydias Schwestern geboren – Iraida 1951 und Anna 1954, Bruder Pjotr erblickte 1958 das Licht der Welt.

Die Großmutter erinnerte sich, dass man die kleine Anna vor der Geburt des jüngsten Bruders fragte, ob sie lieber ein Brüderchen oder ein Schwesterchen haben wollte. Und nach der Geburt des Bruders übertrug man ihr sogar die Auswahl des Namens. So also erschien Bruder Pjotr.
Die Kinder halfen den Eltern sowohl in der Kolchose, um die Tagesarbeitseinheiten zu erfüllen, als auch Zuhause. Die Großmutter weiß noch, wie sie als Kinder Pfähle zurechtgeschnitten, sie auf die Straße legten, um sie zu verfestigen.

Nach Abschluss der Grundschule in Ust-Anscha begab sich Lydia ins Nachbardorf Nagornoje, wo es eine Acht-Klassen-Schule gab. Sie lernte gut. Als sie die Schule beendet hatte, ging sie zum Arbeiten in die Stadt Tschernogorsk (Republik Chakassien). Angehörige gab es in Tschernogorsk nicht; durch einen Zufall fuhr sie zusammen mit ihrem Cousin, der den Nachnamen Tschernogor trug. Sie fanden es lustig, dass er mit einem derartigen Familiennamen nach Tschernogorsk reiste. Sie wollte so sehr ihr eigenes Geld verdienen, doch nicht weniger hegte sie den Wunsch, für ihre Familie und das Land von Nutzen zu sein. Sie fand Arbeit in der Ziegelfabrik. Es war eine sehr schwere Tätigkeit, doch die Großmutter fand sich damit zurecht. Die Geschäftsleitung wurde auf die geschickte, strebsame Aktivistin aufmerksam, ihr Foto fand dauerhaft einen Platz am Ehrenbrett. Man wollte sie sogar zu einem Studium schicken.

Auf dem Foto von 1958: Großmutter mit Freunden am freien Tag auf der Erholungsinsel am Jenissei (Abb.13).


Abb. 13. 1958, Tschernogorsk. Lydia (rechts) mit Freunden.

Mit ihren Freunden in Ust-Anscha schrieb Lydia Briefe, in ihren Briefen riefen diese sie dazu auf zurückzukommen. Großmutter kehrte zurück und bereute es nie, denn hier begegnete sie ihrem Schicksal: Wladimir Alexandrowitsch Idt, mein Großvater, der für viele Jahre ihr Ehemann wurde. (Abb.14).


Abb. 14. W.A. Idt

Großmamas Schwester Iraida und Bruder Pjotr leben heute noch im Sajan-Bezirk (Abb. 15). Iraida Wassiljewna im Bezirkszentrum – der Ortschaft Aginskoje, und Pjotr Wassiljewitsch in seinem Heimatdorf, in dem Haus neben der Großmutter [1, 2].


Abb. 15. M.W. Antonenko (links, sitzend), Iraida Wassiljewna Antonenko (rechts, sitzend) mit
 Ehemann und Tochter, Pjotr Wassiljewitsch Antonenko (in der ersten Reihe)

Bruder Nikolai (Abb. 16) blieb nach dem Grundwehrdienst in den bewaffneten Kräften der UdSSR und diente in der Region Primorje weiter als Zeitsoldat. Er blieb dort bis zum Rang eines «Hauptmanns». Später kehrte er in die Region Krasnojarsk zurück, absolvierte das Agrar-Institut in der Stadt Krasnojarsk, arbeitete bei der Finanzbehörde. Jeden Urlaub verbrachte Nikolai auf dem Lande, wo er den Verwandten während der Heumahd und bei anderen landwirtschaftlichen Tätigkeiten half. Dem Sajan-Bezirk erwies er seine Hilfe durch den Bau einer Straße vom Bezirkszentrum bis ins Dorf Ust-Anscha. Nikolai Wassiljewitsch starb 2004.


Abb. 16. Nikolai Wassiljewitsch Antonenko

Schwester Anna lebt in Nowosibirsk (Abb.17) [1, 2].


Abb 17. Anna Antonenko mit Ehemann am Tag der Hochzeit

Kapitel III. Meine Familie.

1960 heirateten Lydia und Wladimir (Abb. 18).


Abb. 18. Wladimir Alexandrowitsch Idt und Lydia Wassiljewna

Die Geschichte der Kindheit meines Großvaters Wladimir Alexandrowitsch Idt ist nicht weniger tragisch als die der Großmutter.

Geboren wurde er am 2. Februar 1941 in der Stadt Balzer, Gebiet Saratow, Autonome Republik der Wolgadeutschen (die heute nicht mehr existiert) (Abb. 19) in der Familie von Alexander Alexandrowitsch Idt (geb. 1911) und Amalia Genrichowna (in einigen Dokumenten Andrejewna) Idt (Laikmann), geb. 1912. Bei seiner Geburt erhielt mein Großvater den Namen Woldemar (Waldemar). Später wurde der Vorname in Wladimir abgeändert.

Und bereits im September 1941, auf Grundlage des Dekrets des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR «Über die Umsiedlung der in den Wolga-Bezirken lebenden Deutschen» vom 28.08.1941, wurde Alexander Alexandrowitsch als Person


Abb. 19. Geburtsurkunde von W.A. Idt

Deutscher Nationalität zusammen mit seiner Familie ausgesiedelt und zur Sonderansiedlung in den Sajan-Bezirk, Region Krasnojarsk geschickt. Zu dem Zeitpunkt gab es in der Familie zwei Kinder: meinen Großvater und seinen älteren Bruder Robert. Vor der Aussiedlung besaß die Familie in der Stadt Balzer ein großes Haus mit Nebengebäuden, Vieh (Kühe, Schweine), Inventar und Haushaltsgegenstände. Zeit zum Packen gab man den Familien der Sonderumsiedler nicht, der gesamte Besitz wurde konfisziert. Die Geschichte der Unterdrückung meiner Vorfahren wiederholte sich [1, 2].

Geschichtlicher Nachweis. Die Deportation der Wolgadeutschen 1941.

Bei Wikipedia lesen wir: «Nach der Verabschiedung des Dekrets des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR «Über die in den Wolga-Bezirken lebenden Deutschen» vom 28. August 1941 wurde die Autonome Republik der Wolgadeutschen liquidiert und eine totale Deportation der Deutschen aus der ASSR durchgeführt. Zu diesem Zweck wurden bereits vorher NKWD-Truppen auf das Territorium der ASSR der Wolgadeutschen gebracht. Den Deutschen wurde die Verfügung überbracht, sich binnen 24 Stunden zur Umsiedlung vorzubereiten und sich mit einer begrenzten Menge an persönlichen Dingen am Sammelpunkt einzufinden. Die deutschen Bewohner der Republik wurden in entlegene Bezirke Sibiriens, Kasachstans und Mittel-Asiens abtransportiert. Entsprechend diesem Dekret wurden im September und Oktober 1941 insgesamt 446 480 Sowjet-Deutsche deportiert.

Im September 1941 wurden zahlreiche wehrdienstpflichtige Personen deutscher Nationalität von der Front abgezogen und ins Hinterland geschickt.

Ab Anfang 1942 wurden Männer im Alter zwischen 15 und 55 Jahren und Frauen zwischen 16 und 45 Jahren, deren Kinder älter als 3 Jahre alt waren, in sogenannte Arbeitskolonnen mobilisiert, die später die Bezeichnung Arbeitsarmee erhielten. Die mobilisierten Deutschen bauten Fabriken, arbeiteten in der Holzbeschaffung und in Bergwerken.

Die Arbeitsarmee wurde erst 1947 aufgelöst. Den Deutschen, die überlebt hatten. erlaubte man lediglich in ihrer Aussiedlungsorte zurückzukehren, in denen sich ihre Angehörigen befanden. Gemäß dem Dekret des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR ¹ 133/12, Dossier ¹ 111/45, vom 26. November 1948 wurden alle während des Großen Vaterländischen Krieges ausgewiesenen Personen auf Lebenszeit verbannt; bei Fluchtversuch aus den Zwangsansiedlungsorten drohte eine Strafe von 20 Jahren Zwangsarbeit.

In die Arbeitsarmee geriet auch mein Urgroßvater Alexander Alexandrowitsch. Die schweren Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Arbeitsarmee zerstörten seine Gesundheit. Er kam 19944, noch ganz jung ums Leben, ohne das Ende des Krieges erlebt zu haben; er war erst 33 Jahre alt (Abb. 20) [1].


Abb. 20

Amalia Genrichowna arbeitete in der Kolchose auf gleicher Stufe wie die anderen Frauen des Dorfes Ust-Anscha. 1966 starb Amalia Genrichowna, sie wurde nur 54 Jahre alt (Abb. 21) [1].


Abb. 21

Bis 1956 befand sich die überwiegende Mehrheit der Deutschen in ihren Wohnorten im Status der Sonderansiedlung und war gezwungen, sich einmal im Monat bei der Kommandantur zu melden. [15].

Und erst auf Beschluss des Gerichts vom 10.02.2011 wurde eine Entschädigung für den im Verlauf der Deportation verlorenen Besitz gewährt (Abb. 22).


Abb 22. Gerichtsbeschluss über die Entschädigung für den verlorenen Besitz

1960 heirateten meine Großeltern. Sie wohnten zunächst bei Großmamas Eltern; später bauten sie ihr eigenes Haus (Abb. 23). Große Hilfestellung beim Bau des Hauses leistete Großmutters Vater – Wassilij Semjonowitsch – sowie einige fürsorgliche Dorfbewohner.


Abb. 23. Das Haus der Familie Idt.

Das Haus wurde in weniger als einem Jahr errichtet. Es steht auch heute noch stabil da; all ihre Kinder wuchsen darin auf. Großmutter wohnt dort immer noch. Nach den Erinnerungen der Kinder lebten sie einträchtig miteinander. Von den Eltern hörten sie innerhalb der Familie niemals einen Streit und auch kein einziges Schimpfwort.

Sie arbeiteten in der Kolchose. Zudem unterhielten sie eine kleine private Hilfswirtschaft, die eine große Hilfe für das Leben der großen Familie bedeutete. Das Leben im Dorf war nicht leicht. Selbst Stromversorgung gab es in Ust-Anscha erst ab 1959.

Lydia Wassiljewna arbeitete als Rechnungsführerin auf der Farm für Milchprodukte. Später übte sie eine Tätigkeit als Krankenpflegerin in der Sanitäts- und Hebammen-Station. Sie musste auch für den Sanitäter einspringen, und jede beliebige Arbeit ging ihr gut von den Händen.

Wladimir Alexandrowitsch beendete 1960 die Fachschule für Mechanisierung der Landwirtschaft an der Bahnstation Soljanka im Rybinsker Bezirk, Region Krasnojarsk. Er erhielt die Qualifikation «Traktorist-Maschinist mit breitem Profil, Schlosser der 3. Stufe» (Abb. 24) [1, 2].


Abb. 24

Viele Jahre arbeitete er als Mechanisator; für seinen Fleiß, seine Aufgewecktheit und Rechtschaffenheit genoss er großes Vertrauen seitens der Dorfbewohner. 1978 wurde ihm das Abzeichen «Bestarbeiter des neunten Fünfjahreszeitraums» verliehen (Abb. 25). 1980 beendete er in Krasnojarsk Kurse zur Höherqualifizierung landwirtschaftlichen Personals im Programm «Vorarbeiter von Produktionsbrigaden (Abb. 26) und nahm bis zum vollständigen «Zerfall» der Kolchose in den 1990er Jahren den Posten des Brigadeleiters in der Kolchose «Sieg» ein. 1986 wurde er in die kommunistische Partei aufgenommen (Abb. 27). In seinen letzten Lebensjahren war er Deputierter des Nagornowsker Dorfrats.


Abb. 25


Abb. 26


Abb. 27

Selbstverständlich haben sie nicht nur gearbeitet, sondern sich auch mit Vergnügen erholt und ausgeruht. Großvater liebte das Angeln (Abb. 28), nur zu gut, dass unser Dorf an den Ufern zweier Flüsse – Kan und Anscha, woher auch der Name Ust-Anscha (Anscha-Mündung; Anm. d. Übers.) kommt - gelegen ist. Großmutter war aktive Teilnehmerin in Laienkunst-Gruppen – sie sang im Volks-Ensemble im dörflichen Kulturhaus (Abb. 29, 30,). Erholung fand sie in Kurorten, die sie mit Hilfe von Reisegutscheinen der Gewerkschaft besuchte (Abb. 32). Sie nahm auch an Blumenausstellungen teil (Abb. 31) [1, 2].


Abb. 28. Beim Angeln.


Abb 29. Auftritt als Mitglied eines Amateur-Ensembles


Abb. 30. Auftritt als Mitglied eines Amateur-Ensembles.


Abb. 31. Blumen-Ausstellung.


Abb. 32. Morschansk 1979

Großmutter bewahrt auch heute mit ihren fast 80 Jahren eine positive Einstellung zum Leben und einer aktiven Lebensposition.

Selbst eine 2019 überstandene Herz-Operation konnte ihren Lebenswillen nicht brechen: Großmutter arbeitet auch weiterhin, und ist anderen Menschen «nur so» behilflich, wie sie es immer war.

Kapitel IV. Die Nachfahren.

In der Familie von Wladimir Alexandrowitsch Und Lydia Wassiljewna Idt wurden vier Kinder geboren: 1962 – Àëåêñàíäð, 1965 – Ljubow, 1969 – Olga (Abb. 33) und 1976 mein Vater – Dmitrij. Alle Kinder leben im Bezirk, die Söhne sogar in ihrem Heimatdorf.


Abb. 33. Lydia Wassiljewna, Wladimir Alexandrowitsch
mit den Kindern Alexander, Ljubow und Olga, 1974

Alxander Wladimirowitsch Idt arbeitet, ebenso wie sein Vater, als Mechanisator. In seiner Ehe mit Swetlana Walentinowna Idt (Alimetkina) wurden die beiden Kinder Konstantin (Abb. 34) und Kristina geboren. Die Kinder leben in den Städten Krasnojarsk und Jurga, Gebiet Nowosibirsk; sie gründeten ihre eigenen Familien, beide haben Töchter.


Abb. 34. Lydia Wassiljewna mit ihrem ersten Enkel – Kostja.

Ljubow Wladimirowna Charitonowa (Idt) arbeitete jahrelang im Handel: als Expertin der Bezirks-Konsumgesellschaft, heute ist sie in Rente. Verheiratet, zwei Kinder.
Olga Wladimirowna Losnjakowa (Idt) blieb nach Abschluss der Mittelschule als Pionierführerin in der Acht-Klassen-Schule der Ortschaft Nagornoje; im Fernunterricht erhielt sie eine Ausbildung am pädagogischen Institut zur Lehrerin für Grundschulklassen. Bis zur Ankunft im Bezirkszentrum – der Ortschaft Aginskoje, war sie als Lehrerin tätig. Seit 2006 arbeitet sie als Leiterin der Bezirkseinrichtung für Fortbildung – dem Zentrum für Kinderkreativität. Aus ihrer Ehe mit Viktor Iwanowitsch Losnjakow gingen die beiden Töchter Darja und Anastasia hervor. In Darjas Familie gibt es eine Tochter, in Anastasias zwei (Abb. 36, 37).


Abb. 35. Nahe des Hauses der Heiratsvermittler. Vin links nach rechts: Heiratsvermittler Iwan Iwanowitsch Losnjakow,
Ljubow Wladimirowna, Schwiegersohn – Charitonow, Lydia Wassiljewna mit Enkelin Darja auf
 dem Arm, Wladimir Alexandrowitsch, Schwiegersohn – Viktor Iwanowitsch Losnjakow


Abb. 36. Lydia Wassiljewna mit ihren Töchtern Olga Wladimirowna
und Ljubow Wladimirowna


Abb. 37. Lydia Wassiljewna mit Tochter Olga, Schwiegersohn W.I. Losnjakow, den Enkelinnen Darja Viktorowna und Anastasia Viktorowna sowie Urenkelin Jana

Dmitrij Wladimirowitsch Idt – mein Vater (Abb. 38). Aus der Ehe mit meiner Mutter – Anastasia Andrejewna Idt (Pachomowa) gingen sechs Kinder hervor: Arina, Wladimir, Uljana, Dmitrij, Wassilina und Jekaterina.


Abb. 38. Dmitrij Wladimirowitsch mit Ehefrau Anastasia Andrejewna

Die Geschichte meines Vaters ist bemerkenswert, weil er Teilnehmer des ersten tschetschenischen Krieges von 1994-1996 war. 1994 wurde er 18 Jahre alt und zum Militärdienst in die Streitkräfte einberufen, was mit dem Beginn der Kriegshandlungen auf dem Territorium der Tschetschenischen Republik zusammenfiel. Als Teil der Pskowsker Luftlande-Division geriet er, wie viele andere seiner Altersgenossen, in den «Fleischwolf» des Krieges. Der Vater erinnert sich nicht gern an jene Zeit, und für uns ist es schwer, sich vorzustellen, welche Grausamkeiten er miterleben musste. Aus seinen spärlichen Erinnerungen ist lediglich bekannt, dass selbst die Versorgung der Kampftruppen mit Lebensmitteln nicht ausreichend war, die Soldaten hungerten. Mit Wärme erinnert er sich an seinen Kommandeur, der bemüht war, das junge Aufgebot an Soldaten zu beschützen und der sich ihnen gegenüber väterlich benahm. Es gab keinerlei Möglichkeiten, Briefe nach Hause zu schreiben, weil der Postdienst nicht in Betrieb war. Die Eltern waren vollkommen im Ungewissen über den Aufenthaltsort ihres Sohnes. Man kann sich nur schwer vorstellen, welche großen Sorgen sie sich gemacht haben. In völliger Ungewissheit begrüßte die Familie das Jahr 1995. In dem Jahr erlitte der Vater eine Verwundung am Bein und eine Quetschung. Über seinen Aufenthaltsort erfuhr die Familie erst, als sie aus dem Hospital in Pskow einen Anruf erhielten, wo der Vater nach der Verwundung behandelt wurde [1, 2].

Geschichtlicher Nachweis. Erster tschetschenischer Krieg 1994-96.

Ende der 1980-er Jahre wurde im Lande (UdSSR) die «Perestroika», verkündet, welche den Zusammenbruch des riesigen Landes und die Abtrennung der Unionsrepubliken nach sich zog.

Bereits gegen Ende 1990 wurde der Gesamtnationale Kongress des tschetschenischen Volkes einberufen. An seiner Spitze stand Dschochar Dudajew, General-Major der Sowjet-Armee. Ziel des Kongresses waren die Abspaltung aus der UdSSR und die Schaffung einer unabhängigen Tschetschenischen Republik. Nach und nach wurde dieser Beschluss umgesetzt.

Im September 1991 eroberten tschetschenische Separatisten den Fernsehsender, den Obersten Sowjet und das Radiofunkhaus. Faktisch fand ein Staatsstreich statt.

Die Macht ging in die Hände der Separatisten über, und bereits am 27. Oktober wurden in der Republik Parlaments- und Präsidentschaftswahlen abgehalten. Die gesamte Macht konzentrierte sich in Dudajews Händen.

Am 7. November wurde in der Tschetscheno-Inguschetischen Republik der Ausnahmezustand ausgerufen und auf diese Weise der Anlass für den Beginn eines blutigen Krieges geschaffen. Eine Verschärfung der Situation stellte auch die Tatsache dar, dass es in der Republik eine große Anzahl sowjetischer Waffen gab, die man nicht rechtzeitig hatte fortschaffen können.
Die Landesregierung hatte damals weder die Kraft noch den politischen Willen, irgendwelche effektiven Maßnahmen zu ergreifen, und so war Tschetschenien im Grunde genommen in dem Zeitraum von 1991 bis 1994 von Russland unabhängig. Es formierten sich dort eigene Machtorgane, eine eigene Staatssymbolik. 1994 wurde der Beschluss gefasst, eine verfassungsmäßige Ordnung in Tschetschenien einzuführen. Russische Truppen marschierten in sein Territorium ein, was den Auslöser für den Beginn eines ausgewachsenen Krieges bedeutete.
Im August 1996 wurde von beiden Konfliktparteien das Chassawjutorsker Abkommen unterzeichnet. Die föderalen Truppen waren gezwungen Tschetschenien zu verlassen. Doch der Republik-Status verzögerte sich bis zum 31. Dezember 2001. Alle Machtbefugnisse blieben auf diese Weise in den Händen der selbsternannten Republik Itschkeria.

Der Krieg hinterließe eine ruinierte Wirtschaft. Städte und Dörfer wurden nicht wiedererrichtet. In Folge des Krieges und der ethnischen Säuberungen verließen alle Vertreter anderer Nationalitäten Tschetschenien. [16].

Die Verluste bei den föderalen Streitkräften machten 5042 Tote, 690 Verschollene und 17 892 Verwundete aus. Laut Angaben des Komitees der Soldatenmütter wurden nicht weniger als 14 000 Mann getötet. Allerdings muss man bedenken, dass die Angaben des Komitees der Soldatenmütter auch die Verluste bei den Wehrpflichtigen beinhalteten, ohne Berücksichtigung der Verluste von unter Vertrag stehenden Kriegsdienst Leistenden und Kämpfern der Sondereinheiten.

Die Verluste auf tschetschenischer Seite sind genauso groß – unter den Kämpfern, wie unter der friedlichen Bevölkerung. [17].

Per Dekret des Präsidenten der Russischen Föderation vom 15.06.1995 bekam mein Vater für seine Selbstlosigkeit, seinen Mut und seine kühnen und entschiedenen Handlungen bei der Ausführung der Kriegspflichten den Tapferkeitsorden verliehen (Abb. 39). Folgendes stand zu dieser Tatsache in der Bezirkszeitung «Prisajan» vom 24. Oktober 1995: «Kürzlich überreichte der Militärkommissar des Bezirks - W.A. Metjelkin – Dmitrij Idt den «Tapkerkeitsorden» für seine Kriegshandlungen in Tschetschenien. Die Auszeichnung traf mehrere Monate nach der «Ausführung der Sonderaufgabe» im Bezirk ein (Abb. 40).


Abb. 39. Tapferkeitsorden mit Berechtigung für Vergünstigungen, ausgestellt auf D.W. Idt


Abb. 40.

Ruhig, ohne Emotionen und Freudenausbrüche, lag der Orden auf der Brust des jungen Kämpfers. Welche Gefühle empfand der Geehrte in diesem Augenblick? «Es ist angenehm, die Auszeichnung erhalten zu haben» - sagt er, - aber es war dort nicht schön…»

Nach sechs Monaten Militärdienst in Pskow kam Dmitrij nach Tschetschenien. Anfangs waren es die jungenhafte Neugier und das Interesse, mit eigenen Augen den Krieg zu sehen. Aber als er dann in die eigentliche Kampfzone geriet, verschwand die jugendliche Romantik. Vor seinen Augen fielen und litten seine jungen Freunde. Er kam zu einer nüchternen Erkenntnis dessen, was geschah.

Dmitrij selbst wurde ebenfalls verwundet. Noch ist der Organismus jung und die Verwundung macht sich nicht besonders stark bemerkbar. Aber seit März dieses Jahres hat Dmitrij bereits zweimal im Krankenhaus gelegen und kann nun seinen Dienst in der ehemaligen Militäreinheit nicht weiter versehen.

Dmitrij Idt ist nicht der einzige Soldat, der in Tschetschenien eine Verwundung erlitt. Nicht nur die körperlichen Wunden sind schlimm, sondern auch die seelischen, durch die die Soldaten lange Zeit nicht wieder zu sich kommen können und in einen Zustand der Gleichgültigkeit und Abgestumpftheit verfallen. «Ich wünsche mir nicht, dass einer der Jungs einmal dorthin gerät», - sagt Dmitrij nach Erhalt der Auszeichnung.

Die Kriegshandlungen in Tschetschenien rufen bei vielen Russen Protest hervor, besonders bei den Müttern, die nur zu gut wissen, dass Kinder zu dem Zweck geboren werden, dass sie leben und sich an ihrer Umgebung erfreuen. Doch es sind völlig andere Gefühle, welche diese Welt beherrschen. Das Leben ihrer Söhne besorgt die Politiker, die keine Sentimentalität zeigen und auf ihre Weise Politik auf Kosten zahlreicher Leben der jungen Generation machen, nicht.

Wenn wieder einmal ein Soldat wegen seiner Teilnahme an Kriegshandlungen geehrt wird, dann wissen die Mütter, deren Söhne ihren Militärdienst leisten oder bereits beendet haben, wie viele Tränen vergossen wurden, wie viel Leid die Seele ertragen musste. Sie denken, dass es besser wäre, wenn ihre Kinder gesund und unversehrt wären und das Wort «Krieg» niemals gehört hätten» [19].

Notizen über meinen Vater erschienen mehrfach auf den Zeitungsseiten (Abb. 41). In dem Buch der Doktorin der Geschichtswissenschaften und Professorin M.D. Sewerjanowa «Das Sajan-Gebiet am Kreuzweg der Epochen: Menschen, Ereignisse, Fakten», das 2015 in einer Auflage von 500 Exemplaren herauskam, gibt es Zeilen über meinen Vater [6].


Abb. 41.

Im Familien-Archiv fanden sich Fotos, auf denen der Vater bei einem Treffen im Bezirkszentrum eine Rede hält (Abb. 42).


Abb. 42

Mein Vater schätzt, wie kaum ein anderer, das friedliche Leben. Er hängt an seiner Familie. Und außerdem liebt er die Natur: den Wald, den Fluss, er angelt und jagt gern, sammelt Beeren und Pilze. In allem unterstützen meine Mutter und wir, seine Kinder, ihn.

Wenn man die Bilanz zieht, muss man sagen, dass meine Großeltern bereits jetzt eine zahlreiche Nachkommenschaft haben: vier Kinder, zwölf Enkel und sechs Urenkelkinder, genauer gesagt – Urenkelinnen, denn Jungs gibt es in der Urenkelgeneration bislang noch nicht (Abb. 43).


Abb. 43. Schwester, Kinder und Enkelkinder sind bei Lydia Wassiljewna zu Besuch

SCHLUSSBEMERKUNG

In der vorliegenden Arbeit wurde der Stammbaum meiner Großmutter Lydia Wassiljewna Idt und damit auch mein Stammbaum väterlicherseits betrachtet. Archivmaterial tauchte mich in die historischen Geschehnisse meines Landes ein, die meine Vorfahren miterleben mussten. Die rauen Ereignisse der Umsiedlung, Kollektivierung, Enteignung, Deportation und des Krieges spiegelten sich in den Schicksalen meiner Familie wider. Diese Geschehnisse haben meine Vorfahren jedoch nicht zerbrechen können, sondern haben sie vielmehr milder, aber auch stärker gemacht. Ich bin stolz auf meine Angehörigen, meine Familie. Oma wiederholt gern den Satz: «Mein Land – ich bereue die Kraft nicht, die ich dafür gegeben habe!» Die Schicksalsherausforderungen und Erfahrungen, die sie zusammen mit dem ganzen Land durchmachte, haben für sie nie den Anlass bedeutet, ihre Heimat nicht mehr zu lieben.

In den Versen des örtlichen Dichters Iwan Jakowlewitsch Kiritschenko «Festtag der kleinen Dörfer» gibt es Zeilen, die meiner Großmutter gewidmet sind:

Wunderte sich Oma Lida –
Sie bietet eine „Mumie“ an…
Gießt in den Krug aus einer Flasche
Von ihr selbst gemachtes Bier.
Ich nahm auch für ein Treffen mit meinem Freund,
Zwei Krüge jeder tranken wir,
Im Kopfe sich alles drehte rund,
Wir aßen Fischlein dazu [18].

Diese Zeilen spiegeln in einem gewissen Maße den Charakter meiner Großmutter wider: ihre Einstellung zum Leben, zu den Menschen, ihre Reserven an Energie und positiver Stimmungslage. Iwan Jakowlewitsch ist gut mit unserer Familie bekannt, weil er nicht nur aus unserem Dorf gebürtig, sondern zufällig auch ein Vetter meiner Großmutter ist.

Ihr Geschlecht, ihre Familie setzt sich fort und wird größer. Ich bin stolz, dass ich Teil dieser großen und einträchtig miteinander lebenden Familie sein darf.

Für die Hilfe beim Sammeln von Erinnerungen und Archiv-Materialien danke ich meiner Oma Lydia Wassiljewna Idt und den Schwestern meines Vaters – Ljubow Waldimirowna Charitonowa und Olga Wladimirowna Losnjakowa.

Informationsquellen

1. Erinnerungen von L.W. Idt, L.W. Charitonowa, O.W. Losnjakowa
2. Archiv-Dokumente der Familie Idt
3. Archiv-Dokumente des Archivs der Verwaltung des Sajan-Bezirks
4. Buch der Erinnerung an die Opfer der politischen Repressionen der Region Krasnojarsk, Band 12, Krasnojarsk: PIK «Offset», 2014 – 512 S.
5. Buch der Erinnerung der Region Krasnojarsk, Band 6, Krasnojarsk: PIK «Offset», 1996. M.D. Sewerjanow. Das Sajan-Gebiet am Scheideweg der Epochen: Menschen, Ereignisse, Fakten: Monografie. — Krasnojarsk: SFU, 2015. — 417 S.
7. S. Smetanina, Mehr als drei Millionen Bauern zogen um nach Sibirien und in den Fernen Osten, Portal «Russisches Jahrhundert», 2015//http://www.ruvek.info/?module=articles&action=view&id=9927
8. Umsiedlung nach Sibirien, Genealogisches Forum WGD, 2015//https://forum.vgd.ru/942/63735/0.htm
9. Umsiedlung, Material aus Wikipedia — freie Enzyklopädie, 15. Juli 2017//https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%9F%D0%B5%D1%80%D0%B5%D1%81%D0%B5%D0%BB%D0%B5%D0%BD%D1%87%D0%B5%D1%81%D1%82%D0%B2%D0%BE
10.S. A. Walikow. Geschichte des Sajan-Bezirks // http://cbs-sayan.krn.muzkult.ru/ist_raiona 11. Kollektivierung in der UdSSR, Material aus Wikipedia — freie Enzyklopädie, 6. Januar 2020,//https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%9A%D0%BE%D0%BB%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%82%D0%B8%D0%B2%D0%B8%D0%B7%D0%B0%D1%86%D0%B8%D1%8F_%D0%B2_%D0%A1%D0%A1%D0%A1%D0%A0
12. W. N. Krascheninnikow, Auszusiedeln in den Norden // http://xn----7sbbimrdkb3alvdfgd8eufwc.xn--p1ai/articles/stati_arhivistov/127
13. Wie überlebten die enteigneten Bauern in der Verbannung? Kulturologie.rf, 26.01.2018// https://kulturologia.ru/blogs/260118/37597
14. Keschemsker Bezirk, Region Krasnojarsk, Historischer Nachweis//http://www.kezhemskiy.ru/history/index.html
15. Die Deportation der Deutschen in der UdSSR. Material aus Wikipedia — freie Enzyklopädie, 25. September 2019 // https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%94%D0%B5%D0%BF%D0%BE%D1%80%D1%82%D0%B0%D1%86%D0%B8%D1%8F_%D0%BD%D0%B5%D0%BC%D1%86%D0%B5%D0%B2_%D0%B2_%D0%A1%D0%A1%D0%A1%D0%A0


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