Die Lebensgeschichte meiner Großmutter – Mütterchen Makaria (Erna Miller)

Kommunale staatliche Einrichtung für erweiterte Bildung

Turuchansker Bezirkszentrum der Kinder-Kreativität «Storch»

Forschungsarbeit

Autor: Artjom Stanislawowitsch Ignatow
14 Jahre

Abteilung: «Heimatkunde»

Wissenschaftliche Leitung:
Pädagogin der höher qualifizierten Kategorie
Swetlana Sergejewna Subowa

Turuchansk
2018

Inhalt

1. Einführung.
2. Die Geschichte meiner Großmutter - Mütterchen Makaria (Erna Miller).
2.1. Familie. Kinderjahre.
2.2. Der Beginn der Deportation.
2.3. Neue Aussiedlung.
2.4. Der Weg ins Kloster.
3. Schlussbemerkung.
4. Literatur- und Quellenangaben.
5. Anhänge.

1. Einführung

Unter meinen nächsten Verwandten gibt es eine ungewöhnliche Person. Meine Großmutter väterlicherseits – eine Klosterfrau. Ihr kirchlicher Name – Mütterchen Makaria. In Turuchansk befindet sich das Dreifaltigkeitskloster für Männer, und ihm angeschlossen ist die Heilige Mariinsker Schwesternschaft. Mütterchen Makaria gehört auch dazu.

Mütterchen Makaria – ist die Halbschwester meiner Oma Auguste, der Mutter meines Vazers. Meine Großmütter haben – «eine Mutter, aber verschiedene Väter» (B.J. Andjusew, Sibirische Heimatkunde. – Krasnojarsk: 2006. - S. 110). Richtig genommen bin ich nicht der Enkel, sondern der Großneffe von Oma Erna. Ihr voller Name – Erstina (Ernestine?) Jakowlewna Miller.

Oma Erna ist 77 Jahre alt. Sie ist von kleiner Statur, in klösterlicher Kleidung, mit einem Mobiltelefon in der Tasche. Sie hat Schmerzen in den Beinen, deswegen trägt sie sogar im Haus Filzstiefel und geht nur mit Hilfe eines Stocks. Ihre Stimme ist leise, doch die Oma hört schlecht und fragt während einer Unterhaltung immer wieder nach. Leider besitzt sie keinerlei Fotos aus ihrem Leben vor der Weihe zur Klosterfrau – sie befinden sich in den Familien ihrer Kinder. Und über sich selbst spricht die Oma nicht gern.

Objekt der Forschung – die Lebensgeschichte meiner Oma Erna.

Gegenstand der Forschung – Gründe für ihren Gang ins Kloster.

Ziel Meiner Arbeit: Erforschung der Biografie meiner Großmutter als Teil des Stammbaums meiner Familie.

Aufgabenstellungen: 1. Beschreibung, wie die historischen Ereignisse sich auf die Biografie meiner Großmutter auswirkten. 2. Klärung der Lebensumstände, die dazu führten, dass meine Großmutter ins Kloster ging.

Hypothese: der Gang ins Kloster war keine Folge irgendeines persönlichen Dramas, sondern die Suche nach ihrem Lebensweg.

Quellen der Forschungsarbeit: Berichte meiner Verwandten, dokumentarische Literatur. Bei der Arbeit mit den Quellen begriff ich, dass der Bericht über Oma Erna nicht von der Erzählung über das schwierige Leben ihrer Mutter – Alwine Andrejewna Tschalina (Getz; Götz?) getrennt werden kann.

2. Die Lebensgeschichte meiner Großmutter – Mütterchen Makaria (Erna Miller)

2.1. Familie. Kinderjahre

Geboren wurde Großmutter Erna am 26. Juni 1940. Ihre Eltern – Alwina Andrejewna Getz (geboren 1919) und Jakob Genrichowitsch Miller (geboren 1916). Die Ehe wurde nicht registriert, daher trugen Ernas Eltern unterschiedliche Nachnamen, aber die Kinder – Erna und ihre Schwester Frieda, die bereits in der Verbannung zur Welt kam, – wurden mit dem Familiennamen des Vaters eingetragen und hießen somit - Miller.

Alwina Andrejewnas Eltern starben während einer Hungersnot um 1921. Das ereignete sich in der Ortschaft Gerzog (Herzog), Kanton Dmitrijewka (dem heutigen Gebiet Saratow). Nach dem Tod der Eltern lebte Alwine Andrejewna einige Zeit im Kinderheim. Man brachte sie aufs Feld zur Gemüseernte. Die Kinder hungerten, waren halb nackt und aufgebläht, sonnten sich in den Heuhaufen und aßen Steckrüben. Davon bekamen sehr schlimme Bauchschmerzen. Lesen und schreiben lernte sie nicht, sie blieb Analphabetin.

Alwina Andrejewnas Tochter aus zweiter Ehe – Augusta Kirillowna Tschalkina, die im Gebiet Wolgograd lebte, - begab sich an den Geburtsort der Mutter (eine Kopie der Geburtsurkunde – s. Anhang 1, Blatt 2). Sie schickte eine Fotografie der Ortschaft Herzog: so wie sie einst aussah und die Ruinen der Siedlung (der Name wurde mehrfach in Susly geändert – Aut. (http://wolgakirche.ucoz.ru/forum/7-14-1)). Das kann man in Anhang 1 zusammen mit einer Karte des Kantons anschauen.

Von den älteren Verwandten konnte Oma Erna nur die Eltern des Vaters nennen – Großvater Christophor, Großmutter Jekaterina (Gofman; Hoffmann) und die Schwester des Vaters - Emma Andrejewna Gofman (Hofman). Aber Alwine Andrejewnas Sohn aus zweiter Ehe – Viktor Kirillowitsch Tschalkin – sagt, dass Alwine Andrejewna noch eine leibliche Schwester – Amalie Andrejewna Getz (Götz) hatte, die 1909 geboren wurde. Sie alle sind der Nationalität nach – Sowjet-Deutsche. Sie lebten im Kanton Gmelin, ASSR der Wolgadeutschen (Republik der Wolgadeutschen) in einer Sowchose mit der merkwürdigen Bezeichnung «98».

Die deutschen Kolonien an der Unteren Wolga entstanden 1764. Die Anwerbung von Deutschen und anderen Ausländern nach Russland wurde durch Bedürfnisse des Staates ausgelöst – der Notwendigkeit, die damaligen Randgebiete zu erschließen und an die Zarenkrone zu binden. Die Kolonisten beteiligten sich aktiv am Kampf um die Sowjetmacht. 1918 formierte sich das Erste Kommunistische Jekaterinenstädter Regiment, welches gegen die deutschen Besatzer in der Ukraine kämpfte. 1919 begann das Erste Deutsche Kavallerie-Regiment innerhalb der Reiterarmee Budjonnys seinen kriegerischen Weg – es führte Krieg gegen Wrangel, Machno und die Weißpolen. Zahlreiche Kolonisten kämpften in der berühmten Tschapajew-Division sowie gegen die Basmatschen in Mittel-Asien (G. Wormsbecher. Die Sowjetdeutschen und ihre Literatur. //Das Elternhaus. -Moskau:1989. - S. 5). 1924 wurde die Autonime Republik der Wolgadeutschen mit der Hauptstadt Engels (dem ehemaligen Pokrowsk) gegründet.

Am 28. August 1941 unterzeichnete das Oberhaupt des Sowjetstaates M. Kalinin den Erlass über die Abschaffung der Republik der Wolgadeutschen. Doch der Erlass wurde auch auf alle anderen Sowjetdeutschen ausgeweitet. Es wurde befohlen sie nach Sibirien und Mittel-Asien auszusiedeln. In dem Erlass heißt es: «Nach glaubhaften, von den Militärbehörden erhaltenen Angaben, gibt es innerhalb der in den Wolgagebieten lebenden deutschen Bevölkerung tausende und abertausende Diversanten und Spione, die, auf ein entsprechendes Signal aus Deutschland hin, in den von Wolgadeutschen besiedelten Regionen Sprengstoffanschläge verüben sollen.

Über das Vorhandensein einer derart großen Menge von Diversanten und Spionen unter den Deutschen, die in den Gebieten entlang der Wolga leben, war der Sowjetmacht bislang nichts bekannt. Infolgedessen muss man davon ausgehen, dass die deutsche Bevölkerung an der Wolga in ihrer Mitte Feinde des sowjetischen Volkes und der Sowjetmacht versteckt hält».

Die Haltlosigkeit der Beschuldigungen gegen die Sowjetdeutschen wird dokumentarisch bekräftigt: «Unter den veröffentlichten deutschen Archiv-Dokumenten findet sich kein einziges, welches den Schluss zuließe, dass zwischen dem Dritten Reich und den am Dnjepr, am Schwarzen Meer, am Don und an der Wolga lebenden Deutschen irgendwelche verschwörerischen Verbindungen existiert hätten» (Louis de Jong. Die deutsche «fünfte Kolonne» im zweiten Weltkrieg. /Übers. a. d. Deut.- Moskau:1958. - S. 358.).

Jedoch waren 1941 alle Sowjetdeutschen «aus politischen Motiven und aufgrund ihrer Nationalität der administrativen Aussiedlung ausgesetzt» - nach Sibirien und Mittel-Asien. So steht es in der «Rehabilitationsbescheinigung» (Anhang 2, Blatt 1).

Oma Ernas Vater – Jakob Genrichowitsch – war Lehrer. Und Schule und Wohnung befanden sich in demselben Haus. Das Mädchen hatte kaum Laufen gelernt, da störte sie auch schon die Arbeit des Vaters. «Ich öffnete alle Türen im Haus und betrat einfach den Klassenraum; der Vater war entrüstet, aber die Schüler freuten sich».

Oma Erna erinnert sich an einen Bericht der Mutter, dass eine Zigeunerin ihr vor dem Ausbruch des Krieges weissagte. «Mama interessierte sich für Wahrsagerei. Und die Zigeunerin sagte ihr: «Man wird euch von hier aussiedeln, deinen Mann werden sie festnehmen und du wirst ihn nie mehr wiedersehen». Darauf meinte der Vater: «Höre, was die Zigeunerin dir sagt».

2.2. Der Beginn der Deportation

Bereits in früher Kindheit war die Großmutter mit ihrer Familie Repressalien ausgesetzt (Anhang 2, Blatt 2). «Der Krieg begann. Vater war damit beschäftigt Schulhefte durchzusehen, als die Meldung vom Kriegsausbruch kam». Ende August 1941 kamen zwei Milizangehörige zu uns und sagten: «Packt eure Sachen, aber nehmt nicht so viel mit, ihr kommt wieder zurück». Im Haus hatte man gerade mit Reparaturarbeiten begonnen, die Fußböden waren frisch gestrichen und noch nicht durchgetrocknet.

Sie packten in der Nacht, und am Morgen kam eine Militäreinheit. Alle Deutschen wurden in Waggons verladen. Es blieben nur diejenigen zurück, die einen russischen Ehemann hatten. Ernas Eltern wohnten mit den Eltern von Jakob Genrichowitsch zusammen, zusammen wurden sie auch in die Sonderansiedlung geschickt. Zuerst fuhren sie auf der Wolga, dann ging es zur Eisenbahn. In Krasnojarsk verteilte man sie nach Abakan im Krasnoturansker Bezirk, in die Ortschaft Balyk. Jakob Genrichowitsch arbeitete als Verkäufer, während Alwine Andrejewna sich auf der Farm um die Ferkel kümmerte. Für hervorragende Arbeit bekam sie als Prämie ein Schweinchen. «Wir hatten ein gutes Leben, niemand kränkte uns».

Am 10. Januar 1942 verabschiedete das Staatliche Verteidigungskomitee (GKO) die Anordnung «Über den Arbeitseinsatz der deutschen Umsiedler im Einberufungsalter zwischen 17 und 50 Jahren» (R. Kowalenko. Die deutsche Zone. // 2005. – 30. Oktober. - ¹59.- S. 8.). Gemäß dieser Verordnung wurden alle Deutschen für die gesamte Dauer des Krieges in die Arbeitsarmee mobilisiert, d.h. in Lager des GULAG. Kontakte zu ihnen waren schon sehr bald unterbrochen.

«Erneut ein Befehl. Sie holten einen in die Arbeitsarmee. Und bis heute wissen wir nicht, wo unser Vater umgekommen ist. Wir wissen lediglich, dass er bei der Holzbeschaffung für den Bau von Eisenbahnlinien arbeitete. Einige kehrten aus der Arbeitsarmee zurück, aber es waren nur sehr wenige. Eine von ihnen kam nach Kostino zurück, voller Wunden, und er berichtete, dass er Schwerstarbeit leisten musste, sie schlecht verpflegt worden wären. Manche holten sie fort. Danach hörte man nie wieder von ihnen, nichts», - so berichtet Oma Erna.

Aber die Dokumentar-Quelle «Die Deutschen – Angehörige der Arbeitsarmee, die im UgolLag des NKWD / MWD der UdSSR ums Leben kamen (Zeitraum 1942-1947)» gibt nähere Einzelheiten über das tragische Schicksal des Jakob Genrichowitsch. Er wurde 1916 in der Ortschaft Kano, Kanton Gmelin, ASSR der Wolgadeutschen geboren. Am 22. Juni 1942 traf er aus dem WjatLag im UssolLag «Timschir» ein. Er starb am 19. Juli 1944.

2.3. Neue Aussiedlung

«Sie schickten uns ins Dorf Kostino im Turuchansker Bezirk, Region Krasnojarsk. Ein Schiff voll mit Umsiedlern. Oma, Opa und das Tantchen hätten in Balyk bleiben dürfen, doch wegen der Mutter fuhren sie mit uns. Mama erwartete ein Kind. Das Schiff näherte sich dem Ufer, Oma nahm mich bei der Hand, ich weinte. Eine ortsansässige Frau nahm uns für die Nacht bei sich auf».

So geriet die Familie im September 1942 nach Kostino. Hier wurden die Leute so gut wie möglich auf Wohnungen verteilt, die übrigen ließen sich in den Badehäusern nieder. Alwine Andrejewna lebte zuerst in einem Badehaus am Ufer. Der Großvater war an Epilepsie erkrankt. Einmal hatte er einen heftigen Anfall, der Alwine Andrejewna derart erschreckte, dass es sich auf die Gesundheit ihrer gerade geborenen Tochter auswirkte. Frieda war äußerst schwächlich und ebenfalls an Epilepsie erkrankt.

Nach diesem Zwischenfall brachte man Alwine Andrejewna in der Wohnung von Tamara Tschalkina unter.

Alle umgesiedelten Menschen standen unter der Vormundschaft des MWD. Sie sollten für immer an ihren neuen Aufenthaltsorten bleiben. Das wurde auch auf die Kinder ausgeweitet. Nachdem sie volljährig geworden waren, waren sie, anstatt einen Ausweis zu erhalten, der Sonderansiedlung unterworfen und erhielten Bescheinigungen, wie die Erwachsenen auch: «Der Sondersiedler Sowieso befindet sich unter der öffentlichen Aufsicht des MWD und besitzt lediglich das Recht sich an dem und dem Ort aufzuhalten». In der Kommandantur des NKWD war vermerkt, dass sie in der Kolchose, Sowchose oder einem Industrieunternehmen registriert waren. Den Erwachsenen wurde sofort der Ausweis abgenommen; so handelte das NKWD, damit es nur keine Spuren hinterließ.

«Sie schickten Oma, Opa und Tantchen zum Arbeiten nach Staroturuchansk in die Businsker Sowchose (so war sie nach dem Namen der Vorsitzenden Busina benannt – Aut.)». Dort starb Oma Erna 1945 oder 1946.

Alwine Andrejewna und ihre Kinder führten ein Hungerdasein. Meine Großmutter Auguste Kirillowna erzählt: «Mama leitete das Gemüselager in Kostino, gab den Freundinnen die Schalen und Abfälle der Kartoffeln. Sie rettete sie vor dem Hungertod. Um sich und ihre Kinder vor dem Tod durch Hunger zu bewahren, heiratete sie einen ortsansässigen Witwer, der zahlreiche Kinder hatte und dreiundzwanzig Jahre älter als sie war. In dieser Ehe wurden wir geboren: Viktor, Irma, Sergej, ich und Alexander». Im Anhang 3 – Alwine Andrejewna mit ihrem Mann und Alwine Andrejewna mit ihren Kindern. K.D. Tschalkin wurde 1896 geboren.

Oma Erna sagt: «Mama musste in Kostino heiraten. Sie ging die Ehe mit dem Witwer Kirill Denissowitsch Tschalkin ein. Er hatte fünf oder sechs eigene Kinder, und wir zwei – ich und meine Schwester. Sein ältester Sohn war in der Armee. Und Schwester Frieda starb, als sie 2-3 Jahre alt war».

Kirill Denissowitsch war nach dem Tod seiner Frau mit sechs Kindern zurückgeblieben: Wenja, Polina, Valentin Wolodja, Sascha, Ljowa. Der jüngste – Ljowa – war 8 Monate alt, ein wenig älter als Wolodja und Sascha. Sascha starb später im Alter von 3 Jahren.

«Insgesamt hatte Mama zusammen mit den angenommenen älteren Kindern und den beiden Verstorbenen Sascha und Frieda 13 Kinder». Es war schwierig, eine so große Familie durchzufüttern. Die Ration reichte nicht. Alwine Andrejewna stand um 4 Uhr morgens auf. Sie ging immer mit irgendjemandem zum Fische fangen.

Viktor Kirillowitsch sagt: «Natürlich hat Mama nicht aus Liebe geheiratet. Wir beide mussten überleben. Der Vater ging an zwei Krücken, während der Jagd waren ihm die Beine kalt geworden. Mama nahm sich des kleinen Ljowa an. Man erlaubte ihnen nicht, die Ehe registrieren zu lassen, deswegen trugen Irma und ich den Nachnamen Getz. Die Ehe rechtmäßig registrieren erlaubten sie nicht, aber die Adoption von Ljowa war erlaubt. Nach Stalins Tod durften sie die Ehe eintragen lassen, und der Vater kümmerte sich um die Söhne und Töchter. Tschalkin wurde ihr gemeinsamer Ehename. Die Registrierung der Eltern wurde 1954 vorgenommen».

Die Ortsansässigen verhielten sich gegenüber den Umsiedlern in unterschiedlicher Weise. Es kam vor, dass sie als Faschisten beschimpft wurden. Oma Erna sagt, dass ihre Mutter im Kontor ein Tintenfass an die Wand warf, als sie so nach ihr riefen. Danach tat es niemand mehr. «In der Schule hänselten sie uns, aber wir blieben ihnen nichts schuldig», - meinte Viktor Kirillowitsch.

Allerdings ließen sich nicht alle Probleme so leicht lösen. Viktor Kirillowitsch erzählte, dass der Bevollmächtigte des NKWD mit Nachnamen Truchin die Sondersiedler unter seiner Aufsicht hatte. Er sagte: «Die Deutschen sind alle Faschisten». Er verspottete die Sondersiedler. «Nachdem die Männer aus dem Krieg zurückgekommen waren, verhielten die Leute sich ihnen gegenüber gut. Die Frontsoldaten ergriffen Truchin, wickelten ihn in eine Decke ein, damit er nichts sehen konnte, und verprügelten ihn. Er bat danach um Versetzung an einen anderen Ort, was auch sofort veranlasst wurde». Oma Erna wusste davon nichts, deswegen hat sie davon auch nichts erzählt.

Ernas Kindheit verlief mit Arbeit: «Sich herumtreiben und Unfug machen war nicht. Das Heu stellten wir selbst auf. Wir verdünnten Teer mit Öl und rieben uns damit gegen die Mücken ein. Morgens um fünf standen wir auf. Der Tagesablauf sah so aus: wir überprüften die Fallen, dann ging es zur Heumahd und wieder zurück zu den Fallen. Auch im Frühjahr arbeiteten wir während der gesamten Ferien: wir sägten Brennholz. Im Winter auf Schlitten, Hunde zogen das Holz. Wasser trugen wir mit dem Joch vom Flussufer herauf».

Nach Stalins Tod erhielt Alwine Andrejewna einen Aufruf, dass sie nun in die Heimat zurückkehren könne. Aber Kirill Denissowitsch verbrannte alle Dokumente, und so blieb Alwine Andrejewna mit ihrer großen Familie in Kostino.

In Kostino beendete Erna die 7-Klassen-Schule. Anschließend war sie ein Jahr lang Kindermädchen in Turuchansk. Sie erinnert sich, dass das keine leichte Tätigkeit war. Sie war 14 Jahre alt. Aus dem ersten Haus, in dem sie Arbeit als Kindermädchen gefunden hatte, lief sie nach einem Tag fort. Danach kam sie in einen Haushalt mit Wissenschaftlern, die in einem zweistöckigen Haus am Stadtrand von Turuchansk wohnten (dieses Haus in der Spandarjan-Straße steht heute verlassen dort – Aut.). In der Wohnung befand sich ein Laboratorium, und Erna wurde in einem kleinen Häuschen im Hof untergebracht. Sie passte nicht nur auf die Kinder auf, sondern kochte auch das Essen und machte sauber. «Aber was konnte ich schon kochen? Ich wusste doch gar nicht, wie das geht». In dieser Zeit absolvierte sie auch noch die 8. Klasse an der Abendschule.

Anschließend wohnte Erna mehrere Jahre bei ihrer Tante, erst in Staroturuchansk, dann in Minussinsk, als die Tante umzog. In Minussinsk beendete sie die 9. Klasse und arbeitete dann als Technikerin. Sie führten ein sehr ärmliches Dasein. Ihr Lohn betrug 27 Rubel.

Erna lebte drei Jahre mit der Tante zusammen, dann heiratete sie. Mit ihrem Ehemann David zog sie nach Kostino, später ließ sie sich für eine Expedition in die Siedlung Djawolskoje anwerben. Allerdings war die Forschungsreise bald beendet.

In den siebziger Jahren lebten sie in der Siedlung Borez, 12 km von Minussinsk entfernt. Dort gab es eine reiche Getreide-Sowchose. Hier war sie mit ihrem Mann David gut versorgt. Die Oma war bei unterschiedlichen Arbeiten beschäftigt (auf der Darre, beim Getreide).

Großmutter bekam zwei Kinder – Tochter Ljuba und Sohn Serjoscha. Ihr Mann starb plötzlich und unerwartet im Alter von 39 Jahren. Nach dessen Tod zog sie zu ihrer Tochter in die Siedlung Schira.

Nach Turuchansk kam die Großmutter mehrmals. Am 23. Juli 1967 starb Kirill Denissowitsch. 1969 kam Alwine Andrejewna mit den beiden jüngsten Kindern, die in zweiter Ehe geboren waren, nach Turuchansk. Sie kauften ein kleines Häuschen in der Weinbaum-Straße am hohen Ufer der Nischnaja Tunguska. In Anhang 4 sieht man Alwine Andrejewna mit Sohn Viktor und Tochter Auguste in Turuchansk.

Das erste Mal kam die Großmutter dorthin, nachdem sie die Mitteilung über Alwine Andrejewnas Erkrankung erhalten hatte. «Mama war gelähmt, aber nur leicht. Ich dachte: ich werde mit Mama zusammenwohnen, ein Jahr dortbleiben». Die Großmutter nahm eine Tätigkeit als Technikerin an der Schule in Seliwanicha (einem Dorf 12 km von Turuchansk entfernt - Aut.) auf. Hier heiratete sie ein zweites Mal und lebte fünf Jahre in dieser Ehegemeinschaft. Erneut begab sie sich nach Schira, später kehrte sie wieder zurück. Bei ihrer letzten Ankunft in Turuchansk sagte die Mutter zu ihr: «Warum willst du wieder weg? Bleib doch hier!». Und die Oma blieb.

Sie beteiligte sich am Wiederaufbau der Kirche und besuchte sie oft. Später ließ sie sich die Haare scheren und wurde Klosterfrau Makaria.

2.4. Der Weg ins Kloster

Die Großmutter erklärt es mit einer göttlichen Vorsehung, wie sich ihr Leben fügte. Sie verdeutlichte das mit folgenden Beispielen.

Oma Erna lebte mehr als 30 Jahre auf dem Festland (so bezeichnet man im hohen Norden jene Gebiete, die sich nicht im Norden befinden – Aut.). «Manchmal wollte ich nicht im Norden leben, denn er war beschwerlich und bedrückend für mich. Der lange, kalte Winter, der eintönige Regen im Herbst. Aber Gott hatte es so für mich eingerichtet: das, was ich nicht wollte, - das musste ich erst recht erfahren». Ab den 1990er Jahren lebte sie wieder im Norden, in Turuchansk.

Einmal, als sie noch verheiratet war, sagte sie: «Wenn ich doch wenigstens krank würde, dann könnte ich mich ein wenig ausruhen». «Und der Herrgott gab mir diese Erholung für zehn Jahre».

«Ich mochte nie gern kochen. Aber Gott hat es so eingerichtet, dass ich jetzt im Kloster das Essen zubereite». Die Großmutter kocht nicht nur, sondern macht auch in dem Haus, in dem sich die Zellen befinden, sauber; überall herrscht eine unglaubliche Sauberkeit. Sie meint, dass dies ein Leben in Gehorsam ist, das mit Herausforderungen einhergeht.

In der Literatur gibt es einen Standpunkt, der besagt, dass man in ein Koster eintritt, nachdem man ein persönliches Drama erlebt hat. Bei Oma Erna war das alles nicht so. Es war vielmehr die Suche nach ihrem Weg ins Leben. Dieser Weg lässt sich in mehrere Etappen unterteilen.

Erstens wuchs sie in einer Familie auf, in der von Gott gesprochen wurde. Schon in ihrer Kindheit zog es sie zu irgendetwas Göttlichem hin. «Ich erinnere mich, dass, als ich noch ganz klein war, Kirill, den die Mama geheiratet hatte, keinerlei Angst davor zeigte, seinen Glauben zu zeigen, selbst in der damaligen Zeit nicht» (es geschah in K.D. Tschalkins Haus, dass man Weihbischof Luka ein Nachtlager gewährte, als dieser 1925 aus der Verbannung zurückkehrte – Aut.). Die Ikonen standen offen da. «Es gab eine große Ikone des Erlösers, an den Rändern die vier Evangelisten (Markus, Matthäus, Lukas und Johannes). Die Ikone war etwa einen Meter groß und stand in einem gläsernen Schrein. Kirill entzündete das Altarlämpchen und betete. Es gab eine kleine Ikone des Wassilij Mangaseiskij, die ihn in einem grünlichen Gewand darstellt. Das war, als er noch nicht als Heiliger gerühmt wurde. Es gab auch eine Ikone Georgs des Siegreichen, der den Drachen bezwungen hatte. Des Weiteren gab es eine Darstellung des Twersker Fürsten Michail und des Bojaren Fjodor, die einen qualvollen Tod in der Horde erlitten. Später blieben die Ikonen im Haus, als die Familie von Kostino nach Turuchansk zog.

In Kostino befand sich keine Kirche, und alle Gläubigen rechneten nach dem Mondkalender aus, wann das Osterfest sein würde. «Ich fand es immer interessant, wenn sie über göttliche Dinge sprachen. Ich hätte ewig zuhören können».

Zweite Etappe: später hatte sie das Gefühl, dass, ihr etwas Wichtiges fehlte, dass jemand bei ihr sein sollte, der sofort helfen könnte. Dieses Gefühl überkam sie mehrmals.

Geboren wurde sie in einer deutschen Familie, und wenn ihre Familie nicht aus ihrer häuslichen Umgebung herausgerissen worden wäre, wäre Erna katholisch geworden. Doch sie geriet in ein völlig anderes Umfeld. Daher führte sie das Empfinden, dass ihr etwas Wichtiges fehle, zum orthodoxen Glauben. Eines der Symbole der Kirche ist – das Schiff, welches dem Menschen in den stürmischen Wellen das Gefühl verleiht, dass er das Ufer erreichen wird. Und das Meer – ist das Symbol für das Meer des Lebens mit seinen Leiden und Leidenschaften. Und Großmutter wandte sich an die Kirche.

«In Turuchansk habe ich viel geweint. Auf der Anrichte standen zwei kleine Ikonen – sie zeigten den Erlöser und die Muttergottes. Einmal hörte ich eine Stimme: «Geh schnell dorthin, geh dorthin, wo es Kirchen gibt».

Als sie in Schira anfingen Geld für ein Gebetshaus zu sammeln, ließ Großmutter sich an ihrem Arbeitsplatz in Seliwanicha auszahlen und kehrte nach Schira zurück. «Der Herrgott hatte es schon so eingerichtet, dass ich nicht mehr nach Abakan fahren brauchte». In Abakan gab es eine Kirche, aber von Schira aus musste man mit dem Bus dorthin fahren; deswegen freute sich die Großmutter über den Bau der neuen Kirche. In dieser Kirche wurde sie dann auch im Alter von 50 Jahren getauft.

In der neuen Kirche arbeitete die Großmutter als Wärterin. «Es gab keinen glücklicheren Menschen als mich». Die Einstellung ist umso verblüffender, als ihr niemand Geld zahlte und sie sich von Almosen ernähren musste.

Als die Großmutter krank wurde, wurden mehrfach Operationen geplant und wieder abgesagt. Es war, als ob jemand ihr eingab, dass eine Heilung auch ohne einen operativen Eingriff möglich wäre. Später tat sie dasselbe, wie es in der Geschichte des Matthäus-Evangelium mit der Heilung einer Frau geschehen sein soll. In diesem Gleichnis wurde die Frau durch eine Erkrankung geheilt, indem sie Christus‘ Gewand berührte. Nachdem die Großmutter diese Geschichte gelesen hatte, beschloss sie: «Ich werde mir den Segen vom Priester holen und seine Kleidung berühren. Und der Herrgott hat mich für 15 Jahre geheilt. Ich wurde vollkommen gesund».

Großmutter war fest davon überzeugt, dass der Glaube heilen kann. «Jeder Mensch ist krank wegen seiner Sünden. Bitte darum – und es wird gut werden».

Drittens hat Großmutter wichtige Erlebnis durchgemacht. Eine davon war die Wahrnehmung des Todes. Im Krankenhaus erfuhr sie zwei derartige Erschütterungen. «Im Krankenzimmer lagen 4-5 Leute. Eine Frau wurde gebracht. M Samstag kam ihre Enkelin zu Besuch. Die Frau erstarrte und starb. Ich protestierte: wie kann das sein?... Eben war sie doch noch vollkommen lebendig und hat gesprochen. Mit diesem Tod konnte ich mich nicht abfinden. Zwei Tage später legten sie einen Mann ins Zimmer. Er machte ununterbrochen Radau. Wir gingen zum Mittagessen; als wir zurückkamen, war er - tot». Diese beiden Todesfälle erschütterten die Großmutter sehr, in ihrem Herzen protestierte sie gegen den Tod.

Später, als die Oma anfing an Gott zu glauben, begriff sie, dass für einen Gläubigen in Christus der Tod seine Kraft verloren hatte. «Ja, wir sterben immer noch den gleichen Tod, aber wir bleiben nicht darin, und das bedeutet – nicht zu sterben, - sagte der Theologe Joann Slatoust. – Die Macht des Todes und der wahre Tod ist der, wenn der Verstorbene bereits keine Möglichkeit mehr hat, in dieses Leben zurückzukehren; wenn er nach dem Tod wieder zum Leben erweckt wird, und dazu noch zu einem besseren – dann ist das nicht der Tod, sondern die Himmelfahrt.» (Erzbischof Ilarion (Alfejew). Orthodoxes Christentum. Bd.1. – Ìoskau.: Verlag Sretensker Kloster). Für den gläubigen Menschen beinhaltet der Tod das Potential für die zukünftige Auferstehung, es ist – der Übergang zur Ewigkeit. Für Großmutter war die Begegnung mit dem Tod im Krankenhaus wiederum ein Zeichen, dass dieses Erlebnis ihre auch nicht ohne Grund widerfahren war.

Das andere wichtig Erlebnis war die Bekanntschaft mit theologischer Literatur. Die Großmutter war bekümmert darüber, dass es in Schira «keine Bücher in der Kirche gab». Als sich dort schließlich Kirchebücher fanden, begann die Oma Bücher und Ikonen zu kaufen. Einmal kaufte sie das Neue Testament. Sie weiß noch, dass das Buch 40 Rubel kostete.

Großmutter liest gern im Neuen Testament, im Evangelium und in anderen theologischen Büchern. Allerdings liegt ihr Weg zu Gott nicht – in der Anzahl der gelesenen kirchlichen Bücher und miterlebten Gottesdienste, sondern im reinen Herzen, welches sich unter großen Mühen herausbildet. Großmutter weiß, dass man durch Arbeit und Gebet zum Wohlgefallen gelangen kann. Sie geht den Weg des allgemeinen Gehorsams, kocht Essen, macht das Haus sauber, lebt mit den anderen Brüdern und Schwestern in Christus – und erwirbt auf diese Weise Freude am Leben. Großmutter sagt: «Im Kloster hat man es nicht eilig, sondern man lebt».

Warum trägt die Großmutter dann, wie alle Klosterbewohner, schwarze Trauerkleidung? Es stellt sich heraus, dass diese Kleidung den Tod der Seele für die Sünde symbolisiert. «In seinem Inneren ist es dem Herrn nicht traurig und einsam zumute».

Oma sagt: «Wie kann es nur sein, dass man den Herrgott nicht liebt? Schließlich hat er doch alles auf dieser Welt geschaffen. Es ist sogar verwunderlich, warum die Menschen nicht in die Kirche gehen». Sie ist der Ansicht, dass das Gebet der zweite, innere, Atem ist. Großmutter ist stolz darauf, dass «auch meine Hände die Kirche mit aufgebaut haben, dass sie beim Aufräumen geholfen hat, als man die Wassilij Mangaseiskijs fand: «Einen halben Meter Erdreich haben sie entfernt und dann die Stelle entdeckt, an der die Märtyrerrelikte lagen». Sie kam zu dem Schluss: «Die unterschiedlichen Heiligen haben unterschiedliche Heldentaten begangen, deswegen sind die Relikte von unterschiedlicher Farbe. Bei unserem Wassilij waren sie blassrosa, andere sind gelb, aber es gibt auch dunkelbraun gefärbte».

Bei den Begegnungen erzählt sie keine lustigen oder lehrreichen Geschichten aus ihrem Leben, sondern sie spricht gern über religiöse Dinge. Sie berichtete vom Geweihten Luka, vom heiligen Märtyrer Wassilij Mangaseiskij. Sie meint, dass, wenn der gläubige Mensch mit irgendetwas aus eigener Kraft nicht zurechtkommt, reale göttliche Hilfe kommt. Sie äußert sich über niemanden schlecht. Großmutter ist der Ansicht, dass jedes Wort, das auf dieser Erde gesprochen wird, als Echo in den Himmel schallt. Deswegen besitzt die Großmutter eine innere Sensibilität für alles.

Sie ist ein sehr verantwortungsbewusster Mensch. Großmutter ist die Taufpatin meines Vaters. Er geht nicht in die Kirche, und Großmutter ist sehr besorgt darüber, was sie dem Herrn sagen soll, wenn sie vor ihn tritt. Man merkt, dass sie auch deswegen so besorgt ist, weil man Bruder und ich nicht getauft sind, weil wir nicht unseren Schutzengel haben, der uns vor Bösem bewahrt. Sie wünscht sich, dass bei uns alles gut sein möge.

6. Schlussbemerkung

Das Interesse an der Vergangenheit, an der Geschichte des Vaterlandes, der Vorfahren wohnt jedem Menschen inne. Von klein auf muss der Mensch hören und verstehen, dass es vor ihm auch schon eine Zeit, Menschen und Ereignisse gegeben hat. Der Mensch hört Erzählungen der Verwandten, Familien-Legenden, und in seiner Erinnerung fügt sich nach und nach eine Vorstellung von der Vergangenheit zusammen. Wenn du älter wirst, kommt zu dem Gehörten und Gesehenen noch das hinzu, was du gelesen hast, aber auch Kenntnisse, die du im Unterricht oder aus Fernsehsendungen gewonnen hast. So häufen sich in jedem Menschen die Informationen über die Vergangenheit seiner Verwandten. Die Lebensgeschichte meiner Großmutter Erna bildet den ersten Baustein in der zukünftigen Chronik meines Geschlechts. Und gleichzeitig habe ich mich selbst, meinen Charakter und meine Fähigkeit überprüft, eine Sache zu Ende zu bringen. Außerdem habe ich die Absicht, die weißen Flecken in den eigenen Kenntnissen über die Familiengeschichte farbig zu gestalten.

Nachdem wir die Quellen für diese Forschungsarbeit studiert hatten, sind wir zu folgenden Schlüssen gekommen.

1. Das Schicksal eines Menschen hängt stets davon ab, wo und in welchen wirtschaftlichen und politischen Bedingungen er geboren ist und gelebt hat. Die Repressalien gingen an meiner Großmutter nicht vorüber. Das schrecklichste Ereignis in ihrem Leben ist die gewaltsame Deportation der Familie aus der Republik der Wolgadeutschen in den Jahren des Großen Vaterländischen Krieges. Wäre er nicht gewesen, dann wäre das Leben der Großmutter anders verlaufen. Nachdem sie als noch kleines Kind in die Deportation hineingeraten war, stieß sie auf Probleme, die selbst ein Erwachsener nicht leicht überwinden kann: Verlust des Vaters, Nahrungsmangel, die Unmöglichkeit einen Beruf zu erlernen, die Notwendigkeit viel schwere körperliche Arbeit zu leisten. Sie trug auf ihren Schultern alle Erschütterungen des 20. Jahrhunderts und blieb trotz allem ein guter und einfühlsamer Mensch.

2. Großmutters Weg ins Kloster war keine Folge eines persönlichen Dramas. Es war vielmehr die Suche nach ihrem Weg ins Leben. Ihr Weg zu Gott begann in der Familie, wo Gott trotz des Sowjetsystems nicht in Vergessenheit geriet. Seit ihren Kindertagen empfand sie ein Bedürfnis nach dem Göttlichen, und dieses Bedürfnis wurde ihr mit dem Alter gänzlich bewusst. In religiösen Büchern fand sie Antworten darauf, wie man leben, wie man den Tod und andere Lebenserfahrungen verstehen und aufnehmen soll. Die Kraft der Seele, des Glaubens und der Liebe halfen ihr bei der Suche nach ihrem Lebensweg.

Somit sind die Aufgabenstellungen dieser Forschungsarbeit erfüllt. Die Hypothese wurde bestätigt. Das Ziel der Arbeit ist erreicht: die Erforschung der Biografie meiner Oma Erna Miller – Mütterchen Makaria – als Teil des Stammbaums meiner Familie.
Für die Mithilfe beim Schreiben dieser Arbeit danke ich: meiner wissenschaftlichen Leiterin Swetlana Sergejewna Subowa, meinen Eltern Stanislaw Olegowitsch und Jekaterina Igorewna Ignatow, meiner Oma Augustea Kirillowna Ignatowa (Tschalkina), dem Bruder meiner Oma Auguste – Viktor Kirillowitsch Tschalin und seiner Frau Sinaida Aleksejewna Tschalkina.

Literatur

1.B.J. Andjussew, Sibirische Heimatkunde. – Krasnojarsk: 2006. - S. 110.
2.Erzbischof Ilarion (Alfejew). Das orthodoxe Christentum. Bd.1. – Ìoskau: Verlag des Sretensker Klosters, 2009. – S.735.
3.G. Wormsbecher. Die Sowjetdeutschen und ihre Literatur. //Das Elternhaus. - Ìoskau:1989. - S.5.
4.Louis de Jong. Die deutsche «fünfte Kolonne» im zweiten Weltkrieg. /Übers. a.d. Deutschen. - Ìoskau: 1958.- S.358.
5.http://wolgakirche.ucoz.ru/forum/7-14-1
Quellenangaben:
1.Anordnung «Über die Art und Weise des Einsatzes deutscher Umsiedler im Alter zwischen 17 und 50 Jahren». (R. Kowalenko. Die deutsche Zone. // 2005. – 30. Oktober - ¹59. - S.8.)
2.Erzählung meiner Großmutter – des Mütterchens Makaria (Erna Miller). Der Bericht wurde vom Autor der Arbeit aufgezeichnet. Wird im Familienarchiv der Ignatows verwahrt.
3. Erzählung meiner Großmutter – Augusta Kirillowna Ignatowa (Tschalkina). Der Bericht wurde vom Autor der Arbeit aufgezeichnet. Wird im Familienarchiv der Ignatows verwahrt.
4. Erzählung meiner Verwandten väterlicherseits – Viktor Kirillowitsch und Sinaida Aleksejewna Tschalkin. Der Bericht wurde vom Autor der Arbeit aufgezeichnet. Wird im Familienarchiv der Ignatows verwahrt.

Anhang 1

Blatt 1


Karte des Kantons Marienthal, ASSR der Wolgadeutschen


Einwohner der Ortschaft Herzog (Susly), Nowouspensker Landkreis, Gouvernement Samara.
Aufnahme: Anfang des 20. Jahrhunderts

Quelle: http://wolgakirche.ucoz.ru/forum/7-14-1

Anhang 1

Blatt 2




Geburtsurkunde von Alwine Andrejewna Getz
mit Vermerk über die Registrierung der zweiten Ehe

Quelle: Familienarchiv von A.K. Ignatowa (Tschalkina) – der Tochter von À. À. Getz

Anhang 1

Blatt 3


Katholische Kirche in der Ortschaft Herzog


Der verlassene Friedhof


Die Stelle, an der sich die Ortschaft Herzog befand

Quelle: http://wolgakirche.ucoz.ru/forum/7-14-1

Anhangå 2

Blatt 1


Rehabilitationsbescheinigung von Alwine Andrejewna Getz

Quelle: Familienarchiv von W.K. Tschalkin – dem Sohn von À.À. Getz

Anhang 2

Blatt 2


Bescheinigung über Vergünstigungen
für Ernestine Jakowlewna Miller
auf Grundlage von § 16 des Gesetzes der RSFSR
«Über die Rehabilitierung der Opfer der politischen Repressionen»

Quelle: Dokumente von E.J. Miller


Das Haus der Tschalkins (links) im Dorf Kostino, Turuchansker Bezirk,
wo Erna Miller in ihrer Kindheit lebte

Quelle: Familienarchiv von A.K. Ignatowa (Tschalkina) – der Tochter von A.A. Getz

Anhang 3

Blatt 1


À. À. Tschalkina (Getz) und ihr Ehemann K.D. Tschalkin (zweiter von links)
Ortschaft Kostino, Turuchansker Bezirk
50er Jahre des 20. Jahrhunderts

Quelle: Familienarchiv von W.K. Tschalkin – dem Sohn von A.A. Getz


Alwine Andrejewna Tschalkina (Getz) mit den Kindern: Sergej, Augusta, Alexander, Irma
Dorf Kostino, Turuchansker Bezirk 1957

Quelle: Familienarchiv von A.K. Ignatowa (Tschalkinaé) – der Tochter von A.A. Getz

Anhang 3

Blatt 2


Alwine Andrejewna mit den Kindern: Sohn Alexander, Tochter Augusta
Ortschaft Turuchansk
1970-år Jahre

Quelle: Familienarchiv von W.K. Tschalkin – dem Sohn von A.A. Getz


Alwine Andrejewna Getz – Mutter von Erna Jakowlewna Miller
18. März 1919 – 2. Mai 2009

Quelle: Familienarchiv von A.K. Ignatowa (Tschalkina) – der Tochter von AA.A. Getz

Im Verlauf der Forschung


Mütterchen Makaria und ihr Großneffe Artjom Ignatow – dem Autor der Arbeit


Begegnung von Mütterchen Makaria mit den Enkeln – Artjom und Dima Ignatow
Ortschaft Turuchansk
2018


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