Die Trudarmisten

MENSCHLICHE SCHICKSALE

Heute berichte ich über Menschen, die während des Krieges einen schweren Weg beschreiten mussten, den Weg der Trudarmisten.

Herbst 1941. Die Regierung fasst den Beschluss, die Deutschen aus dem Wolgagebiet auszusiedeln. Nachdem Fahrzeuge herangefahren und damit einen Ring gebildet hatten, bringen mit Macht ausgestattete Leute in Uniform die Menschen aus den Häusern, wobei sie ihnen die Erlaubnis erteilen, ausschließlich Handgepäck mitzunehmen. Nachdem man die Deutschen auf Waggons oder Lastkähne verfrachtet hat, bringen sie alle an die jeweiligen Bestimmungsorte. Viele trafen in der Region Krasnojarsk ein ... Es wurden nicht mehr als zwei bis vier Familien an einem Fleck angesiedelt. Und anschließend wurden alle Männer im Einberufungsalter und zahlreiche Frauen in die Trudarmee mobilisiert. Sie arbeiteten in den schwierigsten Bereichen aufrichtig und gewissenhaft, wobei sie ihren Groll tief verborgen hielten: denn sie hatten begriffen es herrscht Krieg.

Viele kehrten aus der Trudarmee nicht zurück. Viele starben zu Friedenszeiten. Mögen wir ihnen immer ein ewiges Andenken bewahren. Heute leben vier Trudarmisten bei uns. Es handelt sich um Jekaterina Jakowlewna Root, Adam Adamowitsch Krom, Adam Adamowitsch Gingel und Alexander Alexandrowitsch Bem (Behm/Böhm).

Jekaterina Jakowlewna (geb. 1913) hatte vor der Verschickung in die Trudarmee fünf Jahre gearbeitet. 1942 geriet sie nach Igarka in unserer Region und musste dort Bäume fällen. Im September 1947 wurde sie demobilisiert. Bis zur Rente war sie in der Balachtinsker Milchsowchose tätig (1968).

Das Arbeitsleben von Adam Adamowitsch Krom (geb. 1913) umfasst 30 Jahre. Er wurde im Februar 1942 in die Trudarmee mobilisiert. Bis zum Februar 1945 arbeitete er beim Holzeinschlag und an anderen Orten im Kirowsker Bezirk. Zu Friedenszeiten war er in der Viehzucht beschäftigt.

Adam Adamowitsch Gingel (geb. 1916) war von Oktober 1941 bis April 1948 in der Trudarmee. Im Kirowsker Gebiet leitete er den Holzeinschlag und das Verladen von Holz. Arbeitsjahre über 35 Jahre. Nach der Trudarmee war er als Traktorist, später, aufgrund seines Gesundheitszustandes, im Fahrzeughof tätig. Für gewissenhafte Arbeit wurden ihm mehrfach Ehrenurkunden und Geldprämien verliehen.

Alexander Alexandrowitsch Bem (Behm/Böhm, geb. 1928) wurde erstmalig im Herbst 1942 in die Trudarmee mobilisiert. Sein Bestimmungsort lag in Tatarstan. Doch nach drei Monaten schickten sie Alexander Alexandrowitsch wieder nach Hause, um dort seinen Gesundheitszustand zu verbessern. 1943 beriefen sie ihn erneut ein diesmal nach Nischnij Tagil. Dort erwarb er sich die Fähigkeiten zur Ausübung des Berufs eines Schweißers, baute Metallverarbeitungsbetriebe. Demobilisiert wurde A.A. Bem im April 1946. Doch auf Bitten der Leitung blieb er und arbeitete weiter. 1957 kehrte er zurück. Bis Januar 1987 war er als Schweißer in Krasnaja tätig. Für seine Arbeit erhielt er Ehrenurkunden, Geldprämien, und 1979 bekam Alexander Alexandrowitsch den Titel des Sieges im Sozialistischen Wettbewerb zugesprochen.

Ich kann nicht umhin, noch über zwei weitere Trudarmisten zu schreiben, die viele Jahre in Krasnaja lebten, aber kürzlich zu den Kindern nach Balachta umzogen. Es handelt sich um die Eheleute Jakob Davidowitsch und Jekaterina Adamowna Kunau. Jakob Davidowitsch wurde im Februar 1942 in die Trudarmee mobilisiert (Kirowsker Gebiet, Holzeinschlag), Jekaterina Adamowna im Februar 1943. Ihr Kind mussten sie bei Verwandten lassen. Bis September 1946 befand sich Jekaterina Adamowna in der Burjatisch-Mongolischen ASSR: sie arbeitete beim Holzeinschlag und bei der Kohleförderung.

Etwa 40 war Jakob Davidowitsch in der Landwirtschaft tätig, Jekaterina Adamowna hat weniger Arbeitsjahre aufzuweisen.

Alle Trudarmisten sind mit der Medaille Für hervorragende Arbeitsleistungen während des Großen Vaterländischen Krieges ausgezeichnet worden, alle mussten ihr Leben wieder ganz von vorn beginnen, viele von ihnen die russische Sprache erlernen. Aber wie dem auch sei, die einstigen Trudarmisten blieben Optimisten und wohlwollende Menschen.

Heute wird viel getan, um diesen Leuten ihre Ehre und Würde zurückzugeben: sie wurden rehabilitiert, man hat ihnen materielle Verluste erstattet, es gibt Vergünstigungen. In der Region wird ein Programm zur sozialen Unterstützung der Russland-Deutschen verabschiedet... Aber wie viel Gesundheit ist verlorengegangen, wie viele sind schon nicht mehr am Leben! Das kann man nicht ersetzen. Aus tiefstem Herzen möchte man seinen geschätzten Mitbewohnern und ehemaligen Trudarmisten im Dorf sagen: lebt weiter, möge eure Gesundheit nicht versagen, mögen eure Kinder, Enkel und Urenkel für euch sorgen. Alles, alles Gute für euch!

O. GONTSCHAROWA

Dorf-Nachrichten (Balachta), 31. März 2000
Das Material wurde vom Balachtinsker Heimatkunde-Museum zur Verfügung gestellt.


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