Damit der Schatten vergangener Zeiten nicht zurückkehrt...

30. OKTOBER, TAG DES GEDENKENS AN DIE OPFER DER POLITISCHEN REPRESSIONEN

Am 30. Oktober wird in Russland der Tag des Gedenkens an die Opfer der politischen Repressionen begangen. In allen Ecken des Landes wurden und werden Vereinigungen und Filialen von Vereinigungen der Opfer der politischen Verfolgungen geschaffen, unter deren Ägide Trauer-Aktionen, Kundgebungen „thematisierte“ Schul-Unterrichtsstunden stattfinden, die der Tragödie von Millionen, durch das totalitäre Regime zerstörten, Menschen gewidmet sind.

«Wie war das?» - ein wenig Geschichte

Die Oktober-Revolution 1917, die Schaffung von Konzentrationslagern in den 1920er Jahren, die Organisierung des «großen Terrors» und der künstlich herbeigeführten Hungersnot in den 1930ern, die Deportation zahlenmäßig kleiner Nationen Russlands in den vierziger Jahren... – das ist nur ein kleines Quäntchen der «beiden großen» Bolschewiken, begleitet von unverhohlenem Spott und Raub. Und wozu das alles? Damit Millionen völlig unschuldiger Staatsbürger des bolschewistischen Landes der Sowjets ein «Niemand und ein Nichts» wurden. Was hielt das Schicksal für sie parat? Im besten Fall – die Konfiszierung des Besitzes und den Entzug der politischen Rechte. Das Etikett eines «Volksfeindes», das den Weg zu einem normalen Leben verschloss. Den Umzug mit bescheidenem Hab und Gut in Güterwaggons in eine fremde «kleine Heimat», ohne Kenntnisse ihrer Sprache und Traditionen. Im schlimmsten Fall – die Erschießung, Gefängnis oder Verbannung ohne Recht auf Briefverkehr. Und natürlich Massengräber, zu denen niemand kommt, um für die Ruhe der unschuldigen Seelen zu beten. Oder Buße zu tun...

Und so nahm im Oktober dieses Jahres die Filiale der Krasnojarsker Vereinigung der «Opfer der politischen Repressionen» ihre Arbeit auch im Krasnoturansker Bezirk auf. Den Vorsitz führte Frieda Ludwigowna Schtschukina. Zu ihrem Bestand gehören mehr als 300 Leute, deren Verwandte verfolgt, deportiert oder in den stalinistischen Kerkern erschossen wurden.
Ziel der Arbeit der öffentlichen Organisation ist der Schutz der Interessen und gesetzlich verankerten Rechte der Opfer der politischen Repressionen, Unterstützung in sozial-rechtlichen und seelischen Belangen, die Verewigung des Gedenkens an die illegal verfolgten Staatsbürger; außerdem soll die Öffentlichkeit auf das Phänomen des Totalitarismus und seiner negativen Folgen in Russland aufmerksam gemacht werden.

In der kurzen Zeit ihres Bestehens hat die Krasnoturansker Filiale der Krasnojarsker Vereinigung der «Opfer der politischen Repressionen» bereits eine bemerkenswerte Arbeit zum Schutz der Rechte und Interessen verfolgte Bürger getan. Um ihnen eine Entschädigung für die in jenen Jahren unrechtmäßig durchgeführten Beschlagnahmen ihres Eigentums auszahlen zu können, reichten Aktivisten der Filiale Klagen bei den Bezirks- und Regionalgerichten ein. Natürlich wurden diese Anspruchsklagen zurückgewiesen, denn es fehlt ein Gesetz über eine solche Art von Kompensationen. Doch das hielt sie nicht ab, und nun sind sie bereit, Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof einzulegen. Außerdem planen die Aktivisten der Filiale 2013 einen Gedenkstein «für die Opfer der politischen Repressionen» einzuweihen. Die Filiale hat bereits eine Vereinbarung mit den Leitern der Legislative und Exekutive des Bezirks über die Zuteilung von Geldmitteln für seine Entstehung getroffen sowie das Einverständnis des Leiters des Krasnoturansker Dorfrats für seine Aufstellung eingeholt. «In allen Bezirken der Region Krasnojarsk wurden nicht nur ähnliche Stelen errichtet, sondern auch auf Grundlage der Erinnerungen von Angehörigen die «Bücher der Erinnerung» ins Leben gerufen, die den Opfern der politischen Repressionen gewidmet sind, - sagt Frieda Ludwigowna. – Warum verewigen wir nicht auch die Erinnerung an die unschuldig ums Leben gekommenen Bürger? Ich wende mich an alle Opfer der Verfolgungen und ihre Verwandten, die in der Region Krasnojarsk gelebt haben oder zum gegenwärtigen Zeitpunkt leben: schreiben Sie Ihre Erinnerungen auf, sucht Dokumente und Fotos zusammen und schicken Sie an unsere Filiale oder an mich persönlich. Wir haben etwas, was wir unseren Nachfahren erzählen können! Die Entstehung der «Bücher...» hat bereits begonnen, uns liegen bereits die Wettbewerbsarbeiten von Schülern über rehabilitierte Bürger des Bezirks vor, Arbeiten, die J.W. Engel uns gebracht hat, und sie werden auf jeden Fall Teil des Buches werden. Inzwischen habe ich sie im Archiv der regionalen «Memorial»-Organisation abgegeben. Wenn nötig, rufen Sie mich unter der Telefonnummer 8 (391-34)-22-2-75 und 8-906-952-52-10 an».

F.L. Schtschukina dankt im Voraus der Exekutive, dem Bezirksrat der Deputierten, dem Vorsitzenden des Krasnoturansker Dorfrats für die Hilfe und Unterstützung bei dem großherzigen Vorhaben zur Verewigung des Gedenkens an die Verfolgten und hofft auf eine auch weiterhin enge Zusammenarbeit.

Nach sehr bescheidenen Schätzungen belief sich Zahl der Opfer der politischen Repressionen in den Jahren der Sowjetmacht im Lande auf nicht weniger als 20 Millionen Menschen. In unserem Bezirk gibt es mehr als 400 einst verfolgte Personen. Natürlich kann kein Gedenkstein die Umgekommenen zurückholen und die tiefen Wunden heilen, welche den Menschen durch die politischen Verfolgungen der dreißiger bis fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts beigebracht wurden. Aber er kann ein Ort der Reue und des ewigen Gedenkens für die Nachkommen werden. Nur durch den Erhalt der historischen Erinnerung an die schrecklichen Geschehnisse der Vergangenheit kann man ihre Wiederholung in der Zukunft vermeiden.

Jekaterina LOBOWA

„Turaner Echo“, 08.11.2013


Zum Seitenanfang