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Verbannungs- / Lagerhaftbericht von Maria Andrejewna Meschkowa (Gelrot)

Geboren am 16. November 1941.

Die Familie lebte bis 1941 im Gebiet Saratow. Die Familie bestand aus 5 Personen – der Mutter Amalia Iwanowna (geboren am 06. Mai 1912), dem Vater Andrej ... Gelrot, und drei Kindern – einer Schwester und einem Bruder sowie Maria Andrejewna.

Den Vater erinnert Maria Andrejewna undeutlich, denn sie war erst wenige Monate alt, als man ihn zur Trudarmee nach Tscheljabinsk fortbrachte. Später hat sie den Vater nie wieder gesehen.

Im Herbst 1941 wurde Maria Andrejewnas Familie in einen Kasachstaner Kreis verschleppt, in das Dorf Litwinowa in der Region Akmolinsk – der Grund war ihre nationale Zugehörigkeit („ ... Wir sind doch Deutsche ...“).

„Wir lebten in großer Armut, eine Wirtschaft hatten wir nicht ...“.

Die Ortsansässigen begegneten uns mit Ehrerbietung und halfen uns, wo sie nur konnten. Wir lebten in Erdhütten, sogenannten „masanki“ (Lehmhütten), denn in Kasachstan gibt es wenig Bäume.

Als sie größer war, ging sie in die Schule. Die Kleidung trug sie wechselweise zusammen mit ihrer Schwester. Sie beendete die 7-Klassen-Schule, erhielt jedoch keinerlei Berufsausbildung, und verrichtete dann irgendwelche Arbeiten – je nachdem, wo es gerade welche gab. Die Mutter mußte sich jeden Monat einmal bei der Kommandantur melden und registrieren lassen. Sie arbeitete in der Dorf-Sowchose (säte, pflügte und sorgte sich im Winter um das Vieh).

1954 wurden sie rehabilitiert, sie haben Dokumente, die sich aber zur Zeit bei der Schwester in Kasachstan befinden.

Die deutsche Sprache kennt sie nicht, denn viele Deutsche, ebenso wie auch die Familie Maria Andrejewnas, hatten Angst vor der Nichtung und dem Haß von Seiten der Russen. Obwohl es in Litwinowo keine nationalen Streitigkeiten gab. In die Heimat wollte sie nie zurückkehren, weil sie sich bereits daran gewöhnt hat hier zu leben (ihr Vetter und ihre Schwester sind nach Deutschland ausgewandert). „ ... Aber wir haben uns hier eingelebt und wollen nirgendwohin fahren ...“.

Seit dem Jahre 2000 lebt Maria Andrejewna in Jarzewo, „ ... das ist näher bei den Kindern, sonst ist es für uns Alten schwer – so allein ...“.

- Und emfinden Sie manchmal Haß auf die damalige Macht oder auf die Menschen, die sich Ihnen gegenüber schlecht verhalten haben?

Maria Andrejewna: „Nein, das nicht. So war es eben damals...“. – „Es ist nur schade, dass ich nichts über den Vater weiß“.

- Ist Ihnen bekannt, dass Sie als Repressionsopfer das Recht auf Sondervergünstigungen besitzen?

Maria Andrejewna: „Ja, meine Rente wurde um 20% erhöht. Was ich sonst noch nutzen kann weiß ich nicht, ich habe mich nicht weiter erkundigt ...“.

- Und warum nicht?

Maria Andrejewna: „Es haben einfach alle einen Ausweis, und ich habe bloß meine Rehabilitationsbescheinigung, aber um einen Ausweis zu bekommen, muß man nach Jenisejsk fahren ... Mir reicht meine Rente. Ich bin daran gewöhnt so zu leben. Ein paarmal habe ich Medikamente geholt, aber es gibt nicht alle Arzneimittel in der Apotheke ...“

Es existiert ein Foto.

Die Befragung wurde durchgeführt von T. Kazupij, W. Moisejew (historische Abteilung der Jenisejsker Fachschule für Pädagogik)

Erste Forschungsexpedition für Geschichte und Menschenrechte


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