"Nochmalige"


Im Frühjahr und besonders im Sommer des Jahres 1949 (nach unseren Unterlagen) begannen wiederholte Verhaftungen ehemaliger Polit-Gefangener (manchmal sogar jene, die ihre Haft bereits vor dem Krieg abgesessen hatten). Man nahm ihnen die Pässe weg und sperrte sie ins Gefängnis, - einige für 2-3 Monate, andere für ein Jahr oder mehr. Für gewöhnlich hetzte man sie zu Verhören, in dem Bestreben, eine neue "Akte aufzurollen", aber in der Regel wurde ihnen letztendlich durch das Sonderkollegium des Ministeriums für Staatssicherheit aufgrund der vorherigen, "alten" Akte eine Verbannungsfrist ausgeschrieben. Im allgemeinen verliefen diese Verbannungsetappen nicht auf direktem Wege, sondern über Durchgangsgefängnisse.

Bei Ankunft in der Verbannungsregion (in unserem Fall - in Krasnojarsk) sperrte man die Verbannten auch zuerst ins Gefängnis, in die Durchgangszelle.

Nach ein, zwei Tagen oder einer Woche kamen "Käufer" für Sklavenarbeitskräfte ins Gefängnis und nahmen die Verbannten mit, die sie für arbeitsfähig befanden, mit in ihre Betriebe - Baustellen, Bergwerke oder Waldwirtschaften, - jetzt schon ohne Bewachung.

Diejenigen Verbannten, die von allen "Käufern" abgelehnt wurden, steckte man gewöhnlich in Kolchosen. Am Verbannungsort wurden die ehemaligen Häftlinge unter Kommandantur gestellt. In den ersten Jahren mußten sich jeden Monat zwei- oder dreimal beim Kommandanten melden, ab 1953 - einmal im Monat.

In Norilsk, Dudinka, Kansk und dergleichen Orten brachte man die ehemaligen Häftlinge (gewöhnlich) nicht hinter Schloß und Riegel, sondern bestellte sie einfach zur Miliz, nahm ihnen die Pässe weg, zerriß sie, und stellte sie unter Kommandantur.

Verhaftungen "Nochmaliger" in unserer Region - das sind zum einen Verhaftungen ehemaliger Häftlinge, die in den Jahren 1945-1948 (oder früher) aus verschiedenen Lagern zurückgekehrt waren, zum zweiten, Verhaftungen jener ehemaligen Gefangenen, die nach ihrer Freilassung aus dem Norillag, Kraslag u.a. in unserer Region geblieben waren. Uns sind keine Fälle bekannt, in denen "Nochmalige" aus unserer Region in Gebiete außerhalb dieser Region verbannt wurden.

Außerdem wurden "Nochmalige" aus den verschiedensten Orten in unsere Region verschleppt: aus Moskau und Leningrad (einschließlich des Gebietes Leningrad), aus dem Wolgagebiet, aus Zentral-Rußland, aus West-Sibirien. Uns sind ebenfalls Fälle von Verbannungen "Nochmaliger" in unsere Region aus der Ukraine und Weißrußland bekannt, aber das kam offenbar seltener vor.

Es gab keine Einzelfälle von Verhaftungen und Verurteilungen zu "ewiger Ansiedlung" von ehemaligen Gefangenen, denen man den "bloßen" §58-10 zugeschrieben hatte (z.B. in West-Sibirien, von wo aus sie in unsere Region verbannt wurden).

Der Strom von verbannten "Nochmaligen" nahm im Jahre 1952 ab. Er hörte endgültig 1953 auf.

Die "Nochmaligen" wurden im Sommer und Herbst 1954 aus der Verbannung entlassen und erhielten alle Pässe. Aber die ethnischen Deutschen, ebenso wie auch Angehöriger anderer "antisowjetischer Nationalitäten" wurden einfach in eine andere Verbannungskategorie ein-geordnet. Aus der Verbannung wurden sie schließlich 1956 freigelassen.


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